Milchschwemme in der Schweiz: Richtpreis sinkt, Menge muss runter
Der Schweizer Milchmarkt kämpft mit massiven Übermengen, vollen Lagern und steigendem Preisdruck. Mit einer Senkung d...
Eine Obstplantage im Süden Italiens. Ein junger Mann in langen Hosen, einer braunen Jacke und einer weissen Mütze pflückt Orangen von den Bäumen, legt die Früchte in schwarze Kisten und stapelt diese auf einen Wagen. Seydou Arama ist ein Tagelöhner ohne Vertrag, bezahlt wird er pro Kiste. Für 70 Cent pro Kilogramm verkauft der Produzent die Zitrusfrüchte weiter. Mit Seydou Arama startet der Dokumentarfilm «The Pickers» der deutschen Filmemacherin Elke Sasse aus dem Jahr 2024.
Seydou Arama aus Mali ist einer der über zwei Millionen Migrantinnen und Migranten, die jährlich auf europäischen Feldern Früchte und Gemüse für den gesamten Kontinent pflücken. Und über eine Million solcher Erntehelferinnen und Erntehelfer warten auf faire Bedingungen: Ungenügende Bezahlung, fehlende Arbeitsbewilligungen, marode Schlafplätze und geschlechterspezifische Gewalt sind alltäglich.
«Wenn ich nicht müsste, würde ich nicht hier leben», sagt Seydou Arama. Sein Schlafplatz ist eine improvisierte Behausung, Plastikplanen an den Seitenwänden schützen vor Wind und Regen. Viele weitere Migranten, hauptsächlich Männer aus afrikanischen Ländern, wohnen mit ihm auf dem Gelände dieser Zeltstadt und verdienen sich ihr Geld hier in Italien als Pflücker während der Orangensaison.
Rund 400'000 bis 500'000 Wanderarbeiterinnen und -arbeiter sind in der italienischen Landwirtschaft tätig – viele von ihnen haben keinen Vertrag, keine Aufenthaltsbewilligung, oder Krankenversicherung und werden unter dem Mindestlohn bezahlt.
Der Dokumentarfilm «The Pickers» inspirierte eine gleichnamige Kampagne, die sich für eine faire Ernte einsetzt und zehn grundlegende Garantien für Wanderarbeiterinnen und -arbeiter fordern. Diese Grundsätze verlangen beispielsweise das Einhalten von Menschenrechten, das Ausstellen von Arbeitsverträgen unter Einhaltung der Mindestlohngesetzen oder den Schutz der Arbeiterinnen und Arbeitern vor Schulden durch illegale Vermittlungsgebühren.
Nach einer Tour durch Europa letztes Jahr können Privatpersonen, Vereine, Organisationen oder Firmen Veranstaltungen organisieren, um den Film der Öffentlichkeit gratis zu zeigen.
Italien ist dabei kein Einzelfall. Der Film führt weiter in den Südwesten Spaniens: In der Provinz Huelva ist Bahija aus Marokko damit beschäftigt, Erdbeeren von der Pflanze zu lösen. Die Region Huelva ist für rund 80 Prozent der Gesamtproduktion Spaniens verantwortlich. Spanien ist zudem das grösste Exportland von Erdbeeren in Europa. «Er schreit uns an, schneller zu arbeiten», erzählt Bahija über ihren Vorgesetzten, und fügt hinzu: «Wenn Inspektoren uns fragen, ob wir gut bezahlt werden, müssen wir sagen, alles sei gut.» Bahija ist eine von ungefähr 15'000 marokkanischen Saisonarbeiterinnen, die jedes Jahr während der Erdbeerernte im Rahmen eines Rekrutierungsabkommens auf spanischen Feldern arbeiten. Trotz Visum und einer befristeten Aufenthaltsbewilligung sind sie nicht vor Ausbeutung geschützt.
Im Nachbarland Portugal pflückt Kirti aus Nepal Heidelbeeren. «Für Erntehelfer wie mich gibt es keine Visa. Ich habe 14'000 Euro ausgeliehen, um hierherzukommen», erzählt der Familienvater. Während Erntehelferinnen und Erntehelfer in Portugal Papiere erhalten und legal arbeiten können, ist der Zugang für asiatische Erntehelferinnen und Erntehelfer weder in Portugal noch in anderen europäischen Ländern geregelt. Informelle Netzwerke helfen Menschen wie Kirti, nach Portugal zu gelangen, verlangen dafür aber extrem hohe Summen und treiben die Arbeitskräfte in eine Schuldknechtschaft.
