Nach Jahren des Sparens: Agridea erhält wieder mehr Mittel
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Am 9. Januar 2026 lud der Berner Bauernverband zum diesjährigen Berner Landwirtschaftspodium, wobei das Publikum den Auftakt der 18. Staffel des Agrarpolitik-Podcasts gleich live erleben konnte: Unter dem Titel «Liegt die Zukunft der Berner Landwirtschaft in der Vielfalt?» diskutierten die beiden Betriebsleiter Niklaus Walker und Fabian Feissli über Diversifizierung, Spezialisierung und politische Hürden.
Niklaus Walker führt einen intensiven Milchwirtschaftsbetrieb in Lenk BE, und bewirtschaftet rund 42 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Während im Sommer Alpkäse produziert wird, liegt, führt er im Winter die Haslerbar am Betelberg.
Fabian Feissli ist Gemüseproduzent aus Ins BE und betreibt zusammen mit seinem Bruder eine Betriebsgemeinschaft. Ein Teil ihres Gemüses wird mittels Direktvermarktung im eigenen Laden am Dorfplatz verkauft.
«An der Lenk müssen wir rohfutterverzehrende Tiere halten», erklärt Niklaus Walker, «ich kann nicht noch ein wenig Gemüse anbauen.» Die Diversifizierung findet bei ihm im agrotouristischen Bereich statt: Er führt die Haslerbar am Betelberg mit sechs Vollzeitangestellten.
«Im Seeland ist meiner Meinung nach in den letzten Jahren ein massiver Strukturwandel unterwegs», meint Fabian Feissli, «viele kleinere Betriebe hören auf und die grösseren Betriebe werden dadurch noch grösser.» Auch wenn das Seeland oftmals als Gemüseland bezeichnet werde, sei die Vielfalt der Betriebe innerhalb des Kantons sehr gross. So empfand Fabian Feissli den Austausch zwischen den verschiedenen Regionen schon in der Grundbildung als bereichernd. Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis sei gerade in einem Kanton dieser Grösse wichtig.
«Ich würde fast sagen, Bern ist der vielseitigste Kanton der Schweiz», stimmt Niklaus Walker zu, und diese Vielfalt solle unbedingt bestehen. «Das Diversifizieren an sich ist super, aber den einzelnen Betrieb würde ich nicht zu fest diversifizieren», ergänzt er. Er rät deshalb eher zur Spezialisierung des eigenen Betriebs.
Aus der Sicht von Fabian Feissli birgt die Diversifizierung sowohl Chancen als auch Risiken. Diversifizierte Betriebe tragen ein kleineres Risiko und sind durch die unterschiedlichen Standbeine breiter abgestützt. Trotzdem erwarte der Handel, dass jeder Betrieb ein absoluter Profi auf einem Gebiet sei. Das sei schade, denn gerade die kleinstrukturierten, spezialisierten Betriebe würden sehr gute Arbeit leisten.
Punkto Politik findet Niklaus Walker klare Worte: «Das wird langsam zur Katastrophe», meint er. Junge Unternehmerinnen und Unternehmer würden durch die Politik ausgebremst, auf Ideen folgt Bewilligung auf Bewilligung, die eingeholt werden muss. «Das bremst uns aus», meint Niklaus Waber, und koste viel Zeit und Energie. «Seid nicht so träge», adressiert er die Politikerinnen und Politiker im Publikum, auch wenn dies nicht einfach sei.
Fabian Faessli stimmt entschieden zu. Besonders als Gemüseproduzent ergebe sich ein grosser Zusatzaufwand mit dem Einholen nötiger Fachbewilligungen und dem Spritzen von Pflanzenschutzmitteln. «Der Aufwand, den wir für das gleiche Resultat betreiben müssen, hat massiv zugenommen und wird auch in Zukunft nochmals zunehmen», erläutert er.
Unter dem Thema «Den persönlichen Interessen folgen» teilte auch Christa Krähenbühl vom Grunderhof in Oberhüningen aus dem Emmental ihre Erfahrungen. Mit durchschnittlich 30 Kühen ist ihr Haupterwerb die Milchwirtschaft. Zudem bauen sie auf ihrem 20-Hektaren-Betrieb Urdinkel und Weizen an, den sie weiterverarbeiten und im eigenen Hofladen neben anderen Produkten verkaufen. Christa Krähenbühl ist es jedoch wichtig zu betonen, dass die Direktvermarktung längst keine Goldgrube mehr ist, sondern mit viel Arbeit und Herzblut verbunden ist.
Die Vielfalt der Berner Landwirtschaft sehe sie aufgrund der Risikoverteilung als Chance. Was sie in ihrer Region bedaure, seien die vielen Betriebe, die extensivieren. «Es hätte sehr viele junge, motivierte Bäuerinnen und Bauern, denen die Betriebsgrössen aber zu klein sind und die so auf ein Einkommen auswärts angewiesen sind», erklärt sie.
Zum Schluss trat Marco Messerli von Messerli’s Bio-Obst aus Kirchberg auf die Bühne. Er baut hauptsächlich Äpfel, Birnen, Zwetschgen an und betreibt zudem etwas Ackerbau. Aufgrund geänderter Richtlinien im Biolandbau stehe der Legehennenstall momentan leer, und auch mit Kirschen- und Beerenanbau habe er wieder aufgehört. Wie bei seinem eigenen Betrieb sehe er in der Region eine Tendenz zur Spezialisierung. Für Marco Messerli ist klar: «Die Politik muss die Motivation in der Landwirtschaft fördern.»
Das Podium der Berner Landwirtschaft zeigt: Ob Diversifizierung oder Spezialisierung hängt stark von Betrieb und Region ab. Wichtig für alle ist jedoch eine Politik, welche die Landwirtschaft unterstützt und dabei trotzdem den nötigen Spielraum lässt.
Staffel 18 von «Agrarpolitik – der Podcast» rückt die Vielfalt der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft in den Fokus. Die Staffel beleuchtet Potentiale und Grenzen vielfältiger Landwirtschaft – aus Sicht von Unternehmen, Verwaltung und Politik.
Diese Folgen sind erschienen:
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