Vom Abfall zum Rohstoff: Bauern recyceln mehr Plastik
Im vergangenen Jahr sammelte das freiwillige Rücknahmesystem ERDE Schweiz 2’660 Tonnen Agrarkunststoffe – rund ein Dr...

Rund 900 Tonnen Schafwolle fallen in der Schweiz pro Jahr an. Das ist eine beachtliche Menge. Während Wolle vor der Erfindung von Kunstfasern ein wertvoller Rohstoff war, galt sie danach lange Zeit als Abfall. Heute erlebt sie ein Revival: Innovative Unternehmen finden neue Wege, wie sich Schafwolle sinnvoll einsetzen lässt.
Mit dem Trend zum nachhaltigen Bauen rückt sie auch als Dämmstoff wieder in den Fokus.
Rund 300 Tonnen Wolle übernimmt die Fisolan AG in Worb jährlich. Im Frühling und Herbst können die Bauern und Bäuerinnen die Wolle an regionalen Sammelstellen abgeben oder direkt nach Worb bringen. Dort wird sie zu Dämmplatten, Fugenzöpfen und weiteren Isolationsmaterialien verarbeitet.
«Schafwolle ist eines der natürlichsten Materialien zur Isolation von Gebäuden und Wohnraum», sagt Geschäftsführer Niklaus Sägesser. 2012 gründete er die Firma mit dem Ziel, Schweizer Wolle zu sammeln, aufzubereiten und als natürliches Hightech-Produkt am Markt zu positionieren.
In Worb selbst werden hauptsächlich Fugenzöpfe aus der Wolle hergestellt – eine natürliche Alternative zum Bauschaum. Sie eignen sich zum Abdichten von Fugen bei Fenstern und Türrahmen.
Die Dämmplatten aus 100% Schweizer Schafwolle werden bei verschiedenen Partnern in der Schweiz nach dem Rezept der Fisolan hergestellt.

Gefragt ist Schafwollisolation vor allem bei privaten Kunden.
So entschied sich auch Klaus Wüthrich aus Langnau, bei der Totalsanierung seines Bauernhauses vor 4 Jahren für Schafwolle. Der Landwirt arbeitete früher im Bau und kennt die Herausforderungen auf der Baustelle. «Mein Ziel war ein gutes Wohnklima», sagt er.
Dafür brauche es ein Material, das Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Dies sei bei Schafwolle ideal. Klaus Wüthrich hatte früher selbst Schafe. «Dank ihrer Wolle sind sie robust gegen jedes Wetter gerüstet», sagt er.
Auch bei der Verarbeitung sei die Schafwoll-Isolation sehr angenehm, nur schon zum Anfassen. «In Steinwolle hätte ich nie reinliegen wollen, in Schafwolle schon. Das Gefühl muss man erst mal erlebt haben.»
Schafwolle als Dämmmaterial hat zahlreiche positive Eigenschaften:

Trotz dieser Vorteile ist Schafwolle im Baugewerbe ein Nischenprodukt geblieben. «Die Schwierigkeit ist der Marktpreis», sagt Zimmermann Mathias Kipfer von der Firma Dialog Holzbau in Emmenmatt. Die Firma hat bereits einige Objekte mit Schafwolle isoliert. «Schafwolle rechnen wir eigentlich nur auf Wunsch der Bauherrschaft», gibt er zu. Trotz der Vorteile der Schafwolle, entscheiden sich die Kunden meist aufgrund des Preises.
Noch ist Schafwolle als Dämmmaterial im Bau eine Nische. Doch mit dem wachsenden Interesse an nachhaltigen Baustoffen rückt auch ein Rohstoff wieder in den Fokus, der lange kaum genutzt wurde. Für die Schafhaltung eröffnet sich damit eine neue Perspektive – und für den Bau eine natürliche Alternative mit Zukunft.
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