Regionale Produkte, starke Frauen, viel Herzblut

Wer ein Mitbringsel aus dem Emmental sucht, wird beim Bärner Burechorb fündig. Seit 30 Jahren verkauft die Genossenschaft verschiedenste Lebensmittel in liebevoll zusammengestellten Geschenkkörben. Regionale Zutaten und das Engagement von insgesamt 16 Bäuerinnen und regionalen Lieferantinnen sind dabei das Erfolgsrezept.
Zuletzt aktualisiert am 29. August 2025
von Elin Wittwer
5 Minuten Lesedauer
Barbara Kobel Margrit Gerber Baerner Burechorb

«Der Ursprung ist, dass man das, was man im Garten oder in der Pflanzung übrighat, verwertet und haltbar macht, um es dann zu verkaufen», erklärt Margrit Gerber. Seit 2022 ist sie Geschäftsführerin der Genossenschaft, ins Leben gerufen wurde der Bärner Burechorb im Emmental von Ruth Joss. Im Vergleich zu früher werde heute extra für den Burechorb angepflanzt, um die Nachfrage zu decken.

Jede Woche beliefert der Bärner Burechorb vier Filialen der Landi, vier Käsereien und zwei Frischmärkte in der Region.

Auf die vergangenen 30 Jahre!

Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des Bärner Burechorbs lädt dieser am Samstag, 13. September 2025 von 9 – 16 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. «Chömed verbi cho schnouse, lafere, zwirbele u nät ar Uslosig teil», die Produzentinnen und die Ladenfrauen freuen sich über jeden Besuch. www.burechorb.ch

Gemeinsam unterwegs

«Die Produzentinnen müssen einen bäuerlichen Hintergrund haben», erklärt Margrit Gerber. Eine davon ist Salome Kupferschmid. Mit 29 Jahren ist sie das jüngste Mitglied der Genossenschaft. Seit drei Jahren stellt sie Beerenessig, eine Risotto-Kürbis-Mischung, Rhabarber Chutney und andere Produkte für den Burechorb her.

Die Genossenschafterinnen tauschen sich untereinander aus, geben einander wenn nötig Waren ab. Momentan produziert Salome Kupferschmid die Emmentaler Chips für eine Produzentin, die krankheitshalber ausfällt. «Das ist das, was ich sehr schön finde: dass wir Frauen einander helfen» sagt sie.

Besonders das Verkaufen am jährlichen Gotthelf-Märit in Sumiswald gefällt Salome Kupferschmid. «Für Produzentinnen ist auch der Austausch mit der Kundschaft schön. Viele Konsumentinnen und Konsumenten wissen auch nicht mehr, wie viel Zeit und Aufwand hinter solchen Produkten steckt», ergänzt Margrit Geber.

Salome Kupferschmid hat eine Pflanzung, deren Ertrag sie zu Produkten für den Burechorb verarbeitet. Auch dort könne man nicht alles planen, viel werde durch das Wetter bestimmt. So sehe die Ernte jedes Jahr etwas anders aus.

Salome Kupferschmid Baerner Burechorb
Seit drei Jahren Produzentin für den Bärner Burechorb und das jüngste Genossenschaftsmitglied: Salome Kupferschmid. (burechorb.ch)

Viel Engagement nötig

Salome Kupferschmid betont: Ein Teil der Genossenschaft zu sein, sei nicht vergleichbar mit einem Nebenverdienst ausserhalb des Betriebs. «Man muss es wirklich wollen», meint die gelernte Schreinerin.

«Es sind einfach alles taffe Frauen, ansonsten ginge es gar nicht», lobt Margrit Gerber. Einige der Produzentinnen arbeiten auch noch einen halben oder ganzen Tag auswärts. «Es braucht wirklich Energie. Es braucht die ganze Familie – auch den Ehemann», fügt die Geschäftsführerin an.

Besonders während der Corona-Pandemie seien die Einnahmen nochmals stark angestiegen. Und: «Das letzte Quartal des Jahres macht drei Viertel des Jahresumsatzes aus», verkündet Margrit Gerber.

«Meine Vorgängerin Theres Pfister hatte mir gesagt: im Februar kannst du dir schon Gedanken über die nächste Weihnachtszeit machen. Besonders wenn man ein neues Produkt aufnehmen will», meint Margrit Gerber.

