Beef wegen Bio Weide-Beef

Die geplante Fusion zwischen Mutterkuh Schweiz und der IG Bio Weide-Beef ist gescheitert. Bei der Abstimmung stimmten 151 Mitglieder dafür, 61 dagegen, viele enthielten sich – damit wurde die notwendige 75 Prozent Mehrheit nicht erreicht. Kritiker befürchteten, dass die Grundsätze der Mutterkuhhaltung verwässert werden könnten.
Zuletzt aktualisiert am 26. März 2026
von Jasmine Baumann
3 Minuten Lesedauer
Herde Vor Appenzell Mutterkuehe Mg
Natura Beef, Natura Veal oder Bio Weide-Beef ist Rindfleisch aus Weidehaltung . (Bild LID)

Mutterkuh Schweiz ist der Verein der Mutterkuhaltenden und Fleischrinderzüchtenden der Schweiz. Er Umfasst rund 6000 Mitglieder. Das Hauptziel ist die wirtschaftliche Sicherung und Weiterentwicklung der Mutterkuhhaltung.

IG Bio Weide Beef ist eine Interessensgemeinschaft von rund 600 Biobauern, die die Erzeugung, den Handel und Verkauf von Bio Weide-Beef fördert. Das dazugehörige Label gehört der Migros.

Was ist Bio Weide-Beef?

Bio Weide-Beef ist Fleisch von Rindern aus Schweizer Bio-Weidehaltung. Die abgesetzten Kälber stammen entweder von Mutterkuhbetrieben oder von Milchviehbetrieben. Sie sind immer mindestens F1-Kreuzung zwischen einer Milchkuh und einem Fleischrassen-Stier.

Richtlinien seit Jahresbeginn bei Mutterkuh Schweiz

Seit dem 1. Januar führt Mutterkuh Schweiz die Richtlinien für das Bio Weide-Beef. «Die Migros suchte einen zuverlässigen Partner für die Weiterführung dieses gefragten Labels», erklärte Mathias Gerber, Präsident von Mutterkuh Schweiz an der Versammlung vom Mittwoch in Brunegg.

Mutterkuh Schweiz wie auch das Bio Weide-Beef stehen für Rindfleisch aus Weidehaltung. Damit besteht ein starker gemeinsamer Nenner.

Gemäss Reglement müssen alle Bio Weide-Beef-Produzenten Mitglied bei Mutterkuh Schweiz sein. Bereits heute sind 200 von 600 Produzenten Doppelmitglieder. Daher schien ein Zusammenschluss der beiden Vereine naheliegend. Mit einer Absorptionsfusion wären die Mitglieder automatisch zu Mutterkuh Schweiz übergegangen. Der gemeinsame Nenner lautete «Rindfleisch aus Weidehaltung».

Widerstand gegen grundsätzliche Fragen

Bereits im Vorfeld der Versammlung kam Kritik an der Fusion auf. Dies vor allem von Seiten der Rassenclubs der Limousine- und Angus-Züchter. Auch an der Versammlung selbst war die Diskussion hitzig und dauerte über eine Stunde an. Die Gegner befürchteten eine Verwässerung des Vereins: «Es ist ein Unterschied, ob ein Kalb unter der Mutter aufwächst oder nicht», hiess es. Auch wehrten sie sich gegen eine eventuelle Namensänderung – die ihre Identifikation mit dem Verein gefährdet hätte.

Befürworter argumentierten mit einem stärkeren Gewicht in der Politik und gegenüber den Marktpartnern. «Wir sind eine Landwirtschaft, wir müssen zusammenhalten gegenüber dem Markt», sagte Sepp Bruhin.

Am Ende stimmten zwar mehr Mitglieder für die Fusion als gegen sie. Doch die Dreiviertels-Mehrheit wurde nicht erreicht. «Eine Fusion wäre der einfachste Weg gewesen, um Parallelstrukturen und unnötigen administrativen Aufwand zu vermeiden», bedauert Geschäftsführer Daniel Flückiger. Nun muss jedes einzelne Bio Weide-Beef Mitglied die Mitgliedschaft bei Mutterkuh Schweiz separat beantragen.

Was hätte die Fusion für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet?

Für Konsumentinnen und Konsumenten hätte sich durch die Fusion nichts geändert. Bio Weide-Beef und Fleisch aus Mutterkuhhaltung werden nach wie vor getrennt gekennzeichnet und vermarktet. Fleisch aus Mutterkuhhaltung wird mit den Labels Natura Beef (Rind) und Natura Veal (Kalb) versehen. Fleisch aus Bio-Weiderindhaltung wird als Bio Weide-Beef verkauft.

Der Streit unter den Produzenten drehte sich vor allem um Prinzipien und Identitätsfragen innerhalb der Branche.