In Griechenland pflücken Naveed und Adil aus Pakistan Oliven. «Die behandeln uns nicht wirklich als menschliche Wesen. Die sehen uns nur als Arbeitskraft», sagt Naveed. «Ich habe bisher keinen ruhigen Tag gehabt, weil ich nie einen rechtlichen Aufenthaltsstatus bekommen habe. Sie brauchen uns, aber geben uns keine Papiere.» In der Region Kalamata werden jährlich rund 15’000 Helferinnen und Helfer benötigt, um die drei bis vier Millionen Olivenbäume abzuernten. Die meisten Erntehelfer stammen aus Pakistan und Bangladesch, und die meisten haben weder eine Aufenthaltsbewilligung noch einen Arbeitsvertrag. Die Gefahr, verhaftet zu werden, ist hoch: Auch Naveed selbst verbrachte aufgrund fehlender Papiere etwa 14 Monate in einem griechischen Gefängnis.
Zurück in Italien formuliert Seydou Arama eine klare Botschaft. «Wir sind Migranten, aber auch wir verdienen Respekt. Auch wir sind Menschen» sagt er in einem Video auf der Webseite der Kampagne. Seine Botschaft richtet er an staatliche Behörden, Supermärkte, Produzenten, Konsumenten und Händler: «Wir Plantagenarbeiter sind in einer Notlage», betont er, «Wir machen körperlich sehr schwere Arbeit. Ich möchte an die Verantwortlichen appellieren, uns auch zu respektieren.»
Auch Arbeitskräfte wie er brauchen Rechte: «Zum Beispiel das Recht auf Gesundheit. Oder das Recht auf einen Schlafplatz. Mit Schlafplatz meine ich, dass man besser bezahlt wird, damit man sich einen Schlafplatz in einem Gebäude mieten kann». Seydou Arama fügt an: «Die Plantagenarbeiter sind immerhin ein Grundpfeiler im Ernährungssystem.»
Der Plantagenarbeiter aus Mali betont, dass Migrantinnen und Migranten in die Debatte einbezogen werden müssen. «Manche sind geflüchtet aus Notlagen, manche sind aus Armut geflüchtet. Man verlässt seine Heimat aus Not und kommt wieder in eine Notlage. Weit von der eigenen Heimat ist das nicht leicht. Das muss sich ändern, und ein wirklicher Austausch muss stattfinden: Ein Austausch von uns mit anderen Beteiligten wie Supermärkten, Käufern, Produzenten und staatlichen Behörden.»
«The Pickers» zeigt, wie komplex die globalen Ernährungssysteme sind – und wie unzureichende rechtliche Rahmenbedingungen sowie ein auf maximale Kosteneffizienz ausgerichtetes Wirtschaftssystem die Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte in Europa begünstigen.
Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel in Kalabrien: Pape aus Senegal pflückt Orangen in Italien – und dies unter fairen Bedingungen: Er erhält dafür den gesetzlichen Mindestlohn, hat einen fixen Arbeitsvertrag. Für die gepflückten Orangen erhält der Produzent 1.40 Euro pro Kilogramm. Pape wohnt mit anderen Erntehelfern im Hausprojekt Dambe So (Haus der Würde) in Rosarno, wo er eine moderate Miete bezahlt.
Pape meint: «Für mich bedeutet Würde, in einem Haus zu leben, und nicht in einer Zeltstadt.»
Der Schweizer Milchmarkt kämpft mit massiven Übermengen, vollen Lagern und steigendem Preisdruck. Mit einer Senkung d...
Die landwirtschaftliche Nutzfläche in der Schweiz belief sich im Jahr 2025 auf über 1’042’000 Hektaren. Während auf d...
Dominik Wyss hat die Leidenschaft zum Backen erst nach der Lehre gepackt, dann aber so richtig. Der Meisterbäcker spr...
Das Projekt «Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden» verfolgt das Ziel, die Treibhausgasemissionen der Bündner Landw...
Was mit Maschinen begann, ist heutzutage breit aufgestellt: Die Maschinenringe in der Schweiz bieten Arbeitskräfte un...