«Die Leistungen der Landwirte für die Absenkung von Emissionen sollten sichtbar gemacht werden»
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«Saflor ist derzeit ganz klar eine Nischenkultur», sagt Hans Peter Maurer, der an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim das Forschungsprojekt «CarthBreed» leitet. Anders als bei Raps oder Sonnenblumen gibt es weder in Deutschland noch in der Schweiz einen etablierten Markt mit klaren Strukturen. Selbst statistisch lässt sich der Saflorölverbrauch kaum erfassen, da Distelöl in den Importzahlen gemeinsam mit Sonnenblumenöl geführt wird.
Dennoch ist Saflor im Handel präsent, meist als Spezialprodukt. Die Nachfrage konzentriert sich laut Hans Peter Maurer vor allem auf pflanzliche Öle für Lebensmittel- und Non-Food-Anwendungen sowie auf Farbstoffe und Pigmente, etwa für Naturkosmetik oder Lebensmittel. Daneben existieren sehr kleine Nischen, etwa im dekorativen Bereich, beispielsweise für Trockensträusse.
Saflor (Carthamus tinctorius) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), zu der auch bekannte Pflanzen wie die Sonnenblume und verschiedene Distelarten zählen. Seinen Namen verdankt er den auffällig gefärbten Blüten: Aus ihnen wurden früher gelbe und rote Naturfarbstoffe gewonnen, mit denen Stoffe gefärbt wurden, lange bevor synthetische Farben den Markt eroberten. In der Küche ist Saflor deshalb auch als «falscher Safran» bekannt.
Mit dem wachsenden Interesse an natürlichen Inhaltsstoffen rücken solche Anwendungen heute wieder stärker in den Blick. Heute steht jedoch vor allem das Öl aus den Samen im Mittelpunkt des Interesses: Safloröl, im Handel oftmals als Distelöl bezeichnet, ähnelt in seiner Zusammensetzung dem Sonnenblumenöl. Je nach Sorte ist es entweder reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder enthält überwiegend Ölsäure und ist dadurch besonders oxidations- und hitzestabil. Verwendet wird Safloröl in der Küche, in der Kosmetik und vereinzelt auch in industriellen Anwendungen.
Dass Saflor trotz fehlender Marktbreite wieder stärker in den Fokus rückt, hat vor allem agronomische Gründe. Die Pflanze ist ein Tiefwurzler, kommt mit Trockenheit relativ gut zurecht und zeigt eine positive Vorfruchtwirkung. Eigenschaften, die in Zeiten zunehmender Trockenperioden an Bedeutung gewinnen. «Wir sprechen im Projekt von einem grossen Potential, insbesondere für den ökologischen Landbau», erklärt Hans Peter Maurer. Saflor könne Fruchtfolgen auflockern und passe gut in Systeme, in denen robuste Kulturen gefragt sind.
Auch Jürg Hiltbrunner, der sich in der Schweiz seit Jahren mit alternativen und vergessenen Kulturen beschäftigt, sieht darin einen wichtigen Punkt: «Es geht nicht darum, Saflor zur nächsten Hauptkultur zu machen – aber als Ergänzung in der Fruchtfolge kann so eine Pflanze durchaus Sinn ergeben, gerade dort, wo Trockenheit ein Thema wird.»
Ein zentrales Thema im CarthBreed-Projekt ist der Ölgehalt. Während Saflor in Ländern wie Australien oder Nordamerika dank jahrzehntelanger Züchtungsarbeit Ölgehalte von über 40 Prozent erreichen kann, liegen die Werte von Sorten mit Anbaueignung in Mitteleuropa deutlich niedriger, häufig bei etwa 25 Prozent. «Das ist einer der Hauptgründe, warum Saflor hier wirtschaftlich noch nicht konkurrenzfähig ist», sagt Hans Peter Maurer.
Genau hier setzt die Züchtungsarbeit an: Ziel ist es, Sorten zu entwickeln, die unter mitteleuropäischen Bedingungen höhere und stabilere Ölgehalte liefern. In Deutschland und Tschechien sind derzeit drei linolsäurereiche Saflorsorten im Sortenkatalog gelistet: Calin, Salem und Tereza – viele weitere Herkünfte wie beispielsweise Dornburger und Thüringer stammen aus Genbanken oder aus früheren Züchtungsarbeiten und wurden bislang kaum züchterisch bearbeitet. Das Potential sei vorhanden, betont Hans Peter Maurer, aber der Weg zu leistungsfähigen Sorten brauche Zeit.
«CarthBreed» ist ein vom deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) gefördertes Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim. Die Studie läuft von 2024 bis 2027 und hat zum Ziel, Saflor züchterisch weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen höhere und stabilere Ölgehalte, robuste Pflanzen mit guter Anpassung an mitteleuropäische Anbaubedingungen sowie die Eignung für den ökologischen Landbau. Grundlage bildet die Nutzung genetischer Vielfalt aus internationalen Genbanken.
Ein weiterer Punkt: Saflor wird bislang selten angebaut, entsprechend fehlen Erfahrungen aus der Praxis. Zugelassene Pflanzenschutzmittel sind kaum vorhanden, was den Anbau vor allem für den Biolandbau interessant, aber auch anspruchsvoll macht. «Saflor funktioniert nicht als Kultur, die man einfach nebenbei mitlaufen lässt», sagt Jürg Hiltbrunner und ergänzt: «Wer ihn anbaut, muss sich bewusst sein, dass es eine Kultur mit Lernkurve ist.»
Trotz aller Herausforderungen sehen sowohl Forschung als auch Praxis Chancen, vor allem dort, wo regionale Wertschöpfung aufgebaut werden kann. Kaltgepresste Öle, Spezialprodukte oder die Nutzung der Farbstoffe könnten Saflor wirtschaftlich interessant machen. «Eine Nische kann auch eine solche bleiben», sagt Jürg Hiltbrunner. «Es braucht nicht viele Betriebe – aber solche, die den Markt kennen und gezielt bedienen», erläutert er weiter.
Saflor wird wohl Raps oder Sonnenblumen vorerst nicht ersetzen. Aber als robuste, vielseitige Kulturpflanze mit langer Geschichte passt sie gut in die aktuellen Diskussionen rund um Klimaanpassung, Diversifizierung und nachhaltige Landwirtschaft. Ob sie in der Schweiz wieder angebaut wird, hängt weniger von der Pflanze selbst ab als von Züchtung, Markt und Mut zur Nische.
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