Breites Nein-Komitee warnt vor Ernährungsinitiative

Am 27. September 2026 stimmt die Schweiz über die Ernährungsinitiative ab. Ein breit zusammengesetztes Nein-Komitee hat in Bern seinen Abstimmungskampf lanciert. Es befürchtet weitreichende Eingriffe in die landwirtschaftliche Produktion und den Lebensmittelkonsum.
Zuletzt aktualisiert am 18. Juni 2026
von Renate Hodel
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Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik, Ernährungswirtschaft, Gewerbe, Berggebieten und Gastronomie argumentieren gegen die Ernährungsinitiative. (rho).

Die Ernährungsinitiative verlangt unter anderem, dass die Schweiz ihren Netto-Selbstversorgungsgrad auf mindestens 70 Prozent erhöht. Gleichzeitig soll der Bund Rahmenbedingungen für eine ressourcenschonende, überwiegend pflanzliche Ernährung schaffen. Das Nein-Komitee argumentiert, dass diese Ziele nur mit starken Veränderungen bei Produktion, Angebot und Konsum erreicht werden könnten. Die Vorlage komme am 27. September 2026 zur Abstimmung.

An der Medienkonferenz äusserten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik, Ernährungswirtschaft, Gewerbe, Berggebieten und Gastronomie. Sie stellten die grundsätzlichen Anliegen einer nachhaltigeren Ernährung nicht infrage, kritisierten jedoch die geforderten Instrumente und die vorgesehene Umsetzungsfrist.

Sorgen um Landwirtschaft und Berggebiete

Bauernverbandspräsident Markus Ritter verwies auf die langfristigen Investitionen der Landwirtschaftsbetriebe. Ställe und andere Infrastrukturen würden über Jahrzehnte finanziert. Ein grundlegender Umbau des Ernährungssystems innerhalb von zehn Jahren könne deshalb zahlreiche Betriebe wirtschaftlich unter Druck setzen. «Wer Ernährungssicherheit will, muss die Menschen stärken, die täglich für unsere Ernährung sorgen», sagte Markus Ritter.

Die grüne Nationalrätin Christine Badertscher unterstützt nach eigenen Angaben grundsätzlich das Ziel, den Anteil pflanzlicher Lebensmittel zu erhöhen. Die Initiative sei dafür jedoch der falsche Weg. Insbesondere in den Hügel-, Berg- und Alpgebieten sei die Tierhaltung wichtig: Mehr als zwei Drittel der Schweizer Landwirtschaftsflächen könnten nicht für den Ackerbau genutzt werden. Kühe, Schafe und Ziegen machten das dort wachsende Gras für die menschliche Ernährung nutzbar und trügen gleichzeitig zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Befürchtete Folgen für Preise und Betriebe

Auch Vertreterinnen und Vertreter der Lebensmittelindustrie, des Gewerbes und der Gastronomie warnten vor zusätzlichen Vorschriften und höheren Kosten. Petra Gössi, Präsidentin der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittelindustrien, befürchtet neue Regulierungen und handelspolitische Unsicherheiten. Nachhaltige Veränderungen sollten nach ihrer Auffassung stärker über Innovation, Forschung und unternehmerische Initiative vorangetrieben werden.

GastroSuisse-Präsident Beat Imhof stellte mögliche Auswirkungen auf Restaurants und deren Gäste ins Zentrum. Viele Gastronomiebetriebe setzten bereits auf regionale und saisonale Produkte sowie ein breiteres pflanzliches Angebot. Eine politisch verordnete Verschiebung des Angebots könnte nach Ansicht des Verbands jedoch die Auswahl verkleinern und die Preise erhöhen.

SP-Ständerätin Franziska Roth warnte zudem vor sozialen Folgen. Steigende Lebensmittelpreise würden Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen besonders stark belasten. «Eine nachhaltige Ernährung darf nicht zum Privileg für Gutverdienende werden», sagte sie.

Das Nein-Komitee will im Abstimmungskampf vor allem auf mögliche Zielkonflikte zwischen Selbstversorgung, Konsumfreiheit, Tierhaltung, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit aufmerksam machen. Die Befürworterinnen und Befürworter der Initiative versprechen sich davon hingegen ein nachhaltigeres Ernährungssystem und eine stärkere Nutzung pflanzlicher Lebensmittel.