Die Pflanzen- und Pilzproduktion 2025
Von Gemüse, Beeren, Obst und Wein über Pilze, Kartoffeln, Zuckerrüben und Öl- sowie Eiweisspflanzen bis hin zum Wald:...
«Wenn man Vreni vergisst, wird sie sauer», sagt Dominik Wyss. Vreni ist seine Sauerteigmutter, die er, seit Jahren pflegt und mit sich trägt. Der 31-jährige Meisterbäcker arbeitet seit letztem August als Co-Backstubenleiter in der Schlossbäckerei Nidau. Für ihn ist Brot mehr als Nahrung: «Brot ist mein Leben», sagt er, doch das war nicht immer so.
«Sauerteig entsteht ganz natürlich, wenn man Mehl mit Wasser mischt», erklärt Wyss. Auf jedem Mehl leben Milchsäurebakterien. Mit Wasser vermischt, vermehren sich diese und beginnen spontan zu gären und geben dem Brot Geschmack und Haltbarkeit.
Dominik Wyss begann seine Lehre zum Bäcker eher zufällig. «Am Anfang dachte ich, dass mache ich nicht fertig», erzählt er. Das frühe Aufstehen war nicht das Problem, wohl aber das Arbeitsklima in dem der grossen Produktionsbäckerei. Nach dem Militär arbeitete er in der Holzofenbäckerei Kiefer in Lotzwil.
«Ein Schlüsselmoment war, als mir mein neuer Chef die Knetmaschine zeigte und erklärte, was im Teig passiert», erinnert er sich. «Das ist ein Prozess, auf den ich als Mensch Einfluss nehmen kann.» Auf dem Feld lernte er, wie Dinkel, Roggen oder Weizen aussehen. «Ich habe begriffen, dass Brot ein Naturprodukt ist.»
«Backen ist mehr als Mehl netzen und wieder trocknen»
Später zog er weiter in die Bäckerei Lienhart in Huttwil und übernahm die Backstube. Dort absolvierte er die Berufsprüfung und begann Lernende auszubilden. Während der Schule habe er viele Betriebe gesehen und experimentiert. «Backen ist mehr als Mehl netzen und wieder trocknen», erzählt Dominik Wyss.
Seine prägendste Station war die Bio-Bäckerei Furter in Aarau, ein Pionierbetrieb der 70er-Jahre. Wyss arbeitete dort mit naturbelassenen Rohstoffen und einfachen Maschinen. «Dort habe ich alles gelernt, was die Bäckerkunst wirklich ausmacht», erzählt der Meisterbäcker.
Er hat als Produktionsleiter vieles in der Bäckerei umorganisiert. «Nach vier Jahren kam Fritz Furter, der ehemalige Inhaber der Bäckerei, zu mir und sagte: ‹Dominik, jetzt ist das Brot endlich wieder so, wie es mal war, nur schöner. ›» Dies war eine grosse Anerkennung für den jungen Bäcker.
Gerne gibt er sein Wissen weiter und stellt die Lernenden an die alten Maschinen. «So können sie überall auf der Welt ein Brot backen. Weil sie lernen müssen, ihre Gefühle einzusetzen.» Dominik Wyss sagt, er könne hören, ob der Teig gut sei.
Ein Landwirt bot ihm eine Hektare Emmer an, weil sein Abnehmer abgesprungen war. «Ich wusste, das ist das Geilste, was passieren kann», erzählt er. So konnte er seine ganze Kunst einsetzen, denn mit Emmer hatte er nie zuvor gearbeitet.
Der Bäcker ging mehrmals mit dem Bauern durch das Feld und war beeindruckt. Die Getreideähren wuchsen höher als er. Wyss musste eine Mühle finden, die das Getreide lagern, röllen und mahlen will. Zum ersten Mal konnte er entscheiden, was für Mehle aus dem Emmer gemacht werden sollen, und er war bei der Vermahlung mit dabei.
Nach vielen Rezepturen sind vier reine Emmerbrote entstanden sowie seine Emmerli (Leckerli). «Ich habe einen unglaublichen Stolz und eine Wertschätzung dem Rohstoff gegenüber gespürt. Diese Geschichte konnte ich den Kunden erzählen, denn ich wusste alles darüber».
