Lohnunternehmer fordern mehr Praxisnähe in der Agrarpolitik

Viel Technik, aber vor allem viel Kritik an den politischen Rahmenbedingungen: An der Delegiertenversammlung des Verbands Lohnunternehmer Schweiz in Oberbipp stand das geplante Meldetool Digiflux im Zentrum der Diskussionen.
Zuletzt aktualisiert am 6. März 2026
von Jonas Ingold
2 Minuten Lesedauer
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Rekordanzahl an Teilnehmern: Über 320 Personen fanden sich in Oberbipp ein. (jin)

Rund 320 Personen nahmen bei Serco Landtechnik in Oberbipp an der Delegiertenversammlung des Verbands Lohnunternehmer Schweiz teil. Neben den zahlreichen ausgestellten Landmaschinen stand vor allem das politische Umfeld der Landwirtschaft im Fokus.

Weniger Digiflux, mehr Versorgungssicherheit

Verbandspräsidentin und Ständerätin Johanna Gapany ging auf die verschärften Vorgaben unter anderem beim Pflanzenschutz ein. Der Verband setze sich für eine praxisnahe Umsetzung ein, so Gapany. Dazu gehöre auch der Widerstand gegen Digiflux, ein geplantes Meldetool für Pflanzenschutzmittel und Nährstoffe. Der Verband – und damit ist er in der Landwirtschaft nicht allein – bezeichnet die Plattform als «Bürokratismus von exorbitantem Ausmass».

Auch von anderer Seite kommt Kritik an Digiflux: Die Eidgenössische Finanzkontrolle bemängelte zuletzt unter anderem einen zu wenig klar definierten Nutzen sowie Mängel in der Planung. Das für 2027 vorgesehene Projekt dürfte es deshalb schwer haben, tatsächlich in der geplanten Form umgesetzt zu werden.

Auch Vizepräsident Fernand Andrey kritisierte Digiflux und den Umgang mit der produktiven Landwirtschaft deutlich. Mit der Einschätzung der EFK sei das Projekt endgültig diskreditiert. Er forderte zudem, der Versorgungssicherheit in der Schweiz mehr Gewicht zu geben. Eine Stärkung der Armee bringe wenig, wenn das Land nicht mehr genügend Lebensmittel produzieren könne.

Mehr Kommunikation und mehr Weiterbildung

Der Verband arbeitet derzeit daran, seine Interessenvertretung zu stärken und Kommunikation sowie Weiterbildungsangebote weiterzuentwickeln. Dazu gehören auch Social-Media-Clips zur Bodenschutzkampagne. «Nach innen ist es das Ziel, für das Thema Bodenschutz zu sensibilisieren», sagte Geschäftsführerin Kirsten Müller und ergänzte: «Gegen aussen wollen wir zeigen, dass ein gesunder Boden für uns elementar ist.»

Im Bereich Weiterbildung konnte der Verband zuletzt einen wichtigen Erfolg erzielen: Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) anerkennt den Verband neu als Weiterbildungsinstitution für Fachbewilligungen zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Lohnunternehmerinnen und Lohnunternehmer können die obligatorischen Weiterbildungsstunden für die Verlängerung ihrer Fachbewilligung damit künftig direkt beim Verband absolvieren.