Knollensellerie: Vielseitig und aromatisch
Der Knollensellerie bringt als typisches Winterlagergemüse viele gesunde Inhaltsstoffe in die kalte Jahreszeit. Schwe...
Der meteorologische Frühlingsbeginn ist jeweils am 1. März – während der astronomische Frühling zur Tagundnachtgleiche beginnt und dieses Jahr auf den 20. März fällt. Daneben gibt es auch noch den phänologischen Frühlingsanfang: Dieser richtet sich unter anderem danach, wie weit Pflanzen im jeweiligen Jahr entwickelt sind.
Der phänologische Kalender unterteilt den Frühling in die drei Jahreszeiten Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling. Ein Zeichen für den Beginn des Vorfrühlings ist die Haselblüte, die dieses Jahr in der Schweiz lokal bereits Anfang Februar auftrat. Der phänologische Frühlingsanfang lässt sich also nicht exakt vorhersagen. Er eilt dem meteorologischen und astronomischen Frühlingsanfang voraus und tritt tendenziell immer früher ein.
Der Frühlingsindex zeigt den Zeitpunkt der Vegetationsentwicklung im Frühling als Abweichung in Tagen vom langjährigen Mittel von 1991 bis 2020. Der jährlich ermittelte Index fasst die phänologischen Frühlingsphasen zusammen, wie beispielsweise die Blüte und Blattentfaltung des Haselstrauchs, die Blüte des Löwenzahns oder den Nadelaustrieb der Lärche. Da die Temperatur für die Entwicklung der Pflanzen ein zentraler Faktor ist, eignet sich der Frühlingsindex als Mass für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation.
In Genf treiben die Blätter des Rosskastanienreferenzbaumes im Schnitt rund zwei Wochen früher aus als noch vor 100 Jahren. Auch in Liestal im Kanton Basel-Landschaft blüht der Kirschreferenzbaum heute nicht selten bereits im März, während er vor hundert Jahren erst um den 20. April aufblühte. Doch nicht nur die Blüte von Einzelbäumen tritt immer früher auf: Grundsätzlich erwachen die Pflanzen in der Schweiz immer öfter immer früher aus dem Winterschlaf, wie Daten von Meteo Schweiz zeigen.
Die Blüte des Haselstrauchs beginnt heute im Schnitt 18 Tage früher als noch vor 70 Jahren – Buschwindröschen blühen im Schnitt zehn Tage früher. Beobachtungen, die auch der Schweizer Obstverband (SOV) bestätigen kann. «In den vergangenen 80 Jahren hat sich beispielsweise das Blühdatum von Kern- und Steinobst um rund 15 Tage nach vorne verschoben – bereits jetzt blühen die ersten Aprikosenbäume», berichtet Direktor Jimmy Mariéthoz.
Die milden Temperaturen bis Mitte März haben dieses Jahr zu einem frühen Start der Vegetation geführt. Mit kühleren Temperaturen verlangsame sich die Entwicklung jedoch wieder. «Gegenüber dem Vorjahr liegt die Vegetation momentan etwa fünf bis acht Tage voraus – wie sich dieser Vorsprung weiterentwickelt, hängt stark vom Wetter in den kommenden Wochen ab», meint Jimmy Mariéthoz.
Dass der Frühling immer früher kommt, zeigt auch der sogenannte Frühlingsindex von Meteo Schweiz. Seit Ende der 1980er Jahre beginnt die Vegetationsentwicklung deutlich früher, parallel dazu ist ein Temperaturanstieg im Frühling zu beobachten. Zu den Jahren mit einer sehr frühen Frühlingsvegetation zählen 1961, 2011 und 2020, die einen Vorsprung von 8 bis 10 Tagen auf das Mittel von 1991 bis 2020 aufweisen. Gleichzeitig beginnt der Herbst immer später und bestimmte biologische Ereignisse wie Blattverfärbungen und Blattfall werden später beobachtet. Unsere Pflanzen blühen also immer früher, die Vegetationsperiode werden dafür länger und die Ruhezeiten für Pflanzen somit kürzer.
Das hat weitreichende Folgen: Ein immer früher einsetzender Frühling erhöhe beispielsweise das Risiko für Frostschäden, gibt Jimmy Mariéthoz zu bedenken. Die Kulturen treiben früher aus und sind, wenn es dann noch einmal bitterkalt wird, nicht mehr genügend geschützt. «Entsprechend wird der Schutz der Kulturen vor Frost immer wichtiger, ist sehr zeitintensiv und kostspielig und nicht immer wirksam genug», erklärt der Direktor des Schweizer Obstverbands.
