Schweizerinnen und Schweizer setzen bei Ernährung auf Information statt Verbote

Die Schweizer Bevölkerung hält mehr Prävention gegen Übergewicht für nötig, steht staatlichen Eingriffen in die Ernährung aber skeptisch gegenüber. Besonders gefragt sind Information, Ernährungskunde und gemeinsame Präventionsprojekte mit der Wirtschaft. Das zeigt der 13. Monitor Ernährung und Bewegung von gfs.bern, der im Auftrag der Informationsgruppe Erfrischungsgetränke durchgeführt wurde.
Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026
von Jasmine Baumann
3 Minuten Lesedauer
Getraenke Lid
Steuern werden mehrheitlich abgelehnt, Präventionsprogramme befürwortet. (lid)

76 Prozent der Stimmberechtigen, die an der Befragung teilgenommen haben, sind der Meinung, dass die staatlichen Massnahmen gegen Übergewicht nicht ausreichen. Bei der Frage, wie diese verstärkt werden sollten, stossen allerdings nicht alle Instrumente auch gleich viel Zustimmung.

Je 90 Prozent befürworten Präventionsprogramme für die Risikogruppen sowie gemeinsame Projekte von Staat und Wirtschaft. 89 Prozent sprechen sich zudem für obligatorische Ernährungskunde aus. Auch mehr Sportunterricht und Werbebeschränkungen für zucker-, salz- und fetthaltige Lebensmitte, die sich an Kinder richten, finden jeweils bei 82 Prozent Zustimmung.

Steuern werden abgelehnt

Bei Steuern und Verboten ist die Zustimmung deutlich geringer. Eine Steuer auf zucker-, salz- und fetthaltige Lebensmittel lehnen 68 Prozent ab, 30 Prozent wären dafür. 79 Prozent der Befragten empfinden eine solche zusätzliche Steuer als ungerecht, weil sie Menschen mit tieferem Einkommen stärker belasten könnte. 72 Prozent bezweifeln zudem, dass sich Ernährungsgewohnheiten durch Steuern verändern lassen.

Auch ein Mindestalter für den Kauf sogenannter «ungesunder» Lebensmittel findet wenig Anklang: Nur 19 Prozent würden eine solche Massnahme befürworten. Ein Verbot entsprechender Lebensmittel unterstützen 46 Prozent.

Verantwortung sehen viele bei sich selbst

Bei der Frage, wer am meisten zu einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung beitragen kann, stehen die Konsumentinnen und Konsumenten selbst an erster Stelle. Auf einer Skala von null bis zehn geben ihnen die Befragten 7,3 Punkte. Dahinter folgen Konsumentenorganisationen mit 6,6 Punkten, Familie und Freunde mit 6,5 sowie die Schulen mit 6,2 Punkten. Lebensmittelhersteller erreichen 5,2 Punkte, die Getränkebranche 4,7.

Die Befragung zeigt zudem, dass viele Menschen nicht einzelne Lebensmittel als Hauptursache von Ernährungsproblemen betrachten. 63 Prozent sehen die Ursachen eher bei den Essgewohnheiten als bei den Lebensmitteln. 92 Prozent halten zugesetzten Zucker in Lebensmitteln für einen Dickmacher, 93 Prozent fordern von der Lebensmittelbranche, auf sogenannten versteckten Zucker in Fertiggerichten zu verzichten.

Abnehmen mit Medikamenten bleibt umstritten

Auch der Umgang mit Abnehmmedikamenten wird unterschiedlich beurteilt. 28 Prozent der Befragten möchten Gewicht verlieren. Insgesamt stehen 41 Prozent dem Einsatz von Medikamenten kritisch gegenüber, 36 Prozent beurteilen ihn positiv.

Entscheidend ist dabei der Grund für die Einnahme: 90 Prozent befürworten Abnehmmedikamente aus gesundheitlichen Gründen, 78 Prozent, wenn andere Methoden nicht funktionieren. Aus rein ästhetischen Gründen unterstützen sie dagegen nur 22 Prozent. Gleichzeitig sind 90 Prozent der Ansicht, dass Abnehmen vor allem durch Ernährung und Bewegung erreicht werden sollte.

Für den Monitor befragte gfs.bern im März 2026 insgesamt 1013 stimmberechtigte Schweizerinnen und Schweizer. Die Untersuchung wurde zum 13. Mal im Auftrag der Informationsgruppe Erfrischungsgetränke durchgeführt.

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