Weniger Wein, mehr Schweiz – einheimische Weine gewinnen Marktanteile

Der Weinkonsum in der Schweiz ist 2025 erneut gesunken. Dennoch konnten Schweizer Weine zulegen und ihren Marktanteil ausbauen. Für die Branche ist das ein positives Signal, Entwarnung gibt es aber trotzdem keine: Hohe Lagerbestände, sinkender Gesamtkonsum und wirtschaftlicher Druck belasten den Weinbau weiter.
Zuletzt aktualisiert am 23. April 2026
von Renate Hodel
5 Minuten Lesedauer
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Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz trinken erneut weniger Wein, allerdings greifen sie innerhalb dieses schrumpfenden Marktes häufiger zu einheimischen Weinen. Laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sank der gesamte Weinkonsum 2025 auf 211,2 Millionen Liter – das sind 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich stieg der Konsum von Schweizer Wein um 2,3 Prozent auf 79,2 Millionen Liter. Der Marktanteil der Schweizer Weine kletterte damit von 35,5 auf 37,5 Prozent.

Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung beim Vergleich mit den Importweinen. Während der Konsum ausländischer Weine 2025 um 6,4 Prozent auf 132 Millionen Liter zurückging, legte Schweizer Wein zu. Vor allem Schweizer Rotwein gewann an Boden: Sein Konsum stieg um etwas über 4 Prozent auf gut 39 Millionen Liter. Schweizer Weisswein blieb mit rund 40 Millionen Litern ebenfalls leicht im Plus. Bei den ausländischen Weinen brach vor allem der Rotweinkonsum ein, während Weisswein aus dem Ausland knapp zulegte.

Für die Branche ist das ein willkommenes Signal. Swiss Wine Promotion, das Promotionsorgan des Branchenverbands Schweizer Reben und Weine, wertet die Entwicklung als Hinweis darauf, dass Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt auf Produkte setzen, die sie mit Qualität, Authentizität und Nähe verbinden. Gleichzeitig betont die Organisation aber auch, dass sich der Markt verändert und neue Chancen gezielt genutzt werden müssen.

Mehr Marktanteil – aber kein Wachstum des Gesamtmarkts

So erfreulich der gestiegene Marktanteil aus Sicht der Branche ist: Er reicht nicht aus, um die strukturellen Probleme auszugleichen. Denn der Gesamtmarkt schrumpft weiter. 2025 wurde vor allem weniger Rotwein konsumiert; der Rückgang betrug 5,5 Prozent. Weisswein legte dagegen leicht um 0,5 Prozent zu. Auch der Schaumweinkonsum war mit minus 6 Prozent rückläufig und fiel auf 21,5 Millionen Liter.

Hinzu kommt, dass sich die Lage nicht allein mit Blick auf den Konsum beurteilen lässt. Die Lagerbestände sind per Ende 2025 erneut gestiegen – insgesamt von 213 auf 220 Millionen Liter. Bei den Schweizer Weinen summierten sich die Lager auf 159 Millionen Liter, was einem Plus von knapp 2 Prozent entspricht. Das BLW verweist denn auch ausdrücklich darauf, dass hohe Produktionskosten, der Absatzrückgang und hohe Lagerbestände die Rentabilität vieler Betriebe belasten.

Auch die Importseite zeigt die angespannte Marktlage: 2025 wurden insgesamt 155 Millionen Liter Wein in die Schweiz eingeführt – knapp 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders stark gingen die Rotweinimporte zurück. Das Zollkontingent von 170 Millionen Litern wurde erneut nicht ausgeschöpft.

Ernte erholt sich, bleibt aber unter dem Schnitt

Produziert wurde 2025 in der Schweiz mehr Wein als im schwachen Vorjahr. Die Ernte erreichte 82 Millionen Liter und lag damit 9,3 Prozent über 2024. Dennoch blieb sie noch immer 8,8 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 90 Millionen Litern. Das Weinjahr verlief gemäss BLW insgesamt mehrheitlich günstig: Ein trockener und milder Jahresbeginn begünstigte die Blüte, auch wenn Regenereignisse im Juni lokal Probleme verursachten. Die Lese setzte eher früh ein und wurde im Spätsommer teils von Niederschlägen begleitet.

Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Die Deutschschweiz verzeichnete mit plus 32 Prozent den stärksten Produktionsanstieg und kam auf 13,7 Millionen Liter. In der Westschweiz fiel das Plus mit 6,3 Prozent moderater aus. In der italienischen Schweiz dagegen sank die Produktion um 8,1 Prozent auf 3,4 Millionen Liter. Als Gründe nennt das BLW ungünstige Wetterbedingungen während Blüte und Lese sowie den Befallsdruck durch den Japankäfer im Mendrisiotto.

Rosé und Schaumwein als mögliche Hebel

Swiss Wine Promotion sieht Chancen vor allem dort, wo Schweizer Weine heute noch untervertreten sind – so zeichneten sich insbesondere bei Rosé- und Schaumweinen Entwicklungsmöglichkeiten ab. Im Einzelhandel legten Schweizer Roséweine 2025 laut dem Schweizerischen Observatorium des Weinmarktes um 8 Prozent zu. Bei Schaumweinen ist der Schweizer Marktanteil mit 5 Prozent zwar noch klein, aus Sicht der Branchenorganisation aber ausbaufähig.

Auch die BLW-Statistik deutet an, dass in diesen Segmenten Bewegung steckt. Der Konsum von Schweizer Rosé stieg 2025 von 48’141 auf 55’954 Hektoliter. Schweizer Schaumwein legte von 3’749 auf 3’993 Hektoliter zu – allerdings von deutlich tieferem Niveau aus. Das spricht dafür, dass einzelne Nischen an Bedeutung gewinnen, auch wenn sie den allgemeinen Marktrückgang bislang nicht kompensieren können.

Leichte Verschiebungen auch im Rebberg

Ein Blick in die Rebflächen zeigt zudem, dass sich der Schweizer Weinbau langsam verändert. Die gesamte Rebfläche nahm 2025 leicht um 0,37 Prozent auf 14’431 Hektaren ab. Während die Fläche roter Sorten zurückging, legten weisse Sorten leicht zu. Chasselas bleibt zwar die wichtigste weisse Sorte, verlor aber etwas Fläche. Chardonnay gewann dagegen hinzu und überholte Müller-Thurgau auf Platz drei der weissen Sorten. Bei den roten Sorten bleibt Pinot Noir klar an der Spitze, gefolgt von Merlot und Gamay – alle drei mit leicht rückläufiger Fläche.

Unter dem Strich zeigt das Weinjahr 2025 damit ein widersprüchliches Bild: Schweizer Wein kann sich in einem schwieriger werdenden Markt behaupten und gewinnt Marktanteile. Gleichzeitig schrumpft der Gesamtmarkt weiter, die Lager bleiben hoch, und für viele Betriebe bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. Der Trend zugunsten einheimischer Weine ist für die Branche ermutigend – er ist aber noch kein Wendepunkt.

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