Schweiz vs. Finnland: Schweineproduktion im Ländervergleich – mehr Effizienz oder mehr Tierwohl?
Finnland hatte im Final der Eishockeyweltmeisterschaft gegen die Schweiz die Nase vorn. Doch wie sieht es aus, wenn n...
Es ist warm Anfang Juni im Südwesten Finnlands und der Boden eher trocken. Über den Feldern von Ilmari Hunsa in Nousiainen ziehen zwar doch einige Quellwolken auf, laut dem Getreidebauer gab es aber schon seit einiger Zeit keinen Niederschlag mehr und Regen wäre sehr willkommen.
Ilmari Hunsa bewirtschaftet rund 240 Hektaren Ackerland und 100 Hektaren Wald. Als er den Familienbetrieb 2014 übernahm, waren es noch etwa 150 Hektaren. Seither hat er nicht nur die Fläche vergrössert, sondern auch die Fruchtfolge erweitert und neue Anbaumethoden eingeführt. Auf seinen Feldern wachsen unter anderem Zuckerrüben, Koriander, Kümmel, Roggen, Ölsaaten, Winterweizen, Hafer und Erbsen.
«Ich habe eine etwas spezielle Denkweise», sagt Ilmari Hunsa über seinen Betrieb. Seit 2017 arbeitet er mit Strip-Till, einer streifenweisen Bodenbearbeitung. Statt den ganzen Acker zu pflügen, wird nur dort gelockert, wo später gesät wird. Zwischenfrüchte sollen den Boden über den Winter bedecken, Stickstoff binden und die Bodenstruktur verbessern.
Etwa die Hälfte seiner Kulturen wird im Herbst, die andere Hälfte im Frühling gesät. Das verteilt das Risiko – denn die grösste Herausforderung liege hier nicht allein bei Dünger, Pflanzenschutz oder Marktpreisen. «Wir sind im Norden – meine grösste Herausforderung ist, dass die Winterkulturen die kalten Temperaturen überstehen», sagt Ilmari Hunsa.
Finnland gilt als das nördlichste Agrarland der Welt. Im Süden dauert die Vegetationsperiode ungefähr 160 bis 190 Tage, im Norden teilweise nur 110 bis 150 Tage. Späte und frühe Nachtfröste können die Saison zusätzlich verkürzen. Die langen Sommertage gleichen den Wärmemangel nur teilweise aus.
Für den Ackerbau bedeutet das: Die Zeitfenster sind eng. Die Aussaat muss rasch erfolgen, die Kulturen müssen frühreif sein und die Ernte wird oft unter feuchten Bedingungen eingebracht. Dafür hat die Kälte auch Vorteile. Viele Schädlinge und Pflanzenkrankheiten überleben den Winter schlechter als in wärmeren Regionen.
Finnland hatte im Final der Eishockeyweltmeisterschaft in Zürich die Nase vorn. Nach 70 Minuten und 42 Sekunden platzte der Schweizer Traum vom Heimtitel und es blieb erneut nur Silber zuhause vorbei. Doch wie sieht es aus, wenn nicht Tore zählen, sondern Tiere, Felder, Wälder, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit?
Eine Reise mit dem europäischen Netzwerk der Agrarjournalistinnen und Agrarjournalisten ENAJ nach Südwestfinnland zeigt: Der Vergleich zwischen der Schweiz und Finnland ist kein einfaches Kräftemessen. Die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich – und gerade deshalb spannend. Finnland hat viel Fläche, viel Wald, lange Winter, dünnere Besiedlung und grössere Distanzen. Die Schweiz hat wenig Fläche, hohe Bevölkerungsdichte, starke Berg- und Graslandwirtschaft, hohe Preise, Grenzschutz und eine sehr direkte Nähe zwischen Landwirtschaft, Konsum und Politik.
In der Miniserie «Schweiz vs. Finnland» vergleichen wir vier Bereiche der Landwirtschaft: Fleischproduktion, Milchviehhaltung, Ackerbau und Waldwirtschaft.
Die Landwirtschaft prägt Finnland flächenmässig weit weniger, als die Grösse des Landes vermuten lässt. Der überwiegende Teil der Landesfläche besteht aus Wald oder Wasser; nur ein kleiner Anteil wird landwirtschaftlich genutzt. Insgesamt verfügt Finnland dennoch über rund 2,2 Millionen Hektaren Ackerfläche – erheblich mehr als die Schweiz.