Alle Produkte werden in privaten Haushalten hergestellt, regelmässig werden die Produzentinnen kontrolliert. Die Bürokratie hinter der Produktion sei wichtig, könne aber auch aufwändig sein, meint Salome Kupferschmid. Auch sei die digitale Arbeit nicht für alle Produzentinnen gleich einfach zu bewältigen.

2025 Regional Produkt Emmental Baerner Burechorb Archiv 01 Ewi

«Man soll auch selbst Freude daran haben»

Auf die Frage, warum nur Frauen in der Genossenschaft sind, meint Margrit Gerber lachend: «Das ist das Emmental». Die Genossenschaft stehe auch Männern offen, es habe sich bis jetzt einfach noch keiner gemeldet, schmunzelt Salome Kupferschmid. Einzig der Honig im Laden liefert ein Berufsimker.

Nach einem Schnupperjahr entscheiden die Produzentinnen, ob sie Genossenschafterin werden wollen und ob das Betriebsmodell für die Familie stimmt. «Es gab auch Frauen, die nach diesem Jahr entschieden haben, dass es für sie nicht passt», sagt Margrit Gerber.

Bis ein neues Produkt im Laden steht, dauert es ungefähr ein Jahr. Besteht das Produkt die Testphase unter den Genossenschafterinnen, wird es ins Sortiment aufgenommen.

«Keine produziert ein Produkt, das sie gar nicht gerne hat. Man soll auch selbst Freude daran haben», meint Margrit Gerber. Ende des Jahres wollen auch sie schwarze Zahlen schreiben, doch als Genossenschaft sind sie nicht primär gewinnorientiert unterwegs.

Eine Zeit lang haben sich der Burechorb Emmental, Oberaargau und Gürbetal als Dachgruppe zusammengeschlossen. Nun tauschen sich die drei Genossenschaften noch in jährlichen Treffen aus.

Persönliche Note

Die Kundschaft des Bärner Burechorbs stammt aus der ganzen Schweiz. «Oftmals sind unsere Produkte auch Mitbringsel, wenn Leute zu Besuch gehen», meint Barbara Kobel. Sie arbeitet seit diesem Jahr als Ladenfrau beim Burechorb. «Während der Weihnachtszeit sind vor allem die Gebiete Zürich und Aargau stark», fügt Salome Kupferschmid an.

«Wir arbeiten mit möglichst wenig Zusatzstoffen, und 80 Prozent der Zutaten sollen aus der Region stammen», meint Margrit Gerber. Klar werde für einige Produkte Vanillezucker oder Currypulver verwendet. «Wir werden im Laden aber keine getrockneten Bananen verkaufen», führt Salome Kupferschmid aus.

Die Geschenkkörbe werden mit viel Bedacht individuell gestaltet. So werden die Geschenke auch sehr persönlich, meint Margrit Gerber, und zeigt dabei auf einen grossen Weidenkorb, der für eine Hochzeit zur Abholung bereitsteht. Der Stoff auf den Konfitürengläser hat rote Herzchen drauf und kleine gehäkelte Herzen baumeln an Zellophan-Tüten.

  • Besonders beliebt: Produkte des Bärner Burechorbs in der Edelweiss-Tasche. (ewi)
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  • Die Kundschaft kann alle Produkte auch einzeln im Laden beziehen oder zu einem individuellen Geschenkkorb zusammenstellen. (ewi)
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  • Der Feinschliff: Margrit Gerbers Mutter macht aus nicht mehr gebrauchten Textilien die Stoffdeckeli für die Konfitürengläser. (ewi)
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«Wärche git eifach immmer no ztüe»

Margrit Gerber sieht in den regionalen Produkten auch einen grossen Wert für jüngere Menschen. In der heutigen schnelllebigen Welt suchten viele Bodenhaftigkeit. Viele Kundinnen und Kunden wollen auch wissen, wer und was hinter einem Produkt steckt.

«Wärche git eifach immmer no ztüe», betont Margrit Gerber. Das sei vielen nicht mehr bewusst, meint sie, und solche Produkte wie die des Bärner Burechorbs könnten nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt werden.

«Von allen Bestellungen, die wir letztes Jahr hatten, wurden die Rechnungen beglichen», meint Margrit Gerber abschliessend. Das sei heute nicht mehr überall selbstverständlich.

Und was ist für die nächsten 30 Jahre geplant? Das sei eine lange Zeit, meinen die drei Frauen lachend. Allgemein gilt: «Wir wollen nicht unbedingt grösser werden. Momentan wollen wir uns auf diesem Niveau einpendeln».