«Die Leistungen der Landwirte für die Absenkung von Emissionen sollten sichtbar gemacht werden»

Der Absenkpfad Nährstoffe hat zum Ziel, die Nährstoffverluste von Stickstoff um 15% und Phosphor um 20% zu reduzieren bis ins Jahr 2030. «Dies ist anspruchsvoll, aber möglich», schlussfolgert Gabriele Schachermayr vom BLW an der Nachhaltigkeitstagung von Agroscope. Forscher bekräftigen dies.
Zuletzt aktualisiert am 29. Januar 2026
von Jasmine Baumann
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2019 Stall Beroie Innenansicht Ji
Im Stall entstehen die meisten Stickstoffemissionen – entscheidend ist das Management. (Bild jin)

Für die Produktion von Lebensmittel sind Stickstoff und Phosphor die Hauptnährstoffe. Ohne Stickstoff (N) wäre Pflanzenwachstum kaum möglich. Die Blätter vergilben, das Wachstum ist stark gehemmt und die Pflanze entwickelt sich verkümmert:

  • Stickstoff (N) ist der «Motor» des Wachstums, verantwortlich für Chlorophyll, Enzymen und den Aufbau von Aminosäuren.
  • Phosphor (P) ist zentral für die Energieübertragung, Wurzelentwicklung und Zellaufbau.

Woher kommt der Absenkpfad Nährstoffe?

Die Nährstoffbilanz der Schweizer Landwirtschaft (OSPAR-Bilanz) zeigt einen Überschuss an Stickstoff und Phosphor. Dieser ist seit Jahren etwa konstant. Beim Stickstoff ist der Kreislauf nicht geschlossen. Rund zwei Drittel des Inputs erscheinen als Verlust. Beim P ist es ein Drittel. Dies zeigt Gabriele Schachermayr vom BLW an der diesjährigen Nachhaltigkeitstagung der Agroscope auf.

Um die negativen Auswirkungen der Nährstoffverluste auf die Umwelt zu reduzieren, beschloss der Bundesrat im Jahr 2022 im Rahmen der parlamentarischen Initiative (PaIv)19.475 den Absenkpfad Nährstoffe. Die PaIv war der inoffizielle Gegenvorschlag zur Trinkwasser- und Pestizidinitiative.

Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2014 bis 2016 sollen die Verluste von Stickstoff um 15 % und die von Phosphor um 20% gesenkt werden. Neben der Absenkung der Nährstoffe soll auch der Ersatz von Importierten Kunstdüngern durch einheimische Hofdünger gefördert werden.

Berechnet wird der Erfolg des Absenkpfades nach der nationalen Input-Output-Bilanz. Diese betrachtet die Schweiz als einen Hof mit Tierhaltung und Pflanzenproduktion. Hinein kommen Futtermittel und Mineraldünger. Der Ertrag sind tierische und pflanzliche Nahrungsmittel und andere Produkte. Hinaus kommen auch noch Ammoniak, Lachgas, Nitrat und andere Dinge. Sie gehen oftmals verloren.

Nationale Input Output Bilanz Agroscope 2025 Screenshot
Für die Berechnung der Verluste wird die OSPAR-Methode verwendet. (Screenshot, Agroscope 2025)

Die Hälfte ist geschafft

Seit dem Start des Absenkpfades konnten die Landwirte bereits 7% N und 10% P einsparen. «Wir haben die Hälfte des Absenkpfades schon erreicht», sagt Gabriele Schachenmayr.

Trotzdem müsse man sich fragen: Wie können die Ziele erreicht werden? «Die Reduktionsziele sind anspruchsvoll, aber möglich.» Alle Massnahmen und das Nährstoffmanagement finden auf Parzellen-, Stall- und Betriebsebene statt. Überprüft wird die Bilanz aber national. Es bräuchte eine Input-Output-Bilanz auf Betriebsebene, meint Schachenmayr.