Reine Emmer-, Dinkel-, Roggen oder Haferbrote sind sehr selten. Gesetzlich muss ein Roggenbrot nur 50% Roggen enthalten und bei Emmer oder Hafer sogar nur 25%.
Emmer gehört ebenso wie Einkorn zur Gattung Weizen. Emmer hat seinen Ursprung im Nahen Osten, wo er seit mindestens 10'000 Jahren angebaut wird. In der Schweiz wird Emmer seit Mitte der 1990er Jahre wieder angebaut. Er ist ein Nischenprodukt. Neben Broten und Teigwaren werden auch Schwarzbier und Schnaps daraus hergestellt.
Emmer enthält auch Gluten.
Neben Sauerteig begeistert Wyss das Backen im Lehm- oder Steinofen. Zuhause baute er zwei Lehmöfen aus Lehm, Sand und Stroh. «Das Backen mit Feuer ist nie gleich. Es ist eine Wissenschaft für sich», sagt Dominik Wyss.
Über zweieinhalb Jahren buk er dort jeden zweiten Samstag auf Bestellung – neben seiner Arbeit in der Bäckerei.
Seine Begeisterung und sein Wissen gibt Dominik Wyss gerne an Interessierte weiter. In Backerlebnissen und Kursen gibt er Menschen einen anderen Blick auf das Grundnahrungsmittel Brot. «Über Brot und Getreide kursieren viele Fehlinformationen», bedauert Wyss. «Wenn man es richtig macht, ist Brot gesund.»
Seit Jahrtausenden gehört Getreide zur menschlichen Ernährung. Doch entscheidend ist nicht das Korn, sondern die Fermentation. Die Hefe ist erst 1850 aufgekommen. Die Bäcker merkten, dass der Teig viel schneller aufgeht. Damals wusste niemand, dass das langsame Aufgehen gesund ist. Fermentation macht viele Lebensmittel besser verträglich und gesunder, wie zum Beispiel Sauerkraut, Kimchi oder Joghurt.
«Je mehr Hefe im Teig ist, desto weniger Zeit haben die Milchsäurebakterien für die Fermentation», erklärt Dominik Wyss.
Besonders stolz ist er auf sein Brot «Nonna», ein reines Sauerteigbrot, das drei Tage aufgeht und von Hand gedehnt und gefaltet wird. Der Teig so weich, dass er in keine Maschine mehr rein geht. «Gutes Brot ist am zweiten Tag sogar besser als frisch gebacken», sagt Dominik Wyss. In der Schlossbäckerei ist in allen Broten Sauerteig, meist auch Hefe.
Der Teig der fertig gebackenen «Nonna» ist feucht, leicht klebrig und schmeckt leicht säuerlich. Das Brot bleibe mindestens 6 Tage lang frisch. Am 7. Tag könne man es noch toasten, empfiehlt der Bäcker.
Ein Kilo «Nonna» kostet 12 Franken – deutlich mehr als industriell hergestellte Brote. «Für Kunden, die diese Qualität nicht schätzen, mag ich nicht um halb zwei in der Nacht aufstehen», findet Dominik Wyss. Qualität definiert er mit zwei Begriffen: Ehrlichkeit und Gesundheit. Das bedeutet Authentizität, Handarbeit, Offenheit und Kommunikation. Rezepte vereinfacht er auf das Nötigste: Wasser, Mehl, Salz und eventuell Hefe. «Wenn Zitrone draufsteht, ist auch echte Zitrone drin.»
«Mit gesunden Lebensmitteln kann man nicht angeben»
Dass Menschen bei Lebensmitteln sehr preissensibel geworden sind, stimmt den leidenschaftlichen Bäcker nachdenklich. «Mit gesunden Lebensmitteln kann man nicht angeben», sagt Wyss.
«Dabei sollte man sich fragen, was teurer ist: Gesunde, nachhaltig produzierte Lebensmittel oder später gesundheitliche Folgen.»
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