Der Ackerbau ist zudem für sehr viele finnische Betriebe der zentrale Produktionszweig. Von den knapp 41’000 Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben im Jahr 2024 waren rund 12’700 auf Getreide und weitere gut 17’100 auf andere pflanzliche Produktion spezialisiert. Zusammengenommen entfallen damit fast drei Viertel der Betriebe auf Pflanzenbaukategorien.
In der Schweiz ist das Verhältnis anders. Rund 38 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche gelten als Ackerland, während Naturwiesen mit 58 Prozent dominieren. Mehr als die Hälfte der Schweizer Ackerfläche wird zudem für die Produktion von Futtermitteln genutzt. Das passt zum Grasland- und Tierhaltungsland Schweiz, verschärft aber die Konkurrenz um jene Böden, auf denen Lebensmittel direkt für Menschen wachsen könnten.
Beim Produktionsvolumen hat Finnland einen deutlichen Heimvorteil. Getreide prägt den finnischen Ackerbau, insbesondere Gerste und Hafer. Die gesamte Getreidefläche umfasst rund eine Million Hektaren. Finnland produziert dadurch mehrere Millionen Tonnen Getreide pro Jahr und ist bei einzelnen Kulturen exportfähig.
Die Schweiz bewirtschaftet insgesamt nur rund 400’000 Hektaren Ackerfläche. Dennoch erreicht sie bei wichtigen Kulturen hohe Flächenerträge. Die wärmere Vegetationsperiode, die guten Böden des Mittellands und eine intensive Bewirtschaftung ermöglichen bei Brotweizen, Gerste, Raps, Kartoffeln oder Zuckerrüben meist höhere Hektarerträge als im hohen Norden.
Auch auf Ilmari Hunsas Betrieb zeigt sich die Ertragsgrenze des finnischen Standorts. In einem guten Jahr erntet er beim Winterweizen rund 6,5 Tonnen pro Hektare, beim Roggen etwa 4,5 Tonnen. Kümmel liefert ungefähr eine Tonne, Koriander rund 700 Kilogramm pro Hektare. Für die Region seien Getreideerträge zwischen fünf und sechs Tonnen realistisch, erklärt er.
Die Produktionsbedingungen im Norden sind anspruchsvoll. Die Vegetationszeit ist kurz, die Kosten sind hoch und die Landwirtschaft ist stark auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Direktzahlungen und öffentliche Unterstützung sind in Finnland strukturell zentral: Die Agrarsubventionen machen etwa 30 Prozent der durchschnittlichen landwirtschaftlichen Produktion aus. In einigen Regionen und Produktionszweigen liegt dieser Anteil deutlich höher. Ohne Subventionen wäre das derzeitige Produktionsniveau wirtschaftlich nicht tragfähig. Die jährlichen Agrarbeihilfen – EU-Mittel und nationale Mittel zusammen – belaufen sich auf etwa 1,9 bis 2 Milliarden Euro.
Tero Hemmilä, Präsident des finnischen Bauernverbandes MTK, sprach in Turku denn auch offen von einem Ungleichgewicht in der Wertschöpfungskette. Die Zahl der Betriebe sei seit dem EU-Beitritt 1995 von rund 80’000 auf unter 40’000 gesunken, gleichzeitig produziere Finnland weiterhin gleich viel Lebensmittel. Die Produktivität sei enorm gestiegen, doch der Gewinn bleibe nicht ausreichend bei den Bäuerinnen und Bauern hängen. Zwei grosse Detailhändler kontrollierten rund 80 Prozent des Konsumentenmarktes, so Tero Hemmilä.
Trotz kurzer Vegetationszeit, kühlem Klima und grossen jährlichen Wetterschwankungen deckt die finnische Landwirtschaft einen grossen Teil der inländischen Lebensmittelversorgung ab. Lange Sommertage helfen dabei, die tiefen Temperaturen teilweise auszugleichen.
Rund 2,3 Millionen Hektaren werden landwirtschaftlich genutzt – das entspricht etwa 8 Prozent der Landesfläche. Die durchschnittliche Betriebsgrösse lag 2024 bei 55 Hektaren – Tendenz steigend. Wie in vielen europäischen Ländern nimmt die Zahl der Betriebe ab, während die verbleibenden Betriebe grösser werden. Familienbetriebe prägen die Landwirtschaft aber weiterhin stark.
