PFAS im Boden: Das Problem liegt fast überall unter unseren Füssen

PFAS sind in Schweizer Böden praktisch flächendeckend nachweisbar. Das zeigt eine neue Übersichtsstudie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und der ETH Zürich im Auftrag des Bundes. Besonders belastet sind einzelne Hotspots wie frühere Feuerwehrübungsplätze oder Flächen mit Klärschlammeinträgen. Doch auch abseits solcher Verdachtsflächen ist die Belastung verbreitet. Für Landwirtschaft, Behörden und Umweltpolitik ist das eine heikle Ausgangslage: Das Problem ist da – aber noch vieles ist ungeklärt.
Zuletzt aktualisiert am 19. März 2026
von Renate Hodel
5 Minuten Lesedauer
Ackerboden Seeland Jin

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS, sind in der Schweiz kein Randphänomen mehr, sondern im Boden praktisch überall vorhanden. Zu diesem Schluss kommt eine neue Übersichtsstudie der ZHAW und ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Für die Auswertung wurden über 1’000 PFAS-Messungen aus Schweizer Böden zusammengetragen und in mehr als 99 Prozent dieser ausgewerteten Bodenproben wurden PFAS nachgewiesen.

Das macht die Sache brisant, denn die Böden sind auch die Grundlage für die landwirtschaftliche Produktion und damit auch für die Ernährung.

Nicht nur Hotspots, sondern eine breite Grundbelastung

Zwar zeigt die Studie auch, dass die Belastung nicht überall gleich hoch ist. Besonders hohe Werte wurden dort festgestellt, wo bekannte Eintragsquellen vermutet werden, etwa beim Einsatz PFAS-haltiger Löschschäume oder bei Flächen, auf denen früher Klärschlamm ausgebracht wurde. Doch die Resultate machen ebenso deutlich, dass PFAS eben nicht nur an solchen Hotspots vorkommen.

Basilius Thalmann, Dozent und PFAS-Experte an der ZHAW, spricht von einem deutlich umfassenderen Bild der Situation. Die Auswertung unterstreiche, «dass PFAS flächendeckend in den Böden vorhanden sind». Die Resultate seien «bedenklich», zugleich aber wichtig, um die Belastung in der Schweiz besser einordnen zu können.

Die neue Auswertung geht weiter als bisherige Untersuchungen. Während eine frühere Studie vor allem die Grundbelastung in Schweizer Böden erfasste, wurden diesmal auch kantonale Messkampagnen zu Verdachtsflächen, Siedlungsböden und weiteren belasteten Standorten zusammengeführt. Entsprechend liegen die gemessenen Werte im aktuellen Überblick insgesamt höher.

Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den Standorten. Die höchsten Belastungen wurden dort festgestellt, wo der Einsatz von Löschschaum als Quelle vermutet wird. Hier lag der Median bei rund 20 Mikrogramm pro Kilogramm Trockensubstanz, bei Flächen mit vermuteter Klärschlammausbringung bei 14,3 Mikrogramm. Deutlich tiefere Werte fanden sich dagegen etwa auf Grasland über 1’000 Metern Höhe, wo der Median bei 1,02 Mikrogramm lag. Auch Waldstandorte wiesen im Vergleich zu den Hotspots tiefere Belastungen auf.

Für die Landwirtschaft bleiben zentrale Fragen offen

Die Studie zeigt damit vor allem eines: PFAS in Böden sind kein rein lokales Problem einzelner Altlastenstandorte. Vielmehr existiert eine breite Hintergrundbelastung mit an gewissen Standorten punktuell stark erhöhten Werten. Die Einordnung ist aber schwierig, denn nicht überall, wo eine Quelle vermutet wird, wurden auch hohe Werte gefunden – und umgekehrt gibt es Standorte ohne bekannte Quelle, an denen die Belastung trotzdem hoch ausfällt. Die Forschenden gehen davon aus, dass diffuse Einträge über die Atmosphäre ebenfalls eine Rolle spielen – also, dass PFAS in der Atmosphäre beispielsweise mit Niederschlag flächendeckend in unsere Böden gelangen.