«Es ist ein Problem, dass die Betriebe ihre Beiträge nicht sichtbar machen können.» Man sollte auf jedem Betrieb sehen können, wo die Verluste entstehen und den Bedarf an zugekauftem Dünger und Futtermitteln. «Forschung und Agrarpolitik bleiben gefordert»

Tierbestand soll gleichbleiben, Futterimporte sinken – Wie geht das?

Das Ziel bei der Reduktion ist, dass die Tierbestände gleichbleiben, aber weniger Futtermittel importiert werden.

Aus dem Publikum kam die Frage, wie dies gehen soll, da insbesondere die Geflügelhaltung stark von Importen abhängig ist. «Wenn wir Importe reduzieren, dann hat das zur Folge, dass wir nach anderen Futtermitteln suchen müssen», antwortet Eva Reinhard, Leiterin von Agroscope.

«Die Landwirtschaft produziert das, was der Markt nachfragt. Die Gesellschaft trägt die Verantwortung, was die Landwirtschaft produzieren soll», ergänzt Schachenmayr. Zudem müsse man auch an die Züchtung denken bei den Tieren und Pflanzen, so ein weiteres Votum.

Stickstoff Hofdünger Kaskade Screenshot Agroscope 2025
Die Stickstoff-Hofdüngerkaskade zeigt auf, wo welche Emissionen entstehen. (Screenshot, Agroscope 2025)

Betriebsspezifische Lösungen sind unabdingbar

Verschiedene Forscherinnen und Forscher berichteten an der Tagung über ihre Erkenntnisse, so auch Carole Epper von Agroscope. Sie sprach über die Optimierung des Stickstoffmanagements entlang der Hofdüngerkaskade.

Am grössten sind die Stickstoff-Verluste im Stall. Auch bei der Ausbringung und Lagerung der Hofdünger gehen Nährstoffe verloren. Auf der Weide sind die gemessenen Emissionen am geringsten. Viele Schweizer Landwirte und Landwirtinnen haben auf ihren Höfen bereits verschiedene Massnahmen zur Reduktion von Ammoniakemissionen umgesetzt. «Weitere Effizienzsteigerungen sind möglich, jedoch nur wenn das gesamte System der Hofdüngerkaskade betrachtet wird», schlussfolgert die Wissenschaftlerin. «Betriebsspezifische Lösungen sind unabdingbar».

Das Wissen der Forschung in die Basis bringen

«Aus der Sicht der Forschung sind die Ziele des Absenkpfades erreichbar, wenn wir die Prinzipien der guten landwirtschaftlichen Praxis beachten und einhalten und alle entlang der Kette: Branche, Politik, Vollzug, Verwaltung und Wissenschaft Hand in Hand zusammenarbeiten», sagt Frank Liebisch, Agroscope in der Podiumsdiskussion.

Michel Darbellay, Stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbandes (SBV) sagt: «Der Schweizer Bauernverband steht hinter den Zielen des Absenkpfads Nährstoffe, weil es im Interesse der Landwirtschaft ist, effizienter zu werden.» Dies sei auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit. «Wenn wir weniger Dünger kaufen müssen, dann ist dies effizienter.»

Die Priorität sei jetzt, das Wissen der Forschung bis in die Basis zu bringen. «Dazu müssen wir die Leute ins Boot holen, damit sie selbst überlegen, welche Massnahmen sie auf dem Betrieb machen können.» Für ihn ist jedoch klar, dass es Zeit braucht, bis die Projekte auf die Betriebe kommen.

Derweil arbeitet die Agroscope in verschiedenen Praktikernetzwerken mit den Landwirtinnen und Landwirten zusammen. «Wir lernen gegenseitig voneinander», sagt Frank Liebisch.

Diskutiert wurde auch über die Methodik: Ob OSPAR oder Suisse-Bilanz 2.0. Welche will der SBV? Michel Darbellay sagt dazu: «Es braucht eine Methode, die auch die Bemühungen der Landwirte abbilden könnte. Zum Beispiel auch bauliche Massnahmen, die gemacht wurden». Dafür bräuchte es zusätzliche Indikatoren in den bestehenden Methoden.