Im Pflanzenbau dominieren Kulturen, die mit kühlen Bedingungen und kurzen Saisons zurechtkommen. Dazu gehören vor allem Gerste, Hafer, Weizen, Roggen und Futtergräser. Etwa die Hälfte des Ackerlands dient der Futterproduktion. Eine zentrale Rolle spielt die Tierhaltung, insbesondere die Milchproduktion: Finnland produziert jährlich rund 2,3 Milliarden Liter Milch. Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh gehört mit rund 11’170 Kilogramm zu den höchsten Europas.
Finnland betont international besonders seine Standards bei Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit. Dazu gehören ein sehr tiefer Antibiotikaeinsatz, nationale Programme zur Krankheitsprävention sowie Verbote beziehungsweise der Verzicht auf Praktiken wie routinemässiges Schwanzkupieren bei Schweinen oder Schnabelkürzen bei Geflügel.
Zum Vergleich: Auf guten Schweizer Ackerbaustandorten sind bei Weizen sieben Tonnen und mehr möglich. Bei Kartoffeln und Zuckerrüben ist der Vorsprung pro Hektare ebenfalls beträchtlich. Die Schweiz holt aus der knappen Fläche viel heraus – Finnland kompensiert tiefere Erträge mit grösseren Flächen.
Doch Fläche ist auch in Finnland nicht kostenlos. Im Raum Nousiainen kostet gutes Ackerland laut Hunsa etwa 15’000 Euro pro Hektare, die Pacht häufig 400 bis 600 Euro pro Jahr. Viele aktive Betriebe suchen zusätzliche Flächen, wodurch die Preise steigen. Auch die Parzellen liegen nicht immer unmittelbar beim Hof. Lange Wege verursachen zusätzliche Kosten, obwohl die Bevölkerungsdichte tief ist.
Ilmari Hunsas Fruchtfolge ist für Finnland vergleichsweise vielfältig. Kümmel spielt darin eine besondere Rolle. Die mehrjährige Pflanze bildet tiefe Wurzeln, lockert den schweren Tonboden und kann nach einmaliger Aussaat zwei oder drei Ernten liefern. Nach Kümmel sei beim folgenden Roggen teilweise eine Tonne Mehrertrag pro Hektare möglich, sagt Ilmari Hunsa.
Wirtschaftlich gehört Kümmel gemäss finnischen Betriebsberechnungen hinter den Zuckerrüben zu den interessanteren Kulturen. Der Ertrag pro Hektare ist zwar klein, dafür sind die Produktionskosten vergleichsweise tief und die Kultur lässt sich mehrjährig nutzen.
Was auf Ilmari Hunsas Acker wächst, geht weit über Finnland hinaus: So lassen Trans Farm Oy und Caraway Finland Oy auf Vertragsbasis von Landwirtinnen und Landwirten Spezialkulturen wie Kümmel, Koriander und Ölhanf anbauen und exportieren diese. Trans Farm und Caraway Finland arbeiten mit rund 1’500 Vertragsproduzenten zusammen. Auf etwa 22’000 Hektaren wird Kümmel angebaut – eine grössere Fläche als jene des finnischen Roggens. Mehr als 99 Prozent der Produktion werden exportiert. Finnischer Kümmel wird in über 50 Länder verkauft und erreicht gemäss Unternehmensangaben einen Anteil von mehr als 25 Prozent am Weltmarkt.
Auch Koriander und Ölhanf gewinnen an Bedeutung. Ölhanf wächst auf rund 3’500 Hektaren, Koriander hat sich innert weniger Jahre von einer kleinen Nische zu einer Kultur mit mehreren Tausend Hektaren entwickelt. Für finnische Getreidebetriebe bieten solche Spezialkulturen eine Chance, die Fruchtfolge zu erweitern und sich teilweise von den tiefen Preisen an den globalen Getreidemärkten zu lösen.
Eine aktuelle finnische Untersuchung bestätigt, dass sich die Landnutzung in Finnland zunehmend diversifiziert. Der Wandel wird allerdings nicht von allen Betrieben gleich getragen. Vor allem grössere, aktive und investitionsbereite Betriebe nehmen neue Kulturen auf. Diversifizierung entsteht damit nicht automatisch, sondern braucht Wissen, Märkte, Abnehmer und die Bereitschaft, Risiken einzugehen.
