Mollet übernimmt Proviande – Zemp zieht positive Bilanz mit Schatten auf dem Schweinemarkt

Der Schweizer Fleischmarkt ist gewachsen, die Produzentenpreise sind 2025 gestiegen, und Proviande hat seine Bundesaufträge gesichert. Doch im Schweinemarkt sorgt die Überproduktion für einen Preiszerfall. An der Generalversammlung in Vicques übergab Präsident Markus Zemp eine gut aufgestellte Proviande an seinen Nachfolger Heinz Mollet, auf den jedoch einige Herausforderungen warten.
Zuletzt aktualisiert am 26. Juni 2026
von Jonas Ingold
4 Minuten Lesedauer
Heinz Mollet Proviande

Der Schweizer Fleischmarkt hat sich 2025 erneut positiv entwickelt. Das Fleischangebot pro Kopf stieg um 2,5 Prozent auf 51,16 kg. Besonders gefragt waren Geflügel (+4,0%) und Rindfleisch (+3,2%). Da gleichzeitig die Bevölkerung wuchs, musste die höhere Nachfrage über Importe gedeckt werden, so Proviande-Präsident Markus Zemp an der Generalversammlung in Vicques JU.  Der Inlandanteil sank aus diesem Grund von 79,6 auf 77,3 Prozent.

Die Produzentenpreise waren 2025 auf einem guten Niveau. «Die Fleischbranche hat damit für die Schweizer Landwirtschaft einen markanten Mehrwert generiert Die Zahlen der ersten 6 Monate dieses Jahres zeigen, mit Ausnahme des Schweinemarktes, dass diese Entwicklung weiter geht», konnte Zemp zurückblicken.

«Schweinemarkt Opfer des eigenen Erfolges»

Einen Wermutstropfen bildet der angetönte Schweinemarkt: Die zu hohe Produktion drückt stark auf die Preise, der Inlandmarkt muss mit verlustreichen Massnahmen entlastet werden. Zemp anerkannte die Qualität der Schweizer Produzenten, sah darin aber auch ein Problem: «Die Produzenten haben die Fleischqualität, ihr Management und die Tierhaltung auf ein sehr hohes Niveau gesteigert und werden nun Opfer ihres Erfolges.» Zemp begrüsste die grossen Anstrengungen der Schweinebranche, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu kriegen. Aber: «Aufrufe zur solidarischen Reduktion der Produktion helfen nicht weiter. Es braucht konkrete Massnahmen.»

Ersatzwahlen und Verabschiedung von Markus Zemp

An der GV wurden neben der Wahl des neuen Präsidenten Ersatzwahlen in den Verwaltungsrat durchgeführt. Neu gewählt wurden:

Präsident:

Heinz Mollet als Nachfolger von Markus Zemp

VR Produzenten:

Yves Nicolet, Schweizer Rindviehproduzenten (Nachfolger von Bernard Nicod)

Ralf Bucher, Schweizer Bauernverband (Nachfolger von Michel Darbellay)

Hugo Abt, Schweizer Rindviehproduzenten (stv. Mitglied, Nachfolger von Christophe Noël)

VR Verwerter- und Vermittlerorganisationen:

Stefan Schoch, Schweizer Fleisch-Fachverband (stv. Mitglied, Nachfolger von Christoph Egger)

Da die Amtsperiode an der GV 2027 endet, gelten die Wahlen bis zu dem kommenden Gesamterneuerungswahlen.

Zum neuen Vizepräsidenten gewählt wurde Jürg Spiess. Das Vizepräsidium dauert jeweils ein Jahr. Eine der Aufgaben des Vizepräsidenten ist es jeweils, die GV in seinem Heimatkanton durchzuführen. So holte Darbellay dieses Jahr die GV in den Kanton Jura nach Vicques (Gemeinde Val Tarbi). Auch beruflich bleibt Darbellay künftig im Kanton Jura. Er übernimmt ab September die Leitung des kantonalen Amtes für Landwirtschaft, weshalb nicht nur seine Zeit als Vizepräsident, sondern auch als Verwaltungsrat bei Proviande endete.

Mit der Vianco AG wurde zudem ein neuer Genossenschafter in die Proviande aufgenommen.

Markus Zemp verabschiedet

Das lange Wirken für Proviande mit zwei Amtszeiten als Präsident sei Ausdruck für die Fähigkeiten von Zemp und sein Können, auch in anspruchsvollen Zeiten die Übersicht zu behalten, so Vizepräsident Michel Darbellay. Zemp sei es in schwierigen Zeiten gelungen, die Branche zu einen und Kompromisse zu erreichen. Wer Markus Zemp würdige, würdige nicht einfach einen Präsidenten, sondern eine Persönlichkeit, welche die Schweizer Fleischwirtschaft jahrzehntelang geprägt habe, so Verwaltungsrat Reto Sutter.

In einer Videobotschaft würdigte auch Bundespräsident Guy Parmelin die Arbeit Zemps. Er schloss mit den Worten: «Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.»

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Markus Zemp blickt auf eine lange Laufbahn in der Fleischwirtschaft zurück. Aber nicht nur dort: Er war Nationalrat, Präsident von Braunvieh Schweiz, der Branchenorganisation Milch und des Schweizer Brauereiverbandes. (lid)

Bundesaufträge gesichert, aber Sparpaket unumgänglich

Proviande konnte sich nach einer WTO-Ausschreibung die alle Leistungsaufträge des Bundes sichern. Damit sei das Kerngeschäft von Proviande für weitere vier Jahre gesichert, so Zemp. 2025 wurden aber wegen Sparmassnahmen des Bundes die Leistungsaufträge um 5,9% tiefer entschädigt. Zudem wurde das DNA-Tracking eingestellt, da die Falschdeklarationen gegen Null tendierten. «Für Proviande bedeutete dies deutlich Mindereinnahmen. «Ein umfassendes Sparprogramm und Anpassungen bei der Finanzierung waren unumgänglich», so Zemp. Kürzungen beim Verwaltungsrat, Stellenabbau, eine Verkleinerung der Geschäftsleitung und eine leichte Erhöhung der Produzentenbeiträge sowie die Einführung eines Importrappens konnte laut Zemp die längerfristige Finanzierung sichergestellt werden.

Erfreut zeigte sich Zemp über Entscheide des Parlamentes: «Erfolgreich ist es uns gelungen, in enger Abstimmung mit unseren Partnerorganisationen beim Entlastungspaket des Bundes die massiven Angriffe auf die Fleischbranche abzuwehren. Unsere Argumente waren zu gut, um sie nicht ernst zu nehmen.» Daran sollten sich Bundesrat und Verwaltung in Zukunft erinnern, so der Proviandepräsident.

Neue Kampagne und Vertrauen in Schweizer Fleisch

Direktor Donat Schneider betonte in seinem Rückblick auf das Jahr 2025 unter anderem die neue Basiskampagne von Proviande unter dem Slogan «So isst die Schweiz». Immer wichtiger wird dabei die Online-Kommunikation. Doch gleichzeitig lancierte Proviande das Printmagazin «à point», dass dreimal im Jahr erscheint. Schneider zeigte sich erfreut über den Erfolg der Kommunikationsmassnahmen. Eine kürzlich durchgeführte Studie bestätige das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in das Schweizer Fleisch.