Meisterwissen für Gemüsebau und Direktvermarktung

Gemüse anbauen, Mitarbeitende führen, Investitionen planen und am Wochenmarkt die Kundschaft beraten: Michael Haab hat auf dem Betrieb viele Rollen. Die Ausbildung zum Gemüsegärtnermeister hilft ihm, den vielseitigen Hof nicht nur praktisch, sondern auch unternehmerisch weiterzuentwickeln.
Zuletzt aktualisiert am 9. September 2026
von Renate Hodel
7 Minuten Lesedauer
2026 Bildung In Der Landwirtschaft Gemuesegaertnermeister Michael Haab 01 Rho

Auf den Feldern wachsen Zwiebeln, Gurken, Bohnen, Salate, Kräuter, Chilis und zahlreiche weitere Gemüsekulturen. Daneben baut Familie Haab Brotweizen, Futtermais, Futtergerste und Kartoffeln an. Zum Betrieb gehören ausserdem Obst und Beeren, 400 Legehennen sowie einige Freilandschweine.

«Wir haben auf unserem Betrieb rund 60 Kulturen – Gemüsebau und Ackerbau zusammen», sagt Michael Haab. Das Gemüse wird nicht für den Grosshandel produziert, sondern nur in dem Umfang angebaut, in dem es direkt verkauft werden kann. Die Produkte gelangen über den eigenen Hofladen und den Wochenmarkt zur Kundschaft. Obst und Beeren werden fast ausschliesslich im Hofladen verkauft, vieles verarbeitet seine Mutter Theres Haab mit ihrem Team gleich selbst weiter.

Michael Haab führt den 19 Hektaren grossen Betrieb heute gemeinsam mit seinen Eltern Fredy und Theres Haab. Für ihn stand schon früh fest, dass er einmal einsteigen möchte: «Wir sind in der vierten Generation hier auf dem Betrieb – für mich war immer klar, dass ich einmal weitermachen möchte.»

Zuerst Mechaniker, dann Gemüsegärtner

Direkt nach der Schule in die Landwirtschaft einzusteigen, kam für Michael Haab trotzdem nicht infrage. Seine Eltern legten Wert darauf, dass er zuerst einen anderen Beruf erlernt. So absolvierte er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker.

Bereut habe er diesen Umweg nie. «Gerade auf so einem vielfältigen Betrieb wie dem unseren ist dies heute natürlich sehr hilfreich – da kann ich sehr viel selbst machen», sagt er. Die technische Grundausbildung gibt ihm nicht nur ein zweites berufliches Standbein, sondern hilft ihm auch beim Unterhalt und bei Reparaturen auf dem Hof.

Danach stellte sich für ihn die Frage, welche landwirtschaftliche Ausbildung am besten zum Betrieb passt. Gegen die klassische Ausbildung zum Landwirt sprach für ihn die starke Ausrichtung auf die Tierhaltung. «Mir bringt es nichts, etwas über Kühe zu lernen», sagt Michael Haab. Weil der Pflanzenbau auf dem elterlichen Betrieb eine zentrale Rolle spielt und der Gemüsebau bereits damals an Bedeutung gewann, entschied er sich für die Ausbildung zum Gemüsegärtner.

«Ich hatte einen tollen Lehrbetrieb und habe viel Freude am Beruf gefunden», erzählt er. Schon sein Vater hatte sich auf Gemüse spezialisiert und mit der Direktvermarktung begonnen. 2006 eröffnete die Familie den Hofladen, der im vergangenen Winter vergrössert und renoviert wurde.

«Man nimmt den Hof richtig auseinander.»
Michael Haab
Gemüsegärtnermeister

Gemeinsam bis zur Meisterprüfung

Michael Haab zeigte bereits während der Grundbildung, dass er beruflich vorwärtskommen wollte. Er nahm an den Berufsmeisterschaften SwissSkills teil und gewann den Wettbewerb der Gemüsegärtner. Nach dem EFZ hängte er direkt die Betriebsleiterschule und später die Meisterausbildung an.

