Grenzschutz im Agrarbereich: Studie sieht zentrale Stütze – und Lücken im System
Der landwirtschaftliche Grenzschutz steht politisch in der Kritik – zwischen Versorgungssicherheit, Einkommen der Bau...
«Die Berner Landwirtschaft ist so vielfältig wie die Landschaft, in der sie sich abspielt», findet Michael Gysi, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern. Zudem sei sie ein Abbild der Schweizer Landwirtschaft, einfach fünfmal kleiner: Bergbetriebe mit Schwerpunkt Futterbau, grosse Talbetriebe mit Ackerbau und typische Jura-Betriebe. «Eine gute Landwirtschaft passt sich den topografischen und klimatischen Verhältnissen an», sagt Michael Gysi im Agrarpolitik-Podcast. Vielfalt sei deshalb zwingend und eine Chance – aber auch eine Herausforderung. Nur mit Vielfalt könnten die Ziele umgesetzt werden, welche die Bundesverfassung vorgibt: sichere Versorgung mit Lebensmitteln, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Kulturlandschaft sowie dezentrale Besiedlung.
Michael Gysi ist seit Juni 2020 der Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur im Kanton Bern. Er liess sich an der ETH Zürich zum Naturwissenschaftler ausbilden. Er war unter anderem während mehreren Jahren für die Eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik in Tänikon tätig. Von 2006 bis 2012 war Michael Gysi Direktor der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux und dem Nationalgestüt. Von 2013 bis 2018 war er als CEO verantwortlich für die Geschicke von Agroscope, danach Chef der Stiftung Careum.
Das Amt für Landwirtschaft und Natur umfasst Abteilungen, die schwergewichtig für den Schutz der Landschaft zuständig sind, und Abteilungen, die schwergewichtig für die Nutzinteressen arbeiten. «Das ist ein Vorteil», ist der Amtsvorsteher überzeugt. Diskussionen innerhalb der Geschäftsleitung führten oft dazu, dass Schutz und Nutz profitierten, weil die Nutz- und Schutzverantwortlichen sich kennen. Als Beispiel nennt er einen Bach, der freigelegt und an den Rand einer Parzelle verschoben wurde: «Der Landwirt hat mehr zusammenhängende Nutzfläche und die Biodiversität wird gefördert.»
Dass der administrative Aufwand kritisiert wird, versteht der Amtsvorsteher, und betont gleichzeitig: «Die Verwaltung erfindet keine eigenen Aufgaben.» Sie versuche, die Vorgaben der Politik effizient und mit Augenmass umzusetzen. Das gelingt in Bern, zeigen Studien von Economiesuisse. Die Vielfalt administrativ zu unterstützen, sei jedoch herausfordernd. «Ein möglichst digitaler Vollzug fördert die Effizienz», denkt Michael Gysi. Gleichzeitig führe dieser zu Risiken für Landwirte und Landwirtinnen, die digital nicht so affin seien.
Staffel 18 von «Agrarpolitik – der Podcast» rückt die Vielfalt der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft in den Fokus. Die Staffel beleuchtet Potentiale und Grenzen vielfältiger Landwirtschaft – aus Sicht von Unternehmen, Verwaltung und Politik.
Diese Folgen sind erschienen:
Die Aufgabe seines Amtes sieht Michael Gysi darin, Betriebsleitende zu unterstützen, auch über die Bildung. Diese soll Spezialisierung genauso ermöglichen wie Vielfalt. «Die Betriebsentwicklung soll individuell entschieden werden», betont er. Sein Amt verfolge keine übergeordneten politischen Ziele. «Matchentscheidend ist die Betriebsleiterin und der Betriebsleiter», findet er. Manche seien risikofreudig und wollten in einem Gebiet die Besten sein, sie würden sich eher spezialisieren. Manche wollten oder könnten weniger Risiko tragen und würden sich eher breit aufstellen. Weitere Faktoren seien die Infrastruktur, das Umfeld des Betriebs und die verfügbaren Arbeitskräfte.
«Agrarpolitik – der Podcast» zeigt Entwicklungen, Lösungswege und Handlungsachsen der Schweizer Agrarpolitik. Moderiert werden die Sendungen von Andreas Wyss, die Produktion verantwortet Hansjürg Jäger. Der Podcast ist auf allen gängigen Plattformen verfügbar und kann als Newsletter abonniert werden. Mehr unter www.agrarpolitik-podcast.ch.
Über die Konferenz der Landwirtschaftsämter und die Landwirtschaftsdirektorenkonferenz seien die Kantone in die Diskussion über die Agrarpolitik 2030+ einbezogen. «Grosse Agrarkantone sollen sich zur nationalen Politik äussern», findet Michael Gysi. Der Bund solle jedoch kleine Kantone auch hören. «Das ist für die Landwirtschaft wichtig», denkt er. Die Aufteilung zwischen Bund und Kantonen findet er gut. «Landwirtschaft ist nationale Politik – sie wird auch über 90 Prozent national finanziert», begründet der Amtsvorsteher. Ausserdem gebe das eine Linie in die kantonale Umsetzung.
Der landwirtschaftliche Grenzschutz steht politisch in der Kritik – zwischen Versorgungssicherheit, Einkommen der Bau...
Der Absenkpfad Nährstoffe hat zum Ziel, die Nährstoffverluste von Stickstoff um 15 Prozent und Phosphor um 20 Prozent...
Mehlige Finger statt Schulbank, Diskussion statt Frontalunterricht: Beim Jahreskurs «Landwirtschaft begreifen» am Inf...
2025 beleuchteten wir in unserer Sommerserie verschiedene regionale Spezialitäten und die Menschen, welche die Produk...
Agrarpolitik auf dem Prüfstand: Ist eine klimaneutrale Landwirtschaft möglich oder utopisch? Dieser Frage geht die 14...