Für die Frostbekämpfung gebe es verschiedene Möglichkeiten. «Welche Massnahmen eingesetzt werden, hängt stark von der jeweiligen Kultur sowie vom Betrieb ab – eine allgemeingültige Aussage lässt sich daher nicht machen», ergänzt er. Bei Kernobst werde häufig mit der sogenannten Frostschutzberegnung gearbeitet. Bei dieser Methode werden die Pflanzen nachts mit Wasser besprüht, um Knospen und Blüten bei Frost zu schützen. Bei Steinobst kämen je nach Situation Wasser, Abdeckungen oder auch Wärmequellen zum Einsatz, während Beerenkulturen dagegen meist mit Abdeckungen geschützt würden.
«All diese Massnahmen sind sehr arbeitsintensiv und entsprechend kostenaufwendig, zudem zeigt sich erst im weiteren Verlauf der Saison, ob sie tatsächlich erfolgreich waren – ob eine Frostschutzmassnahme gewirkt hat, lässt sich in vielen Fällen leider erst bei der Ernte endgültig beurteilen», sagt Jimmy Mariéthoz.
«Das Wetter beeinflusst die Arbeit der Gemüsegärtnerinnen und -gärtner seit jeher – sie arbeiten mit der Natur und müssen sich an die Bedingungen anpassen.»
Auch die Schweizer Gemüseproduzentinnen und -produzenten spüren das veränderte Wetter. «Das Wetter beeinflusst die Arbeit der Gemüsegärtnerinnen und -gärtner allerdings seit jeher – sie arbeiten mit der Natur und müssen sich an die Bedingungen anpassen», sagt Markus Waber, stellvertretender Direktor des Schweizer Gemüseproduzentenverbandes. Das frühlingshafte Wetter habe dieses Jahr, wie auch schon im Vorjahr, für einen guten Start in die Saison gesorgt.
Besonders für die Salatproduktion im Tunnel oder Gewächshaus seien die Bedingungen ideal und auch auf den Feldern konnte wie letztes Jahr früh begonnen werden. «Wenn die Temperaturen hoch bleiben, werden wir früher in die Spargelsaison starten können», meint Markus Waber.
Wenn die Bedingungen gut und die Felder beispielsweise schneefrei und trocken seien, werde in der Gemüseproduktion mit der Bodenbearbeitung und der Aussaat oder dem Pflanzen teilweise früher begonnen. «In der Anfangsphase schützen die Gemüsegärtnerinnen und -gärtner die Kulturen dann mit Vlies oder Tunneln vor der Kälte», erklärt er.
Aber auch die Gemüseproduzentinnen und -produzenten hätten bei einem verfrühten Frühling mit einem erhöhten Frostrisiko zu rechnen – bei früh gepflanzten Kulturen sei dies das unternehmerische Risiko. «Bei Dauerkulturen ist das aber schon ein Problem, wobei vor allem die Grünspargeln anfällig auf Schäden sind», erläutert Markus Waber.
Eine längere Vegetationsperiode könne für das Gemüse hingegen positiv sein, meint Markus Waber weiter. Jedoch müsse das Gemüse in der freien Phase am Markt auch abgenommen werden, denn dann stehe es ungeschützt mit dem Import in Konkurrenz.
«Beim Getreide ist die grösste Herausforderung nicht die Dauer der Vegetationsperiode, sondern die Wetterbedingungen – wenn es zu heiss und zu trocken ist, können die Pflanzen eine Notreife ertragen.»
Pierre-Yves Perrin, Geschäftsführer des Schweizer Getreideproduzentenverbandes (SGPV), beurteilt eine längere Vegetationsperiode weder positiv noch negativ. «Beim Getreide ist es sortenabhängig – die grösste Herausforderung ist nicht die Dauer der Vegetationsperiode, sondern die Wetterbedingungen», erklärt er und ergänzt: «Den Erntezeitpunkt kann man beim Getreide zeitlich verschieben, aber wenn es zu heiss und zu trocken ist, können die Pflanzen eine Notreife ertragen.» Trotz der warmen Tage und des daraus resultierenden Insektenflugs seien die Nächte und somit die Böden immer noch kalt, was die Vegetation etwas bremse.
