Mit Geschichten kommunizieren
Geschichtenerzählen ist eine der ältesten Formen der Kommunikation. Ihr Wert wird heute als «Storytelling» wiederentdeckt. Storytelling meint viel mehr als am Kaminfeuer sitzen und Geschichten erzählen. Es geht um eine Denkweise – man spricht auch von «Storythinking» –, um die Kunst, die Eigenheiten und Stärken des Geschichtenerzählens in alle Formen der Kommunikation einzubinden.
Das bringen Storytelling und Storythinking
Beim Geschichtenerzählen spielen die Emotionen wie Spannung, Freude, Angst, Hoffnung eine grosse Rolle. Studien zeigen: Sind Informationen in Emotionen verpackt, bleiben sie 22-mal besser haften als ohne!
Storytelling: Erzähle deine Geschichten
Auf deinem Betrieb ereignen sich täglich viele Geschichten, die du erzählen kannst. Manche davon erzählst du am Mittagstisch oder beim Znacht. Viele scheinen dir belanglos und selbstverständlich. Aber für Aussenstehende sind sie spannend. Erzähle deshalb kleine Bauernhofalltagsgeschichten und -episoden auf deiner Website oder per Facebook. Einander «durchs Küchen-, Stuben oder Stallfenster schauen» kommt immer gut an – manche Fernsehserien sind genau darauf angelegt. Diese Geschichten schaffen Beziehung, Sympathie, Verständnis. Alles, was du mit PR-Arbeit erreichen willst.
Storyproviding: Biete positiven Geschichtsstoff
Wie gerne reden wir doch über andere! Und ehrlich: Negatives scheint uns oft spannender als Positives. Dass über dich und deinen Betrieb negative Geschichten im Umlauf sind, willst du natürlich nicht. Sorge also dafür, dass in der Gemeinde, bei den Nachbarn, bei Kunden und Gästen oder auch in den Medien immer positiver Erzählstoff vorhanden ist. Das kannst du mit deinem Verhalten steuern, mit Freundlichkeit gegenüber Gästen und Kunden, Offenheit gegenüber der Gesellschaft, Sorgfalt in deiner Arbeit, neuen Betriebsideen und Produkten, einem schön geschmückten Haus, Erlebnisangeboten ...
Storyliving: Verstehe dich als Teil von Geschichten
Dein Leben, dein Betrieb und deine Beziehungen sind immer in Entwicklung. Du schreibst damit laufend Geschichte. So betrachtet: Wo sind in diesen Geschichten Wunsch und Defizit? Wo sind die Hindernisse und Durchbrüche, wo die guten Geister und die Böslinge? Wer sind die Heldinnen und Helden? Wie bist du mit deinen Partnern und Kundinnen unterwegs? Seid ihr gerade in einer «Prüfung» oder geht ihr auf eine «Erlösungsphase» zu? Das Leben als Geschichte verstehen zeigt es in einer neuen Perspektive.
Storythinking: Denke in Geschichten
In Geschichten denken heisst, Broschüren, Lehrpfade, Events, Hausordnungen, Medientexte oder auch Menus so aufzubauen und zu gestalten, dass sie wie eine Geschichte daherkommen, mit der gleichen Spannung und Emotion. Dabei hast du die Elemente und Muster der Heldengeschichte im Hinterkopf und denkst alles von daher an: Was ist das Problem? Wie erfolgt der Ruf/die Einladung? Wer ist die Heldin oder der Held? Wer sind die guten Geister, wer die Widersacher? Welche Hindernisse stellen sich in den Weg? Was ist die Lösung, die Heldentat, die Belohnung?
Das kann in einer Geschichte vorkommen
Eine alte und verbreitete Form von Geschichten ist die Heldengeschichte. Je nach theoretischem Ansatz umfasst sie bis zu 30 typische Elemente. In manchen Heldengeschichten kommen nur zwei oder drei vor. Hier lernst du sieben davon kennen:
- Das Problem: Ein Defizit, ein Wunsch, ein Ziel, ein Traum, eine Sehnsucht. Ohne das gibt es keine Story. Das Problem erzeugt die Spannung, die die Geschichte in Bewegung bringt.
- Die Lösung: Was gefordert ist, um das Problem zu lösen.
- Der Ruf: Er tritt in Träumen auf oder als alte Frau oder auch mal als Flaschenpost oder verstaubter Gegenstand auf dem Estrich. Er irritiert oder lockt oder befiehlt. Hauptsache, er kann jemanden dazu bewegen, das Problem lösen zu wollen oder sich dafür brauchen zu lassen.
