Müscheli-Pastetli aus der Reuss und Krebsdelikatessen aus dem Katzensee
Um eine Spaghetti Vongole zu geniessen, braucht niemand mehr nach Italien zu reisen. Innovative Gastronominnen und Ga...
Für den Schweizer Käse war es ein Jahr, das sich kaum in eine einfache Bilanz pressen lässt. Insbesondere in einer Welt, in der sich Gewissheiten immer schneller verschieben. US-Zölle, Seuchenfragen, PFAS, geopolitische Spannungen, Milchmengen – die Liste der Unsicherheiten ist lang, so Lorenz Hirt, Verwaltungsratspräsident der Switzerland Cheese Marketing AG (SCM) an der diesjährigen Generalversammlung im Kursaal Bern.
Ob da Tradition wohl überhaupt noch gefragt sei, gab Lorenz Hirt zu bedenken. Gerade in einer Zeit, in der Verlässlichkeit schwinde und viele Entwicklungen kaum planbar seien, könne Tradition Halt geben, so der SCM-Verwaltungsratspräsident: «Was bei anderen Trend ist, heisst bei uns Tradition.»
Ein Thema, das die Branche aktuell stark beschäftigt, ist die Milchmenge. Lorenz Hirt sprach von einem regelrechten «Milchsee». Der Frühling sei gut angelaufen, die Futterbasis vielversprechend, die Mengen lägen trotz verschiedener Massnahmen weiterhin auf hohem Niveau. Für Verarbeitung und Regulierung bedeutet das: Die Kapazitäten laufen am Limit.
Das zeigt sich auch bei den Exporten. In den ersten vier Monaten 2026 legten die Schweizer Käseexporte mengenmässig um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Lorenz Hirt warnte jedoch davor, dieses Plus zu euphorisch zu interpretieren: Ein grosser Teil davon entfalle auf Regulierexporte von fettärmeren Halb- und Frischkäsen. Diese erfüllten zwar ihren Zweck, würden aber nicht dauerhaft bleiben.
Gleichzeitig gibt es positive Signale bei traditionellen Sorten. Schweizer Raclettekäse legte von Januar bis April 2026 um 7,8 Prozent zu, Gruyère AOP um 2,8 Prozent. Auch Sorten wie Sbrinz AOP zeigten erfreuliche Entwicklungen. Licht und Schatten lägen derzeit nahe beieinander, machte Lorenz Hirt deutlich.
Auch SCM-CEO David Escher zeigte in seinem Jahresbericht, dass die Lage differenziert betrachtet werden muss. 2025 stiegen die Schweizer Käseexporte insgesamt auf rund 81’000 Tonnen, was einem Plus von 2,2 Prozent entspricht. Doch die Wertentwicklung verlief in die andere Richtung: Der Exportwert sank um 2,2 Prozent auf 732,6 Millionen Franken, der durchschnittliche Exportpreis ging auf knapp 9 Franken pro Kilogramm zurück.
Der Grund: Das Mengenwachstum wurde vor allem von günstigeren Käsekategorien getragen. Höher valorisierte Produkte standen stärker unter Druck. «Wir haben mehr exportiert, aber nicht mit dem gleichen Wertniveau», hielt David Escher sinn gemäss fest.
Besonders wichtig bleibt Europa, denn rund 85 Prozent der Schweizer Käseexporte gingen 2025 in europäische Märkte. Ausserhalb Europas gingen die Ausfuhren hingegen zurück – nicht zuletzt wegen der unsicheren Zollentwicklung in den USA. Lorenz Hirt erinnerte daran, dass die Schweiz von einer US-Sektoruntersuchung betroffen sei, die auch über den Sommer hinaus neue Strafzölle ermöglichen könnte. Für eine exportorientierte Branche ist das ein Unsicherheitsfaktor.
An der Generalversammlung wurden alle traktandierten Geschäfte genehmigt. Begrüsst wurde Gisela Chopard, die seit dem 1. Mai 2026 neue Finanzchefin und Mitglied der Geschäftsleitung von SCM ist. Sie folgt auf Bernard Wildeisen, der nach mehr als 20 Jahren bei SCM in den Ruhestand verabschiedet wurde.
