Immer mehr heimische Christbäume in Schweizer Wohnzimmern
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Wie lässt sich Regionalität verkaufen, ohne dass sie im Dschungel der Labels untergeht? Und was braucht es, damit regionale Produkte nicht nur im Hofladen, sondern auch in Kantinenküchen und Tourismusregionen ankommen? Diese Fragen zogen sich durch die Fachveranstaltung «Regionalprodukte: Herausforderungen und Beispiele erfolgreicher Vermarktung regionaler Produkte» an der HAFL in Zollikofen.
Urs Schneider, Präsident des Vereins Schweizer Regionalprodukte, ordnete die Ausgangslage mit Zahlen ein: In der Schweiz stehen rund 2’900 Produzentinnen und Produzenten hinter etwa 23’000 zertifizierten Regionalprodukten. Der Umsatz mit «regio.garantie»-Produkten liegt bei rund 2 Milliarden Franken.
Trotzdem bleibt eine zentrale Schwachstelle, denn das Logo von «regio.garantie» ist bei Konsumentinnen und Konsumenten kaum präsent. Gleichzeitig will der Verein Schweizer Regionalprodukte die nationale Referenz stärker aufladen: So gehört eine «positive Message, mit Kopf und Herz», gerichtet auch an die nächste Generation, zur Vision. Dabei gilt, die Marke «regio.garantie» zu stärken, ohne regionale Regionallabels zu schwächen. Als Hebel nennt Urs Schneider unter anderem koordinierte Kommunikation und das gezielte Arbeiten mit Partnern im Handel – etwa mit einer Regiolinie bei Aldi oder mit korrekter Auslobung am Regal bei Coop.
Skeptisch zeigte sich Urs Schneider gegenüber der Idee, die Richtlinien zusätzlich mit Nachhaltigkeitskriterien zu erweitern. Das Grundniveau sei mit dem Ökologischen Leistungsnachweis bereits «extrem hoch» – zusätzliche Auflagen machten es vor allem «komplizierter und teurer», erläuterte er.
Wie anspruchsvoll «regional» im Alltag des Detailhandels wird, zeigte Raphael Blatt, Gründer von «Frischpunkt». Er startete mit der Idee «vom Feld direkt ins Verkaufsregal» und baute seine ersten Regale buchstäblich aus Europaletten. Doch mit dem Wachstum kamen Zielkonflikte wie die Kühlwarenlogistik, Spezialprodukte und die Erwartung nach einem Einkauf «aus einer Hand», die ihn Richtung breites Sortiment zwangen – und damit auch Richtung Zwischenhandel. Heute führt Raphael Blatt in zwei Läden rund 1’500 Produkte, vieles davon über Partner.
Dabei zeigt sich, dass ein reiner Regionalwarenkorb oft an der Rentabilität scheitert. «Nur rein regionale Grundnahrungsmittel zu verkaufen, das wird schwierig», erklärte Raphael Blatt und ergänzte: «Wenn ich Abwaschtabs anbiete, verkaufe ich auch mehr Rüebli aus Madiswil.» Gleichzeitig betonte Raphael Blatt den Wert der Beziehung als eigentlichen Markenkern der Direktvermarktung: Es gehe nicht nur um den Kanal, sondern um das Gefühl von Transparenz und Nähe – «ich bin dabei, ich bin transparent».
Lukas Aeschlimann vom RegioFood Hub setzte bei einem anderen Engpass an: Wissen, Netzwerk und Infrastruktur fehlten vielen, die regionale Rohstoffe veredeln oder neue Produkte testen möchten. Als konkrete Antwort pilotiert der RegioFood Hub seit Herbst eine Co-Working-Küche in Zollikofen: 74 Quadratmeter, mit Produktions- und Lagerflächen, Kühl- und Tiefkühlzellen sowie Geräten – nutzbar stunden- oder tageweise, um Rohstoffe zu veredeln, Überschüsse zu verarbeiten oder neue Produkte zu entwickeln. Ein Küchenmanager vor Ort hilft beim Umgang mit der Infrastruktur und bei Produktentwicklung.
Der zweite Baustein ist das, was Lukas Aeschlimann als «Miteinander» beschreibt: Menschen zusammenbringen, Knowhow teilen, Kontakte vermitteln – bis hin zu Testmärkten, über die neue Produkte direktes Feedback erhalten.
Massimo Calamassi zeigte mit der Genossenschaft Koopernikus, was passiert, wenn Regionalität in die Gemeinschaftsgastronomie übersetzt werden soll. Die Genossenschaft gewann eine Ausschreibung der Stadt Zürich und beliefert seit Oktober 2025 rund 160 städtische Kantinen in Schulen, Heimen und Spitälern.
Das bringt Volumen und Planbarkeit – aber auch harte Realität. Frischelogistik, gebündelte Abholung bei vielen Produzentinnen und Produzenten, enge Lieferfenster und Preisdruck beisst sich mit Idealbildern. Dazu kommt, dass Küchen oft küchenfertige Produkte brauchen, während entsprechende Verarbeitungsstrukturen regional erst aufgebaut werden.
Und dann ist da noch die Nachfrage: Koopernikus wolle regional und saisonal liefern, «aber unser Kassenschlager ist die Banane», sagte Massimo Calamassi, was den Spagat zwischen Anspruch und Alltag widerspiegelt.
Reto Thörig, Direktor von Viamala Tourismus, zeigte schliesslich, wie Regionalprodukte als Marketing- und Entwicklungsinstrument funktionieren können, gerade in Regionen, die bisher wenig profitieren. Viamala ist flächenmässig die grösste Bündner Tourismusregion, erzielt aber nur 65 Franken Wertschöpfung pro Gast und Tag – im Oberengadin sind es fast dreimal mehr.
Viamala will sich nun als Genussort positionieren – im Fokus stehen dabei die Rheinwalder Ziegen: Rund 300 Tiere leben in der Region, die Milch wird verkäst, das Fleisch aber bisher kaum genutzt. Gemeinsam mit Metzger, Restaurants und Hotels werden nun Produkte wie Würste oder Trockenfleisch entwickelt. Im Juni dieses Jahres soll der Startschuss für den neuen Genussort fallen. Reto Thörig verband das Projekt ausdrücklich mit Produzentenperspektive, denn aktuell sei der Preis so tief, dass sich Aufzucht der Ziegen eigentlich gar nicht lohne.
Die Beispiele zeigten vier Übersetzungsarbeiten, die über Erfolg oder Frust entscheiden:
Regionalität hat, wie es Urs Schneider bezeichnete, «die Gunst der Stunde». Ob daraus dauerhaft Wertschöpfung entsteht, entscheidet sich aber nicht in der Absicht – sondern dort, wo Rüebli, Menüs und Ziegenwürste tatsächlich gekauft, gekocht und gegessen werden.
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