Die Schweiz kennt eine ähnliche Suche nach Alternativen. Neben Getreide, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben werden vermehrt Eiweisspflanzen, Soja, Sonnenblumen, Körnerleguminosen oder Nischenkulturen angebaut. Die Absatzmöglichkeiten bleiben jedoch entscheidend. Eine neue Kultur ist nur dann wirtschaftlich, wenn Verarbeitung, Logistik und Markt vorhanden sind.
Wie stark die nördlichen Bedingungen den Ackerbau prägen, zeigt sich wenige Kilometer entfernt auf der Paappala Farm in Lieto. Der Betrieb bewirtschaftete zeitweise mehr als 500 Hektaren Ackerland – heute hat Timo Laaksonen die Fläche aber reduziert. Der Grund sei nicht mangelnde Arbeit, sondern die schwache Rentabilität zusätzlicher Pachtflächen.
Auf dem Betrieb stehen mehrere Getreidetrockner. Sie sind keine Komforteinrichtung, sondern Voraussetzung für die Produktion. Finnisches Getreide wird oft mit über 20 Prozent Feuchtigkeit geerntet, in ungünstigen Jahren können es 30 Prozent und mehr sein. Ohne sofortiges Trocknen wäre die Ernte kaum lagerfähig.
Die jüngste Anlage besteht aus zwei Trocknungseinheiten mit je knapp 59 Kubikmetern Fassungsvermögen. Eine Trocknungsrunde dauert je nach Feuchtigkeit fünf bis zehn Stunden. Während eine Einheit kühlt, kann die zweite bereits wieder mit Wärme versorgt werden.
Früher benötigte der Betrieb für die Trocknung bis zu 150’000 Liter Heizöl pro Jahr. Heute liefert ein 800-Kilowatt-Ofen einen grossen Teil der Energie aus Holzhackschnitzeln. Diese stammen aus dem eigenen, rund 400 Hektaren grossen Wald. Der Ölverbrauch sank dadurch auf ungefähr einen Drittel.
Die Investition samt Hackschnitzellager kostete rund 1,2 Millionen Euro. Bei Einsparungen von annähernd einem Euro pro ersetztem Liter Heizöl kann sich die Anlage dennoch rechnen. Gleichzeitig verbindet sie zwei für Finnland typische Betriebszweige: Ackerbau und Waldwirtschaft.
In der Schweiz muss Getreide ebenfalls getrocknet werden, doch meist nicht in demselben Umfang. Sonnigere Erntefenster und häufig tiefere Kornfeuchten reduzieren den Energiebedarf.
Noch deutlicher wird das Rennen gegen die Jahreszeit auf der Nulto Farm im Schärengebiet bei Parainen. Roger Lindroos begann 1987 als 19-Jähriger praktisch ohne Maschinen und Land. Heute bewirtschaftet sein Betrieb mit Pachtflächen rund 530 Hektaren. Neben Getreide, Erbsen, Ackerbohnen und Ölsaaten sind Frühkartoffeln das eigentliche Aushängeschild.
Roger Lindroos setzt die Kartoffeln bereits im März. Folien und Vliese erwärmen den Boden, bei Frost wird bewässert. Gefriert das Wasser, wird Wärme frei, die das empfindliche Kraut vor tieferen Temperaturen schützt. Die ersten Kartoffeln konnten bereits Ende Mai geerntet werden.
Der frühe Zeitpunkt bringt einen hohen Preis, aber nur kleine Erträge. Zu Saisonbeginn liegen sie bei etwa zehn bis fünfzehn Tonnen pro Hektare. Danach wachsen die Knollen rasch – laut Roger Lindroos teilweise um zehn Prozent pro Tag –, während der Preis ebenso rasch fällt.
«Wasser ist das Herz meines Betriebs», sagt er. Die sandigen Böden und ein ergiebiger Grundwasservorrat ermöglichen den frühen Anbau. Ohne Bewässerung seien Frühkartoffeln kaum denkbar. Für Roger Lindroos ist klar, dass Wasser künftig auch in Finnland zu einer entscheidenden Frage wird.
