Topinambur: Erdsonnenblume für den Winter

Frosthart, nahrhaft und fast vergessen: Topinambur bringt Abwechslung in die Winterküche. Die aus Nord- und Mittelamerika stammende Knolle hat hierzulande von November bis März Saison.
Zuletzt aktualisiert am 29. Januar 2026
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Topinambur Gemuese Ch

Topinambur (Helianthus tuberosus) gehört zur botanischen Familie der Korbblütler und zählt zur selben Gattung wie die Sonnenblume. Schweizer Topinambur hat von November bis März Saison. Der oberirdische Spross erträgt Temperaturen bis -5 Grad Celsius, während die Knollen sogar Frost bis -30 Grad Celsius aushalten.

Ihr Name leitet sich vom indigenen brasilianischen Volk der Tupinambá ab – daneben sind Erdapfel, Erdbirne, Jerusalem-Artischocke, Erdsonnenblume oder Erdartischocke andere gängige Namen für Topinambur. Je nach Sorte weisen die Knollen eine gelbe, rote, violette oder braune Schale auf.

Vom Grundnahrungsmittel zum Nischenprodukt

Bei indigenen Völkern Nord- und Mittelamerikas war die «Sonnenknolle» eine wichtige Kulturpflanze, die als Gemüse und Viehfutter verwendet wurde. Anfangs des 15. Jahrhunderts gelangte sie als Kulturpflanze nach Frankreich und wurde danach in verschiedenen Teilen Europas kultiviert. Mitte des 18. Jahrhunderts geriet der Topinambur-Anbau allerdings immer stärker durch die ertragreichere Kartoffel unter Druck.

Trotzdem wird Topinambur bis heute als Gartenpflanze, Bienenweide, als Viehfutter, zur Produktion von Schnaps und als nachwachsender Rohstoff angebaut – und zwar auf fast allen Kontinenten – insbesondere aber in Nordamerika sowie Russland, Australien und Asien.

In der Schweiz wurde 2024 auf etwas mehr als 6 Hektaren Topinambur angebaut, die Hälfte davon im biologischen Landbau. 2024 lag der Ernteertrag bei 216 Tonnen, 465 Tonnen wurden importiert. Somit lag der Pro-Kopf Konsum von Topinambur bei 80 Gramm.

Hält lange satt

Topinambur bringt Abwechslung in die Winterküche und hält mit wenig Kalorien lange satt. Die süsslich und nussig schmeckende Knolle ist reich an Proteinen, wertvollen Mineralstoffen, Kohlenhydraten und Vitaminen und enthält viel Inulin, einen Ballaststoff, der lange sättigt und den Appetit nachhaltig stillt. Anders als der in Kartoffeln enthaltene Zucker ist Inulin besonders für Menschen mit Diabetes geeignet.

Dank dieser gesunden Eigenschaften erlebte Topinambur zuletzt eine kleine Renaissance und erfährt in der europäischen Küche deshalb seit einigen Jahren wieder mehr Anerkennung. Das Wurzelgemüse schmeckt beispielsweise geraffelt über dem Salat, gekocht in der Suppe, roh als Snack oder als Ergänzung im Kartoffelgratin. Auch frittiert – ähnlich wie Pommes Frites – oder als Saft ist die Knolle lecker.

Topinambur als invasiver Neophyt

Seit Jahrtausenden bringt der Mensch bewusst Nutz- und Nahrungspflanzen in neue Gebiete. So wurden auch etliche Neophyten absichtlich eingeführt: Die meisten dienen in der Landwirtschaft als wertvolle Nahrungspflanzen und überleben nur dank der jährlichen Aussaat, wie beispielsweise die Kartoffel oder die Sonnenblume.

Einige Neophyten, die als Nutzpflanzen eingeführt wurden, schafften jedoch den Sprung in die freie Natur, etablierten sich und wurden invasiv – so etwa das Erdmandelgras, die Vielblättrige Lupine, die Armenische Brombeere oder auch Topinambur.

Topinambur wächst sehr schnell, wird hoch und beschattet dadurch anderen Pflanzen, was diese am Wachstum hindern kann. 

Beim Anbau im eigenen Garten ist Vorsicht geboten: Topinambur wird von InfoFlora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, auf der Liste der invasiven und potenziell invasiven Neophyten der Schweiz geführt und entsprechend beobachtet.