David Escher machte in seinen Ausführungen deutlich, dass Schweizer Käse im Ausland nicht nur sichtbar sein muss – er muss auch seinen Wert erklären. Auf den Exportmärkten steht er in Konkurrenz zu Produkten, die oft deutlich günstiger angeboten werden. Entscheidend sei deshalb, Konsumentinnen und Konsumenten verständlich zu machen, weshalb Schweizer Käse seinen Preis wert ist: Wegen Qualität, Herkunft, Produktionsweise, Handwerk und Nachhaltigkeitsbemühungen.
Das stellt auch das Marketing vor Herausforderungen. Internationale Mitbewerber verfügen auf wichtigen Märkten über deutlich grössere Werbebudgets. SCM müsse deshalb gezielt, kreativ und wiedererkennbar auftreten.
Auf dem Schweizer Markt bleibt der Importdruck hoch. Besonders stark ist er bei Frischkäse sowie in der Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Ein grosser Teil der importierten Käse gelangt nicht direkt in die Verkaufsgestelle, sondern wird in verarbeiteten Produkten oder in der Gastronomie eingesetzt.
Tatsächlich ist seit dem Jahr 2000 der Käsekonsum in der Schweiz um rund 55 Prozent gestiegen. Die Produktion von Schweizer Käse nahm im gleichen Zeitraum jedoch nur um 28 Prozent zu.
Trotzdem gibt es positive Signale im Detailhandel. Dort konnten die Mengen von Schweizer Käse 2025 zulegen. Laut SCM stiegen sie von 66,7 auf 70,3 Millionen Kilogramm. Der Importanteil im Schweizer Detailhandel ist nur leicht, aber kontinuierlich rückläufig. Für David Escher ist das ein Hinweis darauf, dass Schweizer Käse bei Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin Vertrauen geniesst und seine Marktposition im Heimmarkt stärken kann.
Ein Höhepunkt des vergangenen Jahres waren die World Cheese Awards 2025 in Bern. Während einiger Tage wurde die Schweiz zur internationalen Käsehauptstadt. Rund 950 Schweizer Käse standen im Wettbewerb, mehr als 10’000 Besucherinnen und Besucher kamen in die Berner Festhalle, über 200 Medienschaffende waren akkreditiert. Dass am Ende ein Schweizer Käse gewann, verstärkte die Strahlkraft zusätzlich.
Für die Branche war der Anlass mehr als ein Wettbewerb. Er zeigte die Vielfalt, Qualität und Ausstrahlung des Schweizer Käses – im Inland wie im Ausland. David Escher sprach von einem Ereignis, dessen Wirkung weit über den November 2025 hinausreiche.
Der nächste grosse Anlass steht bereits bevor: Vom 6. bis 11. Oktober 2026 finden in Fribourg die Swiss Cheese Awards statt. Sie sollen erneut zeigen, wie breit und hochwertig die Schweizer Käselandschaft ist – gegenüber einer Fachjury ebenso wie gegenüber einem breiten Publikum.
Neben Marktfragen belasten auch politische und regulatorische Themen die Branche. Lorenz Hirt nannte unter anderem die Kürzungen bei der Absatzförderung, deren genaues Ausmass noch von den Budgetentscheiden abhängt. Für SCM könnten die Einschnitte spürbar werden. Der Verwaltungsratspräsident kündigte an, dass sich die Organisation darauf vorbereite und Reserven einsetzen wolle, um kurzfristige Brüche abzufedern.
Auch die PFAS-Thematik beschäftigt die Branche. Noch gelten die diskutierten Höchstwerte nicht für Milchprodukte, doch Lorenz Hirt machte deutlich, dass die Frage für die Verarbeitung weitreichende Konsequenzen haben könnte. Übergangsregeln und Vermischungsmöglichkeiten mögen auf den ersten Blick pragmatisch wirken, könnten in der Praxis aber zu erheblichen Problemen führen – etwa, wenn Produkte nur im Inland verkauft werden dürften oder entsprechend gekennzeichnet werden müssten.
Für die kommenden Monate bleibt die Lage anspruchsvoll. Lorenz Hirt betonte zum Abschluss jedoch noch einmal, dass man auf starke Grundlagen bauen könne: Schweizer Käse ist gefragt – im Inland wie im Ausland. Damit das so bleibt, braucht es Sichtbarkeit, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, den Wert von Schweizer Käse immer wieder neu zu vermitteln. Tradition allein reicht wohl nicht. Aber sie ist ein starkes Fundament.
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