So unterschiedlich die natürlichen Bedingungen sind, die wirtschaftlichen Sorgen ähneln sich. Finnische Ackerbauern produzieren im EU-Binnenmarkt. Getreidepreise orientieren sich am internationalen Markt, während Dünger, Maschinen, Energie und Pacht teuer sind. Tero Hemmilä, Präsident des finnischen Bauernverbandes MTK, beschreibt eine Landwirtschaft, deren Produktivität seit dem EU-Beitritt massiv gestiegen ist, ohne dass diese Entwicklung bei den Einkommen der Bauern angekommen sei.
Seit 1995 hat sich die Zahl der finnischen Betriebe ungefähr halbiert. Die verbliebenen Betriebe produzieren weiterhin ähnlich viel, sind aber grösser, technischer und kapitalintensiver geworden. Gleichzeitig sei die Verhandlungsmacht der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette schwach. Zwei grosse Detailhandelsunternehmen kontrollieren rund 80 Prozent des finnischen Lebensmittelmarktes.
Die Schweizer Ackerbauern arbeiten ebenfalls in einem Hochkostenland, werden aber durch Grenzschutz, Direktzahlungen, Einzelkulturbeiträge und die Getreidezulage stärker vom Weltmarkt abgeschirmt. Produzentenpreise liegen über dem EU-Niveau. Dafür sind Boden, Arbeit, Maschinen und Baukosten hoch, die Flächen klein und die politischen sowie ökologischen Auflagen umfangreich.
Auch hier sinkt die Zahl der Betriebe, während die durchschnittliche Betriebsfläche wächst. 2024 bewirtschaftete ein Schweizer Landwirtschaftsbetrieb im Durchschnitt 22,1 Hektaren. In Finnland sind 100 Hektaren und mehr im professionellen Ackerbau deutlich verbreiteter – acht Prozent aller Betriebe verfügen inzwischen über mindestens 150 Hektaren.
Der Grössenvorteil bedeutet jedoch nicht automatisch bessere Einkommen. Paappala-Bauer Timo Laaksonen hat seine Ackerfläche bewusst verkleinert, weil sich zusätzliche Pachtflächen für ihn nicht mehr rechneten. Auch Ilmari Hunsa setzt nicht allein auf mehr Fläche, sondern auf Präzision, vielfältige Kulturen und feste Abnahmeverträge.
Wer hat nun im Ackerbau die Nase vorn? Finnland punktet bei der verfügbaren Ackerfläche, den grossen Betriebsstrukturen und der Gesamtproduktion von Getreide. Besonders stark ist das Land bei Hafer sowie in einzelnen Exportnischen wie Kümmel. Die Betriebe zeigen, wie sich nördliche Landwirtschaft mit Technik, grossen Maschinen, leistungsfähiger Trocknung und geschickter Kombination von Acker und Wald behaupten kann.
Die Schweiz erzielt dagegen auf deutlich weniger Fläche hohe Erträge und eine hohe Wertschöpfung. Das mildere Klima ermöglicht ein breiteres Kulturspektrum, längere Vegetationsperioden und tiefere Trocknungskosten. Grenzschutz und agrarpolitische Instrumente stabilisieren die Preise stärker als im finnischen EU-Markt.
Doch der Schweizer Vorsprung hat Grenzen. Die Ackerfläche ist knapp, nimmt langfristig unter dem Druck von Siedlungen und Infrastruktur ab und muss gleichzeitig Lebensmittel, Futtermittel, Biodiversität und nachwachsende Rohstoffe hervorbringen. Mehr als die Hälfte wird derzeit für Futtermittel genutzt. Finnland hat mehr Spielraum – kämpft aber mit einer kurzen Saison, tieferen Erträgen und hohen Kosten.
Beim reinen Output gewinnt Finnland. Bei Ertrag und Wertschöpfung pro Hektare liegt die Schweiz vorn. Bei Innovation gibt es ein Unentschieden: Finnland überzeugt mit Technik, Spezialkulturen und Exportnischen, die Schweiz mit intensiver Nutzung knapper Böden und einem vielfältigen Anbau auf engem Raum.
Das Gesamturteil lautet deshalb: Finnland gewinnt das Flächenspiel, die Schweiz die Flächeneffizienz. Einen klaren Sieger gibt es nicht. Vielleicht passt gerade das zum Ackerbau. Denn anders als im Eishockey entscheidet nicht ein Treffer in der Verlängerung. Entscheidend ist, was nach einem ganzen Jahr Arbeit tatsächlich geerntet wird.
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