Agrarfluencer zeigt, wie er der Landwirtschaft ein Gesicht gibt

René Ritter vom Leimenhof ist einer der wichtigsten Agrarfluencer der Schweiz. Am ersten Netzwerktreffen Kommunikation Landwirtschaft berichtet er darüber, wie Social Media für seinen Hof zu einem Betriebszweig wurde.
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Agrarfluencer René Ritter vom Leimenhof berichtet über seine Social-Media-Arbeit. (jba)

Als René Ritter den Betrieb übernahm, hat es ihn gestört, dass die Landwirtinnen und Landwirte so stark abhängig sind von Labels und Grossverteilern. «Wir stehen da, tragen am meisten Risiko und erhalten am Schluss am wenigsten vom Kuchen», sagte er am ersten Netzwerktreffen Kommunikation Landwirtschaft, das auf dem Leimenhof in Wenslingen im Kanton Basel-Land stattfand. Der Anlass wurde vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID und den Schweizer Milchproduzenten SMP organisiert.

Der Leimenhof

Der Leimenhof ist eine Betriebszweiggemeinschaft, die es seit 30 Jahren gibt. Zusammen bewirtschaften die Familien Grass und Ritter 65 Hektaren Land. Sie halten 30 Mutterkühe der Rassen Angus und Wagyu und ziehen 60 Rinder auf für externe Milchviehbetriebe.

Der Betrieb ist breit aufgestellt, betreibt neben der Tierhaltung Futter- und Ackerbau und erledigt Lohnarbeiten. Ausserdem gehören Direktvermarktung und Gastronomie dazu. Auch die Social-Media-Arbeit zählt Ritter als Betriebszweig. Er investiert rund einen Arbeitstag pro Woche dafür. Doch wofür?

Von Youtube zu Instagram

René Ritter findet, dass die Distanz von den Landwirtinnen und Landwirten zu den Konsumentinnen und Konsumenten zu gross sei. «Uns fehlen die Gesichter – diese schaffen Nähe», so entschloss er sich, etwas dagegen zu tun. Vor gut 6 Jahren fing er damit an Aufklärungsvideos für Youtube zu produzieren, inspiriert von einem Kanal eines US-Farmers.

«Meine ersten Videos waren furchtbar, ich würde heute alles anders machen», gibt er mit einem Schmunzeln zu. Doch mittlerweile hat er sich daran gewöhnt, durch die Kamera hindurch zu den Leuten zu schauen. René Ritter befasste sich mit den verschiedenen Kanälen: Auf Youtube braucht es anderen Content als auf Insta und Tiktok.

«Unser Hauptproblem ist die abnehmende Aufmerksamkeitsspanne. Mit acht Sekunden ist sie gerade noch doppelt so lang wie bei einem Goldfisch», sagt René Ritter. Das heisst, ein Video oder Reel muss die Zuschauenden von der ersten Sekunde an packen.

Mittlerweile ist er zu einem der wichtigsten Agrarfluencer der Schweiz geworden. «Diese Sichtbarkeit schafft Chancen aber auch Pflichten», erklärt er. So müsse man Kommentare lesen, einordnen und beantworten, Emails beantworten und damit rechnen überall und immer erkannt und angesprochen zu werden.

Aber es brauche auch Konstanz mit den Beiträgen: «Wenn ich drei Wochen nichts mache, werde ich vom Algorithmus bestraft.» Zudem habe er gelernt, negative Kommentare zu ignorieren.

Und was bringt Social Media dem Leimenhof?

Dank der Social-Media-Arbeit habe der Leimenhof eine starke Markenpräsenz, einen direkten Absatz von eigenen Produkten, neue Betriebszweige und Partnerschaften sowie mehr Kundinnen und Kunden.

«Unser Ziel ist es, bei Produktion, Verarbeitung und Vermarktung, zwei von drei Arbeiten bei uns zu behalten», erklärt René Ritter.

Anregung an Verbände

Am Netzwerkanlass, an dem Kommunikationsfachpersonen aus der Landwirtschaftsbranche zusammenkamen, übte er auch Kritik: «Raus aus den Federn: Punkto Social Media schlafen die Verbände noch.» Sie sollten viel mehr zusammenarbeiten, auch mit Agrarfluencern. «Wenn wir wollen, dass Bäuerinnen und Bauern das machen, braucht es Geld dafür – niemand arbeitet gratis», betont er.

Abschliessend möchte er mehr Landwirtinnen und Landwirte motivieren, den Mut zu fassen und ebenfalls zu einem Gesicht für die Landwirtschaft zu werden. «Ganz wichtig dabei: Mit dem Gesicht in die Kamera reden – das schafft Nähe», erläutert er.

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