Dass er diesen Weg nicht allein gehen musste, half bei der Entscheidung. In seiner Klasse waren ausschliesslich Personen, die bereits eine erste Berufsausbildung abgeschlossen hatten. Drei von ihnen motivierten sich gegenseitig, gemeinsam weiterzumachen. «So war ich ausserdem noch im Schulrhythmus drin», sagt Michael Haab.

Hinzu kam das klare Ziel, später den Familienbetrieb zu führen. Dafür wollte er insbesondere im betriebswirtschaftlichen Bereich besser gerüstet sein. Nach dem EFZ habe er zwar gewusst, wie eine Bilanz und eine Erfolgsrechnung aufgebaut sind. «Aber was man aus den Zahlen herauslesen kann und muss, ist auf dem EFZ-Niveau noch nicht so fundiert», erläutert er.

Gerade auf einem Betrieb mit so vielen verschiedenen Kulturen und Absatzwegen seien aussagekräftige Zahlen entscheidend. «Mit einem Betrieb, der so vielfältig ist, muss man die Zahlen einfach im Griff haben», sagt Michael Haab. Auch Fächer wie Personalwesen, Recht und Agrarpolitik hätten ihn interessiert und seien für seine heutige Tätigkeit wertvoll.

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Michael Haab zwischen verschiedenen Salatsorten: Schon sein Vater spezialisierte sich auf Gemüse und Beeren und begann 2006 mit der Direktvermarktung. (rho)

Im Sommer blieb wenig Zeit für die Schule

Die Weiterbildung absolvierte Michael Haab berufsbegleitend. Seit seinem Abschluss als Gemüsegärtner arbeitet er auf dem elterlichen Betrieb mit. Schule, Arbeit und saisonale Spitzen miteinander zu verbinden, sei nicht immer einfach gewesen.

«Das war manchmal die grösste Herausforderung – Zeit zu finden für die Schularbeit, insbesondere im Sommer», sagt er. Der Unterrichtsstoff selbst sei ihm meist relativ leichtgefallen. Schwieriger sei es gewesen, die umfangreichen schriftlichen Arbeiten neben dem Betriebsalltag fertigzustellen. «Das sind halt doch ein paar Seiten und eine reine Fleissarbeit», erzählt der Gemüsegärtnermeister.

Heute ist Michael Haab Betriebsleiter des Gemüsebaus und Chef des Marktstands. Er plant die Ernte, teilt das Personal ein, führt neue Mitarbeitende ein und steht meist selbst am Wochenmarkt. Seine Mutter ist hauptsächlich für den Hofladen und die Verarbeitung zuständig, sein Vater für den Ackerbau, den Pflanzenschutz und einen grossen Teil der Büroarbeit.

Bereits ein halbes Jahr nach seinem Einstieg gründete die Familie eine Generationengemeinschaft. Diese besteht inzwischen seit rund vier Jahren. Der schrittweise Übergang habe es ihm erleichtert, in die Verantwortung hineinzuwachsen. «So bin ich auch beteiligt und nicht nur angestellt», sagt Michael Haab.

Der Businessplan wurde zur Baugrundlage

Das Wissen aus der Weiterbildung setzt Haab heute in verschiedenen Bereichen ein. Im Gemüsebau habe er Arbeitsabläufe angepasst und effizienter gestaltet. Besonders hilfreich seien zudem seine vertieften Kenntnisse im Personalrecht und in der Buchführung.

Ein sehr konkretes Beispiel ist der Umbau des Hofladens. Während der Betriebsleiterschule analysierte Michael Haab im Rahmen einer Betriebsstudie den gesamten Hof und dessen Buchhaltung. Darauf aufbauend erstellte er in Vorbereitung hin zur Meisterprüfung eine Planerfolgsrechnung und prüfte drei unterschiedliche Investitionsvarianten.

