Landwirtschaft im Klassenzimmer: Nachfrage steigt deutlich

287 Schulklassen haben im vergangenen Jahr das Bildungsangebot von Agro-Image genutzt – 68 mehr als im Vorjahr. Das Interesse an direktem Austausch mit Fachpersonen aus der Landwirtschaft nimmt zu. Rückenwind erhält das Angebot durch den Lehrplan 21, der Nachhaltigkeit, Kreisläufe und wirtschaftliche Zusammenhänge stärker gewichtet.
Zuletzt aktualisiert am 19. Februar 2026
von Jasmine Baumann
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Agro Image 01

Wenn Landwirtinnen und Landwirte das Schulzimmer betreten, geht es nicht um Werbung für den eigenen Betrieb, sondern um Einordnung und Diskussion. In den Lektionen schaffen sie ein Grundverständnis für die Schweizer Landwirtschaft und stellen Bezüge her zu Themen wie Lebensmittelproduktion, Ressourcennutzung oder globalem Handel. Die Oberstufenschülerinnen und Schüler diskutieren Zielkonflikte zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, wie ihr Konsum mit der landwirtschaftlichen Produktion zusammenhängt und sie beeinflusst.

Westschweiz mit institutioneller Verankerung

Die steigende Nachfrage zeigt sich nicht nur in der Gesamtzahl der Klassenbesuche, sondern auch regional. Besonders deutlich war die Zunahme in der Westschweiz. In den Kantonen Waadt und Genf wurden Zusammenarbeitsverträge mit den Bildungsdepartementen erarbeitet. Damit erhält das Angebot eine stärkere institutionelle Verankerung, wie es sie in der Deutschschweiz bislang nicht gibt.

Auch in der inhaltlichen Einbettung zeigen sich Unterschiede. Während die Lektionen in der Deutschschweiz häufig im Fach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) durchgeführt werden, sind sie in der Romandie im Plan d’études romand (PER) dem Fach Geografie zugeordnet. Landwirtschaft wird dort mehr im gesamtgesellschaftlichen Kontext behandelt.

«Wir stellen fest, dass der Beitrag zum Staatziel der Nachhaltigen Entwicklung im Bereich Bildung (BNE) kantonal sehr unterschiedlich umgesetzt wird. Die Westschweizer Kantone Waadt und Genf haben im Zusammenhang des Bildungsauftrags aktiv eine Zusammenarbeit mit Agro-Image gewünscht, andere Kantone kennen das Bildungsangebot womöglich noch gar nicht», sagt Marie-Luise Simon, die Geschäftsführerin von Agro-Image.

«Mit der positiven Entwicklung der Nachfrage in der ganzen Schweiz sind wir sehr zufrieden», sagt Simon. Die Inhalte und die Unterrichtsform im Schulzimmer entsprächen dem Bedürfnis der Schulen. Auffällig sei zudem, dass das Wachstum nicht nur an bisherigen Standorten stattfinde, sondern neue Regionen erschliesse. Mit 287 Klassen nähert sich das Angebot wieder dem Niveau von vor der Corona-Pandemie an.

Deckt Kompetenzbereiche aus mehreren Fächern ab

Agro-Image ist eine Vereinigung junger Landwirtinnen und Landwirte. Das modular aufgebaute Programm orientiert sich am Lehrplan 21 und Plan d’études romand (PER) und richtet sich an Schulklassen des 3. Zyklus, also Oberstufe. Die Inhalte decken Kompetenzbereiche aus Natur und Technik (NT), Räume, Zeiten und Gesellschaften (RZG) sowie Wirtschaft, Arbeit und Haushalt (WAH) ab.

So erhalten Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisches Wissen, sondern erleben Landwirtschaft direkt – von der Produktion bis zu Fragen des Konsums. Das Programm baut Brücken zwischen Schule und Alltag und macht die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft verständlich und fördert die eigene kritische Meinungsbildung der jugendlichen Konsumenten.