Gerade für die Landwirtschaft ist diese Unsicherheit heikel. Denn Pflanzen und Tiere können PFAS aus dem Boden aufnehmen, wodurch diese schlussendlich auch in unsere Lebensmittel gelangen können. «Auf Basis unserer publizierten Studie können wir aktuell leider nicht beurteilen, ab welcher Konzentration im Boden dies kritisch ist», sagt Basilius Thalmann. Bei tierischen Lebensmitteln habe es zwar bisher nur vereinzelt Grenzwertüberschreitungen gegeben. Bei pflanzlichen Lebensmitteln sei die Lage aber noch weit weniger klar, sagt der ZHAW-Dozent: «Wie es um die pflanzliche Lebensmittelproduktion in der Schweiz bezüglich PFAS steht, wissen wir leider aktuell noch nicht genauer.»

Damit bleibt die Unsicherheit vorerst bestehen – gerade auch für den Gemüsebau oder für Grünland, auf dem Futter produziert wird. Denn betroffen sind nicht nur Spezialfälle, sondern offenbar auch verbreitet ganz normale Produktionsflächen. Für Betriebe stellt sich damit eine unbequeme Frage: Was bedeutet eine Bodenbelastung mit PFAS künftig für die Nutzung, für die Vermarktung und für das Vertrauen in die Produktion?

Sanierung kaum möglich

Im Ausland sei die Situation ebenfalls sehr unterschiedlich, sagt Basilius Thalmann. In stark belasteten Regionen wie im deutschen Rastatt sei ein Vorerntemonitoring eingeführt worden, um die landwirtschaftliche Produktion weiterhin zu ermöglichen. Andere Studien zeigten teilweise niedrigere Konzentrationen in den Böden als in der Schweiz. «Ein entsprechend detailliertes Bild, wie wir es nun für die Schweiz haben, ist mir aber nicht bekannt», erklärt er.

Besonders problematisch ist, dass sich PFAS im Boden kaum beseitigen lassen. «Leider gibt es aktuell keine Sanierungsmethode, mit der sich die PFAS aus dem Boden entfernen lassen, ohne diesen dabei zu zerstören», sagt Basilius Thalmann. Stark belastete Böden könnten im Grunde nur abgetragen und durch möglichst schwach belasteten Boden ersetzt werden. «Das ist jedoch sehr teuer, insbesondere bei den zu erwartenden Kubaturen auf landwirtschaftlichen Flächen», ergänzt er. Zudem ist der Boden keine nachwachsende Ressource – Sanierungen sollten deshalb zurückhaltend erfolgen und der Boden sollte möglichst lange mit Kulturen, die weniger PFAS aufnehmen, weitergenutzt werden, so Basilius Thalmann.

Auch das Bundesamt für Umwelt macht klar, dass die technischen Möglichkeiten derzeit sehr begrenzt sind. Entsprechend stehen derzeit eher Nutzungseinschränkungen als eigentliche Sanierungen im Vordergrund.

Fokus auf Vorsorge und Regulierung

Damit verschiebt sich der Fokus fast zwangsläufig auf die Vermeidung weiterer Einträge. Was einmal im Boden ist, bleibt dort über lange Zeit. Umso wichtiger wird die Frage, wo PFAS heute noch in Umlauf geraten und wie sich neue Belastungen verhindern lassen.

Das BAFU verweist darauf, dass im Rahmen der Motion 22.3929 von Nationalrätin Marianne Maret derzeit PFAS-Grenzwerte für Böden erarbeitet werden, die in die Verordnung über Belastungen des Bodens aufgenommen werden sollen. Gleichzeitig ist ein Aktionsplan zum Umgang mit langlebigen Chemikalien in Arbeit. Für die Behörden liefert die Studie nun eine wichtige Grundlage, um abzuschätzen, welche Auswirkungen solche Grenzwerte im Vollzug hätten. Parallel dazu arbeitet der Bund zusammen mit Kantonen und weiteren Bundesstellen an einem Aktionsplan zum Umgang mit langlebigen Chemikalien wie PFAS.

Es bleibt also abzuwarten, was dies unter anderem für die Lebensmittelproduktion und insbesondere für Produzentinnen und Produzenten, die auf und mit diesen Böden arbeiten, längerfristig bedeutet.