- Die Heldin/der Held: Will am liebsten in Ruhe gelassen werden. Lässt sich dann doch überzeugen, sich auf den Weg zu machen. Stolpert dem Erfolg entgegen. Kommt bei der Heldentat fast um, aber überlebt doch und geht als gereifter Mensch aus dem Abenteuer hervor.
- Der Weg: Die Heldin/der Held macht sich auf einen Weg voller Abenteuer, der immer dramatischer wird – die Spannung nimmt bis zur Heldentat zu.
- Die Hindernisse: Sie stellen sich in den Weg zum Erfolg, bedrohen und entführen, verleiten und verführen, blockieren oder fordern Geschick und Wissen. Aber sie lassen den Helden auch an seiner Aufgabe wachsen und reifen.
- Gute Geister: Helfen dem Helden/der Heldin mit Tipps, Ausrüstungsgegenständen, oder direkte Unterstützung.
- Der Widersacher: Er will Erfolg und Macht für sich, will die Lösung des Problems verhindern und tut alles, um den Helden/die Heldin zu behindern, abzulenken, zu verführen oder gar zu vernichten.
- Die Heldentat: Es ist der entscheidende Akt, die grosse Wende zum Guten – wenn es eine glückliche Geschichte ist. Wenn nicht, ist die Geschichte eine Tragödie und der Held ein tragischer Held.
- Der Erfolg: Das Problem ist gelöst!
- Die Belohnung: Ehre, Reifung, neuer Status, materieller Gewinn für die Heldin oder den Helden.
Eine Hausordnungsgeschichte
Du willst, dass deine Feriengäste zur Wohnung Sorge tragen – Problem. Statt gewöhnlichen Regelzetteln hängst du eingerahmte Karten auf, auf denen dein Hühnchen Putput – guter Geist – die kleinen und grossen Gäste – Helden – auf motivierende Weise anspornt – Ruf –, in der Wohnung nicht zu rauchen, nur Hausschuhe zu tragen, keine festen Gegenstände ins WC zu werfen – Hindernisse/Prüfungen. Zum Abschied erhalten deine Gäste, die alles eingehalten haben – Heldentat – von Putput eine Schachtel Eier – Belohnung.
Eine Hoffestgeschichte
Die Kuh Flora ist verschwunden – Problem. Die Gäste – Helden – sind mit einer Wettbewerbskarte eingeladen – Ruf –, sie zu finden und dir ihren Standort zu melden – Lösung. Die Karte führt sie von Infoposten zu Infoposten – Hindernisse –, wo sie Wörter in ein Kreuzworträtsel einfüllen, das ein Lösungswort ergibt. Das Lösungswort führt zum Standort von Flora – Lösung. Wer sie findet – Heldentat –, bekommt einen Milchdrink – Belohnung.
Agrotourismusangebot als Geschichte
Ferienwohnung mit 6 Betten und Schlafen im Stroh, Hofladen, Milchkühe, Rinder, Hühner, Katze, Kaninchen, Spielplatz, WLAN, zentral gelegen, IP-Suisse-Betrieb ergibt folgende «Geschichte»:
Unsere 6 Betten warten sehnlichst auf Gäste, die vom Landleben träumen und es geniessen. Zwar macht ihnen das Strohlager gerne Gäste abspenstig. Es liebt es, sie mit Strohhalmen zu kitzeln und zu Kissenschlachten anzustiften.
Den Hofladen lässt das Gezänk zwischen Betten und Stroh kalt. Er weiss: Wo auch immer die Gäste schlafen, sie lassen sich von ihm zu Naschkatzen verzaubern.
Naschen? Da können sie von unserer Katze lernen! Auch, wie man sich durch Kuh-, Rinder- und Hühnerherden schleicht und mit den Kaninchen Freundschaft schliesst. Das interessiert vor allem die Kinder.
Und übrigens auch, in welche Geschichten und Abenteuer sie der ausserordentlich ausgestattete Spielplatz hineinzieht, während die Erwachsenen dank unserem WLAN auf ihren Tablets im Internet herumsurfen ...
Wobei: Dieses Surfen vergessen Sie bei uns nach und nach in unserem Entspannungsparadies. Das werden Sie bald merken, sobald Sie einmal bei uns sind.
Machen Sie sich auf den Weg, es ist keine Weltreise. Und unser Hof ist gut erkennbar, dank dem riesengrossen IP-Suisse-Käfer auf dem Silo. Halten Sie Ausschau nach ihm!