Milchschwemme in der Schweiz: Richtpreis sinkt, Menge muss runter

Der Schweizer Milchmarkt kämpft mit massiven Übermengen, vollen Lagern und steigendem Preisdruck. Mit einer Senkung des A-Richtpreises und Forderungen nach strenger Mengendisziplin versucht die Branche, die Situation zu stabilisieren – im Spannungsfeld zwischen Kühen, die nicht «abstellbar» sind, und wachsendem Importdruck.
Zuletzt aktualisiert am 20. Februar 2026
von Renate Hodel
3 Minuten Lesedauer
2024 Milch Milchverarbeitung Kaesen Kaesekessel Alp 02 Rho
Der Milchmarkt ringt aktuell um ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Absatz. (rho)

Auf dem Schweizer Milchmarkt bleibt die Lage angespannt: Es gibt deutlich zu viel Milch. Im Dezember waren laut der Branchenorganisation Milch (BOM) rund 126 Millionen Kilogramm Übermenge auf dem Markt. Die Folge sind volle Lager und ein wachsender Preisdruck – bis hin zur Gefahr, dass der Preis total zusammenfallen könnte, wenn die Menge nicht rasch gesenkt würde.

Richtpreis sinkt – erstmals für fast ein Jahr fixiert

Als Reaktion hat die BOM den Richtpreis im A-Segment um 4 Rappen auf 78 Rappen pro Kilogramm Milch gesenkt. Der neue Richtpreis gilt seit dem 1. Februar 2026 und das für elf Monate – ein Novum, denn bisher wurden Richtpreise meist nur für drei Monate festgelegt. Ziel ist mehr Planungssicherheit für Produzentinnen und Produzenten, gleichzeitig will die Branche so die Marktsituation stabilisieren.

Die BOM begründete den Schritt auch mit dem internationalen Preisumfeld: Der Schweizer Milchpreis liege zunehmend über dem Auslandniveau. Da rund die Hälfte der Schweizer Milch zu Käse verarbeitet wird und dieser Markt teilweise liberalisiert und dem europäischen Markt gleichgestellt ist, wird der Abstand zu Importware zur Gefahr. Wenn Schweizer Käse im Regal zu teuer wird, verliert er Marktanteile.

Druck auf die Menge – aber Kühe sind keine Maschinen

Die Ursachen sind eine Kettenreaktion verschiedener Faktoren: Sehr gutes Wetter letzten Sommer führte zu hochwertigem, zucker- und eiweissreichem Futter – und damit zu mehr Milchleistung. Gleichzeitig war der Absatz schwierig: Marktunsicherheiten unter anderem durch US-Zölle, ungünstige Währungseffekte sowie weniger Exporte sorgten dafür, dass mehr Ware im Inland blieb und die Lager weiter anwuchsen, unter anderem bei Butter.

Die Branche macht deshalb Druck auf eine rasche Mengendisziplin: Betriebe sollen weniger Milch abliefern als im Vorjahr – wer zu viel liefert, muss mit tieferen Preisen für Übermengen rechnen. Gleichzeitig hat eine rasche Anpassung in der Praxis Grenzen – denn Kühe sind keine Maschinen und können nicht auf Knopfdruck weniger Milch produzieren.

So ringt der Milchmarkt aktuell um ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Absatz. Die Preissenkung im A-Segment ist ein Signal, aber die eigentliche Stellschraube ist kurzfristig die Menge – und mittelfristig die Frage, wie Schweizer Milchprodukte im Handel und bei den Konsumentinnen und Konsumenten stärker gegen Importdruck bestehen können.