Pflanzliche Alternativen verlieren an Schwung

Vom Trend zum Nischenprodukt mit Stammkundschaft: Das Wachstum pflanzlicher Milchalternativen ist ins Stocken geraten. Wuchs der Umsatz zwischen 2017 und 2021 noch um fast 80 Prozent, war es zwischen 2024 und 2025 praktisch null. Innerhalb des Segments haben sich Haferdrinks klar durchgesetzt.
Zuletzt aktualisiert am 20. August 2026
von Jonas Ingold
3 Minuten Lesedauer
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Nach dem Boom stagniert der Markt. Innerhalb des Segments hat sich Haferdrink durchgesetzt. (lid)

Der Höhenflug pflanzlicher Alternativen zu Milchprodukten im Schweizer Detailhandel ist vorerst vorbei. Das zeigt eine neue Analyse des Fachbereichs Marktanalyse des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), die sich auf Daten des kombinierten Retail- und Konsumentenpanels von NielsenIQ Switzerland stützt und die Entwicklung zwischen 2021 und 2025 untersucht hat. Beobachtet wurden pflanzliche Alternativen zu Konsummilch, Käse, Milchgetränken, Joghurt, Rahm, Desserts, Speiseeis, Butter und Quark.

Wachstum bricht deutlich ein

Zwischen 2017 und 2021 boomte die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen noch: Der Umsatz legte um knapp 80 Prozent zu. Seither hat sich das Tempo drastisch verlangsamt. Von 2021 bis 2024 wuchs der Umsatz nur noch um 8,2 Prozent auf 184,27 Millionen Franken. Zwischen 2024 und 2025 stagnierte er praktisch (+0,03 %) bei 184,34 Millionen Franken.

Auch die Pro-Kopf-Ausgaben der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz, die bis 2024 auf 20.36 Franken gestiegen waren, sanken 2025 wieder leicht auf 20.20 Franken. Am Gesamtmarkt für Milchprodukte und ihre Alternativen (rund 4,77 Mrd. Franken) bleiben Letztere mit 3,9 Prozent Anteil im Jahr 2025 eine Nischenerscheinung.

Haferdrink dominiert das Pflanzen-Segment

Innerhalb der pflanzlichen Alternativen ragen die Alternativen zu Konsummilch heraus: Mit 43 Prozent 2025 erzielen sie den mit Abstand grössten Umsatzanteil des Gesamtsegments. Treiber ist Haferdrink: Sein Anteil am Teilsegment «Pflanzendrinks» stieg von 44 auf 58 Prozent. Dies auf Kosten von Mandel-, Soja- und Reisdrink. An zweiter Stelle folgt Margarine mit 23 Prozent, dahinter Joghurt-Alternativen mit 15 Prozent. Deutlich kleiner sind die Anteile von Käse- (6 %) und Rahm-Alternativen (4 %).

Fast alle Kategorien pflanzlicher Alternativen verloren zwischen 2021 und 2025 leicht an Marktanteil, ausser die Alternativen zu Konsummilch und zu Rahm. Bei der Wachstumsrate zeigt sich Ähnliches: Milch- (+6,7 %) und Rahm-Alternativen (+13,0 %) legen zu, Käse- (-4,6 %), Speiseeis- (-6,0 %) und Dessert-Alternativen (-11,9 %) sind rückläufig.

Preise sinken leicht, bleiben aber hoch

Die Preise für pflanzliche Alternativen sind seit 2023 insgesamt leicht gesunken, liegen aber mit Ausnahme der Margarine weiterhin deutlich über jenen der tierischen Produkte. Am grössten war der Preisunterschied 2025 bei Joghurt-Alternativen (+65,2 %) und Käse-Alternativen (+59,8 %). Am kleinsten fiel er bei Rahm-Alternativen aus (+2,9 %). Über fünf Jahre hat sich der Abstand bei mehreren Gruppen verringert, etwa bei Konsummilch-Alternativen von 80,9 auf 64,4 Prozent.

Zielgruppe: junge, gutverdienende Familien

Die soziodemografische Analyse zeigt: Pflanzliche Konsummilch-Alternativen kaufen vor allem Haushalte mit jüngerer haushaltführender Person, höherem Einkommen und wenigen Kindern. Haushalte mit drei oder mehr Kindern greifen deutlich seltener zu. Gemäss Analyse könnte sich dies mit dem höheren Preis erklären lassen. Wie das BLW schreibt, sind gemäss Branchenexperten die Käuferinnen und Käufer vor allem bestehende Kundinnen und Kunden. Sie seien mittlerweile eine etablierte Produktkategorie.

Wenig einheimische Produktion

An der Nische selbst kann sich die Schweizer Landwirtschaft aktuell wenig beteiligen. 81 Prozent des Umsatzes mit pflanzlichen Drinks entfielen im vergangenen Jahr auf Importprodukte.