Eine davon umfasste den Umbau des Hofladens und eine Erweiterung des Gemüsebaus. In einer zweiten Variante berechnete er den Ausbau der Folientunnel auf 50 bis 60 Aren. Als dritte Möglichkeit prüfte er einen neuen Stall für 6’000 Legehennen. Die 400 Hühner auf dem Betrieb produzierten regelmässig weniger Eier, als direkt verkauft werden könnten.

Zum Tragen kam schliesslich die Variante mit dem Hofladen. «Das war wertvoll beim Umbau im letzten Winter», sagt Michael Haab. Für den Businessplan musste er das Projekt vertieft ausarbeiten, Pläne erstellen und Offerten einholen. Damit blieb die Arbeit für die Meisterausbildung nicht bloss eine schulische Übung, sondern lieferte eine Grundlage für eine reale Investition auf dem Betrieb.

  • Im Hofladen gibt es eine grosse Auswahl an Produkten direkt vom Hof oder von Landwirtschaftsbetrieben in der Region. (rho)
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Den Betrieb einmal auseinandernehmen

Gerade darin liegt für Michael Haab der grosse Nutzen einer höheren Berufsbildung. Im arbeitsreichen Alltag fehle oft die Zeit, den gesamten Betrieb grundlegend zu analysieren. Während der Ausbildung werde man dazu gezwungen, genau hinzuschauen.

«Es ist sicher aufwändig, die ganzen Businesspläne zu schreiben, aber so schaut man den Betrieb einmal genau an», sagt er. «Man nimmt den Hof auseinander und findet vielleicht auch irgendeinen Punkt, der nicht optimal läuft, dem man aber vorher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat», ergänzt er.

Auch auf dem eigenen Betrieb seien bei der Analyse ineffiziente Stellen sichtbar geworden, die künftig verbessert werden könnten. Grundsätzlich sieht Michael Haab den Familienbetrieb mit seiner Kombination aus Gemüsebau, Ackerbau und Direktvermarktung jedoch gut aufgestellt. Die Ausrichtung passe zu den regionalen Bedingungen und zu den vorhandenen Absatzmöglichkeiten.

«Mit einem Betrieb, der so vielfältig ist, muss man die Zahlen einfach im Griff haben.»
Michael Haab
Gemüsegärtnermeister

Austausch auf einer anderen Ebene

Neben dem Fachwissen nimmt Michael Haab vor allem das Netzwerk aus der Weiterbildung mit. Der Zusammenhalt in der Klasse und der Austausch mit Berufskolleginnen und Berufskollegen hätten auch auf sozialer Ebene einen grossen Mehrwert gebracht.

In der Betriebsleiter- und Meisterausbildung treffe man Menschen, die bereits Berufs- und Lebenserfahrung mitbrächten und sich bewusst für eine Zukunft in der Branche entschieden hätten. «Man tauscht sich über ganz andere Dinge aus als noch während des EFZ», sagt Michael Haab.

Die Gespräche drehen sich nicht mehr nur um einzelne Kulturen oder Arbeitstechniken, sondern um Personalführung, Investitionen, Buchhaltung und die langfristige Ausrichtung eines Betriebs. Für Michael Haab ist deshalb klar, dass er die Weiterbildung weiterempfehlen würde: Sie schaffe fachliche Sicherheit, fördere den Austausch und helfe, die eigene Betriebsführung kritisch zu hinterfragen.

Sein Weg zeigt, wie Wissen auf einem vielfältigen Familienbetrieb Wirkung entfalten kann. Die technische Erstausbildung hilft ihm beim praktischen Arbeiten, die Ausbildung zum Gemüsegärtner liefert die fachliche Grundlage und die Meisterausbildung schärft seinen Blick für Zahlen, Mitarbeitende und strategische Entscheide.

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