Auch für die Obstproduzentinnen und -produzenten kann eine längere Vegetationsperiode sowohl Chancen als auch Hindernisse beinhalten. Beim Kernobst habe diese zum Beispiel zu einer Erweiterung der anbaubaren Sorten geführt. Ein früher Erntebeginn sei allerdings nicht für alle Früchte vorteilhaft – beispielsweise bei den Zwetschgen, sagt Jimmy Mariéthoz: «Konsumentinnen und Konsumenten kaufen Ende Juli wenig Zwetschgen, da diese für sie Herbstfrüchte sind.»
Bei Sommerfrüchten wie Erdbeeren und Kirschen sei der frühe Erntebeginn jedoch ein Vorteil, da die Konsumierenden auf diese einheimischen Früchte warteten. Daneben sei eine längere Vegetationsperiode auch bei Himbeeren und Brombeeren vorteilhaft, da sie fortwährend neue Früchte bildeten. «Die Aprikosen hingegen stehen bei einer frühen Kampagne in Konkurrenz mit den Importaprikosen», ergänzt Jimmy Mariéthoz. Laut dem SOV wäre somit eine Angleichung der bewirtschafteten Phasen des Grenzschutzes an die neuen, längeren Vegetationsperioden wünschenswert.
«Insbesondere durch das vermehrte Auftreten bestehender, aber auch neu auftretender Krankheiten und Schädlingen stellt der Klimawandel die Landwirtschaft und damit auch den Obstanbau auf eine harte Probe.»
Ein früher Frühling hat jedoch nicht nur Einfluss auf die Pflanzenwelt, sondern auch auf die Tierwelt. Die symbiotische Abhängigkeit hat wiederum Einfluss auf die Pflanzenwelt. Wenn der Frühling früher beginnt und die Obstbäume beispielsweise bereits blühen, bevor die Insekten geschlüpft sind, die sie bestäuben sollten, könnten die Obstbäume fruchtlos bleiben.
Zudem kann sich die Entwicklung auch in die gegenteilige Richtung bewegen: So nimmt laut Pierre-Yves Perrin auch der Schädlingsdruck zu – vor allem in Jahren mit einem zusätzlich warmen Winter. Mit dem Frost im Winter seien die Insekten dieses Jahr zwar etwas ausgebremst, aber der Flug des Rapsstängelrüsslers sei dieses Jahr trotzdem stark und habe früh begonnen. «Wie so oft geht es darum, ob die Pflanze schnell genug wächst, um nicht von Insekten befallen zu werden», erklärt der Geschäftsführer des SGPV. Die Tendenz bleibe jedoch, dass kalte Winter den Schädlingsdruck reduzieren würden.
Markus Waber meint, es sei grundsätzlich schwierig, die Entwicklung der Schädlingspopulationen vorauszusagen. Sie hänge nicht nur von den Temperaturen, sondern auch vom Wetter ab. So sei beim nassen Sommer 2021 das Aufkommen der Weissen Fliege im Kohl gebremst gewesen, während andere Kulturen wie Salate durch die Nässe unverkäuflich geworden seien.
Der Schädlingsdruck erhöhe sich durch die sich verändernde Vegetation ständig, bekräftigt auch Jimmy Mariéthoz. «Insbesondere durch das vermehrte Auftreten bestehender, aber auch neu auftretender Krankheiten und Schädlingen stellt der Klimawandel die Landwirtschaft und damit auch den Obstanbau auf eine harte Probe», erläutert er. Man setze darum grosse Hoffnung in die Aktivitäten der Forschung, damit die zukünftigen Herausforderungen gemeistert werden könnten.
Gleichzeitig böten der Klimawandel und die warmen Temperaturen auch Chancen, wie beispielsweise den Anbau anderer Kulturen. «Beispielsweise wachsen Kiwis mittlerweile sehr gut in der Schweiz, vor allem am Genfersee – es wurden auch schon Versuche mit dem Anbau von Kakis, Feigen oder Mandeln durchgeführt», berichtet Jimmy Mariéthoz. Allerdings stünden diese Früchte in Konkurrenz zu billig importierten Früchten aus Niedriglohnländern, die oft Monokulturen betreiben würden. Markus Waber gibt ausserdem zu bedenken, dass neue Sorten und Produkte am Markt auch nachgefragt werden und konkurrenzfähig sein müssten.
Beim Getreide könne Soja ein Beispiel sein oder spätere Sorten beim Maisanbau, meint Pierre-Yves Perrin. «Je nach Jahr und Wetterbedingungen kann es aber gute Resultate geben – oder auch nicht», ergänzt er. Der Klimawandel sei leider eine langfristige Tendenz, bei der die Produzentinnen und Produzenten vor allem mit grösseren, nicht vorhersehbaren Schwankungen leben müssten.
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