Ferien auf dem Bauernhof sucht neue Wege

Der Verein «Ferien auf dem Bauernhof» steht an einem Wendepunkt. Während das Angebot auf Schweizer Bauernhöfen nach wie vor für authentische Ferienerlebnisse mit Nähe zur Landwirtschaft steht, haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren stark verändert.
Zuletzt aktualisiert am 13. März 2026
von Renate Hodel
5 Minuten Lesedauer
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Agrotouristische Angebote stehen unter anderem aufgrund des Raumplanungsgesetzes auch unter Druck. (jin)

An der jüngsten Mitgliederversammlung wurde deutlich: Der Verein will sich organisatorisch neu aufstellen, setzt bei der Vermarktung auf neue Partnerschaften und ringt weiterhin mit politischen und wirtschaftlichen Hürden. Bereits früher hatte Vereinspräsident Hanspeter Stark auf die schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz hingewiesen.

Ein wichtiges Thema ist die neue Zusammenarbeit mit Bed-&-Breakfast Switzerland (BnB). Diese Partnerschaft ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, für die Anbieterinnen und Anbieter von «Ferien auf dem Bauernhof» eine besser passende und näher an den Schweizer Markt angebundene Lösung zu finden. Hanspeter Stark erinnert daran, dass der Verein die Buchungen früher selbst abgewickelt habe, später über verschiedene Partner. Die zuletzt genutzte Plattform habe jedoch zunehmend Schwierigkeiten bereitet. «Relativ hohe Gebühren und ein eher schlechter Support, hat dazu geführt, dass wir schon länger nach einem neuen Partner gesucht haben», sagt Hanspeter Stark. Gerade weil ein grosser Teil der Kundschaft aus der Schweiz komme, sei ein Anbieter gefragt gewesen, der dieses Publikum auch wirklich erreiche.

Ein neuer Partner – und eine neue Standortbestimmung

Auch für Geschäftsstellenleiterin Caroline Barth ist die neue Partnerschaft ein logischer Schritt. BnB sei dem Verein schon länger wohlgesinnt gewesen und habe sich infrastrukturell stark weiterentwickelt. «Sie haben einen sehr professionellen Auftritt und sind auch gut vernetzt», sagt Caroline Barth. Entscheidend sei aber nicht nur die Technik, sondern auch die inhaltliche Nähe. Die Werte von BnB passten besser zu den authentischen Angeboten von «Ferien auf dem Bauernhof». «Die Zielgruppe von BnB passt auch besser auf die Zielgruppe von Gästen, welche die Anbieterinnen und Anbieter von Ferien auf dem Bauernhof auch suchen – und das sind halt vor allem einheimische Gäste, sprich der Schweizer Markt», so Caroline Barth.

Parallel dazu beschäftigt den Verein eine grundsätzliche Frage: Welche Rolle soll er in Zukunft überhaupt noch spielen? Viele Aufgaben, die bei der Gründung vor fast vier Jahrzehnten zentral waren, seien heute weggefallen, erklärt Hanspeter Stark. Drucksachen, Werbemittel oder die eigentliche Buchungsabwicklung hätten früher einen viel grösseren Stellenwert gehabt. Geblieben sei vor allem die Homepage als gemeinsamer Auftritt. «Wir haben uns einfach gesagt, irgendetwas muss anders werden», sagt Hanspeter Stark. Hinzu komme der Generationenwechsel. Der Verein sei heute «schon zu einem grossen Teil eher ein Ehemaligenverein».

Mitgliederschwund und Digitalisierung verändern den Verein

Dass eine Neuausrichtung nötig ist, zeigt sich auch an den Mitgliederzahlen. Laut Caroline Barth nimmt die Zahl der Aktivmitglieder seit Jahren ab. Unter der Marke «Ferien auf dem Bauernhof» würden laufend weniger Angebote geführt. «Aktivmitglieder haben wir noch rund 45 – gesamthaft sind es rund 90», erläutert sie und ergänzt: «Wir haben also mittlerweile gleich viele Passiv- wie Aktivmitglieder.» Für Hanspeter Stark ist diese Entwicklung nicht nur eine Folge des Strukturwandels in der Landwirtschaft. Auch Internet und Digitalisierung hätten vieles verändert. «Das Internet macht die Anbietenden autonomer, was schön ist – für den Verein bedeutet es halt einfach, dass Aufgaben weggefallen sind.»

