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«Entscheidend ist, weshalb man einen hohen Selbstversorgungsgrad will», sagt Judith Riedel, Direktorin des Instituts für Agrarökologie in der aktuellen Folge von «Agrarpolitik – der Podcast». Als mögliche Gründe erwähnt sie eine hohe Wertschöpfung für einheimischen Bäuerinnen und Bauern und eine hohe Nachhaltigkeit. «Meist wird nur über die Produktion gesprochen», ergänzt die Agrarökologin. Verbrauch und Food Waste beeinflussten den Selbstversorgungsgrad jedoch auch.
Judith Riedel studierte an der ETH Zürich Agrarökologie und ist seit 2021 Direktorin des Instituts für Agrarökologie.
Die sogenannte Genschere CRISPR/Cas9 ist laut Judith Riedel etwas Tolles. «Gene effizient einzubringen, ist jedoch noch schwierig», sagt sie. Auch sei offen, ob die Genschere nützlich sei, zumindest in Europa. «Entscheidend ist nicht die technische Ebene, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz», betont sie. Bei vielen Konsumentinnen und Konsumenten beobachtet sie eine Offenheit, sofern es nicht um Herbizidresistenzen und grosse Konzerne gehe und ökologisch vorteilhaft sei. Wichtig sei, denjenigen eine grosse Türe aufzumachen, welche diese Technik nicht nutzen wollten. «Letztlich geht es nicht um Ideologie, es geht um Existenzen», zitiert sie einen Biobauern.
«Versorgungssicherheit» ist das Thema der 21. Staffel von Agrarpolitik – der Podcast. Gespräche mit Expertinnen und Experten zeigt, wo der Begriff herkommt, was er für Gesellschaft und Politik bedeutet und wie eine sichere Versorgung in Zukunft aussehen könnte. Produziert wird die Staffel in Partnerschaft mit der Wissensplattform swiss-food.ch, getragen von Syngenta und Bayer.
Diese Folgen sind erschienen:
Automatisierung und Digitalisierung stimmen Judith Riedel optimistisch. Es gebe genialste Entwicklungen und Ideen, wie mit weniger Arbeit, weniger Betriebsmitteln und weniger Bodenbelastung produziert werden könne. «Es ist extrem freudeschöpfend, wenn man sieht, wie jemand mit einer Drohne Untersaaten ausbringt», schwärmt sie. Viele technische Möglichkeiten seien aber noch nicht wirtschaftlich. Auch könnten sich nicht alle für neue Techniken begeistern. «Sicher ist, dass in der Schweiz eine kohärente Argumentation fehlt, welche Innovationsansätze relevant sind, was ihr Beitrag zu den gesellschaftlichen Zielen ist und wo sie ihre Grenzen haben», betont die Direktorin.
Zu einer hohen Inlandproduktion gehört für Judith Riedel auch Tierhaltung basierend auf den Zweidrittel Grasland. «Nicht mehr Rinder und nicht weniger», ist ihre Devise. Damit würden 60 Prozent der Ackerfläche frei für Protein direkt vom Acker. Das würde jedoch auch bedeuten, dass nur so viel Fleisch gegessen werde, wie Gras wachse und das sei unrealistisch.
Fleisch essen sei sowohl Gewohnheit also auch Kultur und die Diskussion ideologisch aufgeladen. «Ein Teil der Menschen will den Fleischkonsum nicht ändern, weil die falschen Leute das fordern», beobachtet die Agrarökologin. Ohne weniger Fleischkonsum wäre es fatal, auf die Produktion von Tierfutter und den Import von Futtermitteln zu verzichten. «Um die Verantwortung gegenüber den Tieren wahrzunehmen, müssten diese in der Schweiz gehalten werden», findet sie.
Zudem gebe es den wirtschaftlichen Aspekt: Die Hälfte des landwirtschaftlichen Rohertrags komme aus der Tierhaltung. «Ohne die Tierhaltung schaden wir den Landwirtschaftsfamilien massiv», betont sie.
«Agrarpolitik – der Podcast» zeigt Entwicklungen, Lösungswege und Handlungsachsen der Schweizer Agrarpolitik. Moderiert werden die Sendungen von Andreas Wyss, die Produktion verantwortet Hansjürg Jäger. Der Podcast ist auf allen gängigen Plattformen verfügbar und kann als Newsletter abonniert werden. Mehr unter www.agrarpolitik-podcast.ch.
Riedel ist hoffnungsvoll, dass Lebensmittelverluste reduziert werden können. «Die Gesellschaft ist sich einig, dass Food Waste etwas Schlechtes ist», argumentiert sie. Wie sich weniger Food Waste auf den Selbstversorgungsgrad auswirke, lasse sich jedoch nicht beziffern. «Den Selbstversorgungsgrad zu steigern, ist utopisch», findet die Agrarökologin. Bei sich verschlechternden Umweltbedingungen sei schon viel erreicht, wenn die Produktion gehalten werde.
Die Produktion über das Wachstum der Betriebe zu steigern, ist für Judith Riedel keine Option. «Vielfalt ist etwas Gutes», betont sie im Blick auf die unterschiedlichen Standorte, Höhenlagen und Betriebszweige. Auch könne Vielfalt die Resilienz fördern und den Betrieben Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ermöglichen. «In die Betriebsführung einzugreifen, geht in die falsche Richtung», findet die Agrarökologin.
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