Nach Jahren des Sparens: Agridea erhält wieder mehr Mittel

Nach jahrelangen Kürzungen erhält Agridea künftig wieder mehr Geld vom Bund. Das Parlament hat beschlossen, den Beitrag für die landwirtschaftliche Beratung auf 9,236 Millionen Franken zu erhöhen. Damit werden frühere Einsparungen teilweise kompensiert – zusätzliche Mittel für neue Aufgaben bleiben jedoch begrenzt.
Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2026
3 Minuten Lesedauer
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Agridea koordiniert in der Schweiz das EU-Projekt ClimateFarmDemo und begleitet mit einem Netzwerk von rund 15 Klimaberaterinnen und -beratern die Pilotbetriebe bei Umweltbewertungen, Aktionsplänen und der Umsetzung klimarelevanter Massnahmen. (Agridea)

Seit 2008 verpflichtete sich der Bund gegenüber den Kantonen, den Wissenstransfer für die landwirtschaftliche Beratung durch Agridea mit jährlich 9,5 Millionen Franken zu unterstützen. In den Folgejahren kam es jedoch zu schrittweisen Kürzungen. Nun haben die Landwirtschaftsdirektorenkonferenz (LDK) erreicht, dass der Betrag für die Agridea wieder steigt.

Künftig erhält Agridea nach dem Entscheid des Parlaments vom Dezember letzten Jahres 9,236 Millionen Franken für ihr Grundmandat vom Bund zugunsten der landwirtschaftlichen Beratung. Das sind zwar nicht die 10 Millionen Franken, welche die Landwirtschaftsdirektorenkonferenz (LDK) gefordert hatte, doch mit der Aufstockung um 1,2 Millionen Franken werden die früheren Kürzungen zumindest teilweise kompensiert.

«Schlussendlich ist es keine eigentliche Budgetaufstockung, sondern ein teilweises Rückgängigmachen der schrittweisen Kürzungen seit 2014. Der Betrag ist jedoch eine substanzielle Verbesserung, mit der wir dem wachsendem Wissensbedarf von Seiten Landwirtschaft, Bund und Kantonen gerecht werden können», sagt Agridea-Direktor Lukas Kilcher.

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Agridea-Direktor Lukas Kilcher anlässlich der Präsentation der neuen Handlungsfelder an der Agridea-DV 2025. (Agridea)

Wissenstransfer als zentrale Aufgabe

«Die Aufgabe der Agridea ist der Wissenstransfer zwischen Forschung, Beratung und Praxis», sagt Kilcher. «Werden in diesem Bereich Mittel gekürzt, wirkt sich dies negativ auf die finanzielle Situation der Landwirtschaftsbetriebe sowie auf die Lebensmittelproduktion der Zukunft aus.» Denn nur wenn auf den Betrieben genügend Wissen vorhanden sei, könnten diese auch wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltig arbeiten.

Zwei Argumentationslinien für höhere Mittel

Die ursprünglich im Antrag geforderten 10 Millionen Franken stützte Agridea auf zwei Argumentationslinien. Einerseits ging es um die Wiederherstellung des ursprünglichen Budgets. Andererseits beantragte die Organisation zusätzliche Mittel, um neue Herausforderungen in der Landwirtschaft und prioritäre Handlungsfelder abzudecken. Dazu zählen die Sicherung des landwirtschaftlichen Einkommens, Klimaschutz und Klimaanpassung, nachhaltige Produktionssicherheit und Ressourcenschutz, smarte Landtechnik und Digitalisierung sowie die Umsetzung und Begleitung der Agrarpolitik 2030.

Bereits bei der Ausarbeitung des Antrags habe sich Agridea gemeinsam mit dem Bauernverband, dem BLW sowie der LDK, dem Hauptträger der Agridea, Gedanken über die Verwendung allfälliger Mehrmittel gemacht, sagt Kilcher.

«Der Betrag ist eine substanzielle Verbesserung, mit der wir dem wachsendem Wissensbedarf von Seiten Landwirtschaft, Bund und Kantonen gerecht werden können»
Lukas Kilcher
Lukas Kilcher
Direktor Agridea

Die Agridea

Die Agridea ist die Beratungszentrale der Schweizer Landwirtschaft. Sie wird von allen Kantonen sowie rund 40 bäuerlichen Organisationen getragen. Seit 2006 tritt die Organisation unter dem Namen Agridea auf. Die Geschichte geht aber bis 1958 zurück als die Schweizerische Vereinigung zur Förderung der Betriebsberatung in der Landwirtschaft gegründet worden ist.

Die Agridea-Standorte befinden sich in Lindau (Deutschschweiz), Lausanne (Westschweiz), Cadenazzo (italienischsprachige Schweiz) und Bern.

In einer Rahmenvereinbarung zwischen Agridea, LDK und dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ist die inhaltliche Richtung für die aktuelle Vertragsperiode (2026-2029) definiert. Mit dem BLW hat die Agridea zudem den Finanzhilfevertrag für dieselbe Periode unterzeichnet.

Mehr Beratung zur Stärkung unternehmerischer Eigenverantwortung

Als Beispiel nennt er die Agrarpolitik 2030: «Die Umsetzung der neuen Agrarpolitik wird mehr Beratung der Landwirtinnen und Landwirte erfordern. Unsere Aufgabe ist es, den Betrieben das dafür nötige Wissen zu vermitteln. » Dies sei besonders wichtig, weil den Landwirtschaftsbetrieben im Rahmen der AP2030 voraussichtlich mehr unternehmerischer Handlungsspielraum eingeräumt und damit mehr Eigenverantwortung abverlangt werde.

Klimaberatung als zukünftiges Schlüsselfeld

Eine weitere zentrale Aufgabe sieht Kilcher in der Klimaberatung. Die Schweizer Landwirtschaft befinde sich hier in einer Phase, in der die Kantone ihre bisherigen Erfahrungen bündeln könnten, um Synergien zu nutzen und die Landwirtschaft zukunftssicherer zu machen. «Eine Idee ist es, Klimaberaterinnen und -berater gezielt auszubilden, die die Betriebe in verschiedenen Bereichen unterstützen können», sagt der Agridea-Direktor.

Verantwortungsvolle Umsetzung geplant

Nach dem positiven Entscheid des Parlaments sei es für ihn nun wichtig, die nächsten Schritte nochmals mit der LDK, dem BLW und den bäuerlichen Organisationen abzugleichen. «Das werden wir in den nächsten Wochen diskutieren. Für uns ist es entscheidend, sehr verantwortungsvoll vorzugehen», so Kilcher, «denn wir orientieren uns prioritär an den Anliegen, Chancen und Herausforderungen der bäuerlichen Praxis in den Kantonen.»

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