Die Zukunft des Vereins sieht der Vorstand deshalb weniger in klassischen Vermittlungsaufgaben als vielmehr in der Rolle einer Austausch- und Netzwerkplattform. Gerade für Betriebe mit agrotouristischen Angeboten sei der Austausch wertvoll, weil sie oft ähnliche Herausforderungen bewältigen müssten – sei es beim Zusammenspiel verschiedener Betriebszweige oder beim Spagat zwischen Landwirtschaft, Gästebetreuung und Familie. «Es geht aktuell Richtung Ehemaligenverein oder Richtung Austauschplattform», sagt Hanspeter Stark. Der Verein könne den verbleibenden Anbieterinnen und Anbietern einen Raum bieten, um voneinander zu lernen und Erfahrungen weiterzugeben.

Unsichere Zukunft und alte Hürden

Mit Blick nach vorne geben sich Hanspeter Stark und Caroline Barth vorsichtig. In fünf Jahren, so der Vereinspräsident, werde es den Verein wohl noch geben, wenn auch mit weniger Aktivmitgliedern. «Das schleckt keine Geiss weg», sagt er. Für einen Horizont von zehn Jahren sei die Lage hingegen zu unsicher. Auch Caroline Barth betont, man plane heute eher noch mittelfristig als langfristig. Zu viele Faktoren seien im Wandel – von der wirtschaftlichen Entwicklung bis zur geopolitischen Lage, die sich früher oder später auch auf den Tourismus in der Schweiz auswirken könnten. Gleichzeitig schliesst Hanspeter Stark nicht aus, dass sich die Nachfrage wieder beleben könnte. Ob daraus nochmals eine Trendwende entstehe, könne heute aber niemand sagen.

Ein zentrales Hindernis bleibt aus Sicht des Vereins das Raumplanungsgesetz: Die starken gesetzlichen Einschränkungen für Bauernhofferien in der Schweiz sind kein neues Problem und es hat sich zuletzt auch wenig geändert. Gerade für junge Familien sei es schwierig, in ein Angebot zu investieren, «weil es eigentlich gar nichts zu investieren gibt», so Caroline Barth. Wenn Umbauten oder neue Lösungen kaum möglich seien, werde ein Engagement auf dem eigenen Hof schnell unattraktiv. «Dann geht die junge Generation lieber auswärts zur Arbeit, weil es einfach lukrativer ist, als zuhause auf dem Hof etwas aufzubauen», so Caroline Barth.

Raumplanung als Bremse für kleine agrotouristische Angebote

Auch Hanspeter Stark kritisiert, dass die Bedürfnisse kleiner agrotouristischer Angebote in der politischen Diskussion oft untergingen. Wenn über Raumplanung in der Landwirtschaft gesprochen werde, gehe es meist um grosse Stallbauten – «aber nicht darum, ob man im Dachgeschoss eine Ferienwohnung einbauen kann». Dabei gebe es in vielen Bauernhäusern ungenutzten Raum, der sich für Wohnungen und Ferienwohnungen eignen würde. «Das ist etwas, das ich nicht verstehen kann – dass es nach wie vor verboten ist, vorhandenen Raum nicht optimal nutzen zu dürfen», sagt Hanspeter Stark.

Trotz aller Unsicherheiten bleibt damit eines klar: «Ferien auf dem Bauernhof» will sich noch nicht einfach still verabschieden. Der Verein sucht nach neuen Formen der Zusammenarbeit, nach einer realistischen Rolle in einem veränderten Umfeld – und nach Wegen, damit authentische Ferien auf Schweizer Bauernhöfen auch in Zukunft ihren Platz behalten.