«Man sieht, wie komplex die Landwirtschaft ist»

Mehlige Finger statt Schulbank, Diskussion statt Frontalunterricht: Beim Jahreskurs «Landwirtschaft begreifen» am Inforama wird schnell klar, dass es hier nicht um einfache Antworten geht. Erwachsene ohne landwirtschaftlichen Hintergrund setzen sich ein Jahr lang intensiv mit der Schweizer Landwirtschaft auseinander.
Zuletzt aktualisiert am 23. Januar 2026
von Jasmine Baumann
3 Minuten Lesedauer
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Im Backhäuschen zeigt Dominik Wyss, den Weg vom Korn zum Brot aus dem Holzofen. (jba)

Am Samstagmorgen im Januar sitzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Langenthal konzentriert beieinander. Rolf Sahli, landwirtschaftlicher Betriebsberater, erklärt, warum es Direktzahlungen gibt, was Landwirtinnen und Landwirte dafür leisten müssen und welche Folgen eine Abschaffung hätte. Ein kompliziertes Thema, das für manche eine Überraschung ist.

Direktzahlungen verstehen

Eine Teilnehmerin blickt in den 164-seitigen Ordner mit Weisungen und fragt: «Kommen die Bauern überhaupt noch mit, wie sie die Erhebungen für die Direktzahlungen machen müssen?»

«Es ist gut, zu sehen, dass Landwirte nicht einfach Direktzahlungen erhalten, sondern dass nur jenen, welche die entsprechenden Anforderungen erfüllen, auf Antrag die Gelder ausbezahlt werden», sagt Jürg Eiholzer, ein weiterer Kursteilnehmer.

Jahreskurs «Landwirtschaft begreifen» am Inforama

Seit August treffen sich 14 Frauen und ein Mann einmal im Monat zwei Tage lang. Auf dem Hof, im Feld und im Klassenzimmer lernen sie über Kulturpflanzen, Tierhaltung, Futtermittel, Boden, Agrarpolitik und vieles mehr. Jeder Kurstag kombiniert Theorie und Praxis.

Ziel des Jahreskurses «Landwirtschaft begreifen» am Inforama ist es, Wissenslücken zwischen Stadt und Land zu schliessen und ein besseres Verständnis für die Schweizer Landwirtschaft zu vermitteln. Der Kurs wird bereits seit 2018 angeboten.

Brotbacken im Holzofen

Nach der Pause geht es praktischer zu. Im Brotbackhäuschen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter Anleitung von Dominik Wyss, Bäcker und Holzofenspezialist, sowie Brigitte Reinmann, Hauswirtschaftslehrerin an der Bäuerinnenschule, wie man aus Korn hochwertiges Brot im Holzofen zubereitet. Bald wird geschnippelt, abgewaschen und gekocht.

«Wir haben schon viele Bauernhöfe besucht und die Menschen kennengelernt, die dort arbeiten», erzählt Regula Blattmann. Sie ist frisch pensioniert und nutzt den Kurs, um die Zusammenhänge in der Landwirtschaft zu verstehen. «Es ist spannend zu sehen, wie junge Leute auf verschiedenen Wegen einen Hof führen und wie unterschiedlich sie dies umsetzen», ergänzt sie.

Warum die Teilnehmerinnen den Kurs machen

Für Jürg Eiholzer war es wichtig, zu verstehen, warum viele Bauern unzufrieden sind. Dieses Verständnis für die Probleme und Schwierigkeiten der Landwirte möchte er Konsumentinnen und Konsumenten näherbringen können. «Die Landwirtschaft ist unsere Lebensgrundlage, und wir müssen dafür sorgen, dass wir sie erhalten», sagt er.

Barbara Mohr, Goldschmiedin, ergänzt: «Den Leuten sollte besser bewusstwerden, wie komplex die Landwirtschaft ist – die Bauern und Bäuerinnen sind allem ausgesetzt: Politik, Wind und Wetter.»

Nach einem Tag im Kurs wird deutlich: Landwirtschaft ist viel mehr als Felder und Ställe. Die Kombination aus Theorie, Praxis und persönlichen Begegnungen zeigt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Komplexität und Vielschichtigkeit dieses wichtigen Wirtschaftszweigs – genau wie das Titelzitat beschreibt: «Man sieht, wie komplex die Landwirtschaft ist.»

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