Zwetschgen: Eine Schweizer Institution

Die Zwetschge ist eine vielseitige Frucht, die in der Küche viel Spielraum lässt. Ihre blaue Farbe verleiht ihr nicht nur ein schönes Aussehen, sie ist auch gesund.
Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2026
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Kaum eine Frucht steht so sehr für den Spätsommer wie die Zwetschge. Botanisch gesehen reift die Frucht spät, etwa von Anfang bis Mitte September, was sie zur klassischen Spätsommerfrucht macht. Jede Schweizerin und jeder Schweizer isst von der Zwetschge im Schnitt rund 1,5 Kilogramm pro Jahr; eine stattliche Menge, die zeigt, dass die blaue Frucht in der hiesigen Esskultur verankert ist. Angebaut wird sie in der Schweiz auf rund 320 Hektaren. 

2023 Zwetschgen Pflaumen 1 Jin
Die grösste Anbaufläche befand sich 2025 im Wallis, danach folgen Waadt sowie Basel-Land und Basel-Stadt. (jin)

2026 wird eine gute Ernte erwartet 

Der Schweizer Obstverband SOV rechnet für 2026 mit einer Ernte von rund 3’600 Tonnen Zwetschgen ein Wert, der leicht über dem Fünfjahresdurchschnitt liegt. Die Haupterntezeit hat dieses Jahr Ende Juli begonnen und zieht sich bis Anfang September hin. Je nach Wetterlage kann sich die Saison regional, aber deutlich verschieben: Die Zwetschgensaison am Bodensee dauert, abhängig vom Wetter, ungefähr von Mitte Juli bis Mitte Oktober. 

Zwetschgen werden weltweit angebaut. Der grösste Produzent ist China, gefolgt von den USA. Deutschland führt die Liste der meistproduzierenden Länder in Europa an. Regional betrachtet ist das Wallis die grösste Anbauregion des Landes, gefolgt von der Waadt sowie Basel-Landschaft und Basel-Stadt. Historisch war gerade die Region Basel besonders eng mit dem Zwetschgenanbau verbunden. 

Die Sorte mit ungeklärter Herkunft 

Unter den zahlreichen Sorten dominiert eine Sorte in der Schweiz klar: Die Fellenberg-Zwetschge wurde vor mehr als 200 Jahren in die Schweiz gebracht und weitergezüchtet und füllt bis heute die Regale der Supermärkte. Die Fellenberg-Zwetschge ist die einzige Zwetschgensorte, die unter eigenem Sortennamen verkauft wird, andere beliebte Sorten wie Čačaks Schöne oder Dabrovice werden schlicht als «Zwetschgen» vermarktet. 

Interessant ist die Herkunftsgeschichte der beliebten Zwetschgensorte, die bis heute nicht abschliessend geklärt ist. Die Fellenberg-Zwetschge stammt vermutlich ursprünglich aus Italien, wahrscheinlich aus der Lombardei. Wer genau die Sorte in die Schweiz brachte, bleibt jedoch ein ungelöstes Rätsel. Ihr Name geht auf den Berner Reformer, Agronomen und Politiker Philipp Emanuel von Fellenberg zurück, der von 1771 bis 1844 lebte und massgeblich zur Verbreitung der Sorte in der Schweiz beitrug. 

Die Fellenberg-Zwetschge macht rund ein Drittel der gesamten Schweizer Ernte aus. Ihre grosse, dunkelblau bereifte Schale, das feste, süss-würzige Fruchtfleisch und die Tatsache, dass es sich leicht vom Stein lösen lässt, machen sie zum bevorzugten Snack ebenso wie zur Backzutat. Neben der Fellenberg gibt es in der Schweiz rund 300 eigenständige, dokumentierte Zwetschgen- und Pflaumensorten, von denen viele einen starken regionalen Bezug haben, wie etwa die Damassine aus dem Jura. 

Wenn die Frucht zu Schnaps wird 

Nicht die ganze Ernte landet im Kuchen: Ein Teil wird zu Brennzwetschgen verarbeitet und destilliert. 2025 waren dies rund 950 Tonnen. Als Brennzwetschgen gelten Früchte, die für den Frischverkauf nicht taugen, sich aber gut zu Maische verarbeiten lassen. 

Maische wird hergestellt, in dem man die Früchte mit Hefepilzen vermischt, was später den Obstbrand gibt. Aus ihnen entstehen typische Schweizer Brennerzeugnisse wie Pflümli, Zwetschgenwasser oder der noblere Vieille Prune. Direkt nach dem Kirsch sind Brände aus der Zwetschge der beliebteste Steinobstbrand der Schweiz. 

Die blaue Farbe ist gesund 

Das «blaue Wunder» hat seine Farbe vom wasserlöslichen Pflanzenfarbstoff Anthocyan. Dieser Farbstoff verleiht Früchten nicht nur eine rote, violette oder blaue Farbe, sondern hat auch eine gesundheitliche Wirkung. Er enthält nämlich wichtige Antioxidantien für den Körper. Die Zwetschge enthält ausserdem verschiedene Vitamine, Ballaststoffe und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium. Auf 100 Gramm enthält die Frucht nur etwa 45 Kalorien und liefert verschiedene Zuckerarten. 

Da die Zwetschge einen süss-sauren Geschmack hat, passt sie zu allerlei Lebensmitteln. Mit der Frucht ist zum Beispiel schnell eine schmackhafte Wähe oder ein Dessert gezaubert. Für einen Kompott oder eine Konfitüre eignet sie sich ebenfalls. Zwetschgen passen aber auch als Sauce oder Füllung zu Fleisch, beispielsweise zu Schwein, Wild oder Ente.