Schweizer Höfe im europäischen Netzwerk der regenerativen Landwirtschaft

Mit den «Top 50 Farmers» zeichnet eine europäische Initiative innovative Landwirtschaftsbetriebe aus, die auf regenerative Ansätze setzen. Dass 2026 erneut drei Schweizer Betriebe in das Kollektiv aufgenommen wurden, zeigt: Das Thema gewinnt auch hierzulande an Sichtbarkeit. Wie regenerative Landwirtschaft aussehen kann, zeigt der Biohof Z’Alpenblick von Regina Schwarzenbach im Hirzel – ein Betrieb, auf dem Bodenleben, Gemüsevielfalt, Tierhaltung und Direktvermarktung zu einem System zusammengefügt werden.
Zuletzt aktualisiert am 31. März 2026
von Renate Hodel
5 Minuten Lesedauer
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Regina Schwarzenbach gehört mit ihrem Betrieb zu den «Top 50 Farmers». (rho)

Mitte März wurden die neuen «Top 50 Farmers» des aktuellen Jahres aus Europa bekannt gegeben. Erneut wurden auch drei Schweizer Betriebe in die Auswahl aufgenommen: Peter Fröhlich von Fröhlich Farm’s in Niederhasli im Kanton Zürich, Adrian Rubi vom Halterhus in Ruswil im Kanton Luzern und Flurin Frigg vom Biohof Frigg in Pratval im Kanton Graubünden.

Die Initiative «Top 50 Farmers» wurde 2022 gegründet. Seit 2025 kürt sie jährlich 50 Landwirtschaftsbetriebe, die als Vorbilder für regenerative Landwirtschaft gelten. Dahinter steht nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch ein Netzwerk: Die ausgewählten Betriebe erhalten Zugang zu Austausch, Sichtbarkeit und Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Organisatoren wollen regenerative Landwirtschaft als zukunftsfähige Option stärken – mit Wissensaustausch, Bewusstseinsbildung, Förderung der Vielfalt und finanzieller Unterstützung.

Vom Zürcher Hügelbetrieb ins europäische Netzwerk

Schon bei der ersten europäischen Auswahl 2025 war die Schweiz mit drei Betrieben vertreten. Unter ihnen war Regina Schwarzenbach aus Hirzel im Kanton Zürich. Die Schweizer Ausgezeichneten wurden damals laut Organisation insbesondere für ihre Leistungen in den Bereichen Bodengesundheit, Biodiversität und Klimaanpassung gewürdigt und haben sich gegen rund 500 Nominationen durchgesetzt.

Der Betrieb von Regina Schwarzenbach liegt auf 750 Metern über Meer in der Hügellandschaft zwischen Sihlbrugg und Wädenswil. Er umfasst 22 Hektaren, wobei der grösste Teil der Fläche der Tierhaltung dient. Regina Schwarzenbach hält Mutterkühe der Rasse Tiroler Grauvieh mit ihren Kälbern. Diese sind viel auf der Weide, fressen Gras und im Stall dann hofeigenes Heu. Die schlachtreifen Tiere werden mit Hoftötung in gewohnter Umgebung getötet, um Stress zu vermeiden. Daneben ist die Marktgärtnerei mit rund 60 Aren ein zentraler Pfeiler des Betriebs.

Dass ihr Hof in dieses europäische Netzwerk aufgenommen wurde, sei für sie durchaus eine Bestätigung gewesen – auch wenn sie zunächst gar nicht habe teilnehmen wollen. «Zuerst wollte ich gar nicht mitmachen», sagt Regina Schwarzenbach rückblickend. Den Hof Z’Alpenblick angemeldet hat der Verein «Soil to Soul», welcher auch hinter dem ehemaligen Restaurant «Rüsterei» in der Sihlcity steht, für das Regina Schwarzenbach jeweils Gemüse und Fleisch lieferte. Schlussendlich habe sie die Auszeichnung doch gefreut, so Regina Schwarzenbach. «Es war die Bestätigung für den Weg, den wir eingeschlagen haben», erläutert die Betriebsleiterin. Und das Netzwerk, dass sie im Rahmen der «Top 50 Farmers» kennengelernt hat, schätzt sie sehr: «Es sind alles Betriebe, die unter dem Klimawandel leiden und neue, andere Wege suchen – je vielfältiger, desto besser.»

  • Die Laufenten halten die Schnecken in Schach – ab und zu steht auch ein Salat auf dem Speiseplan. (rho)
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Vielfalt über und unter der Erde

Vielfalt ist für ihren Betrieb von zentraler Bedeutung und garantiert Stabilität. Im Marktgarten wachsen auf schmalen Beeten mehr als 50 Gemüsearten – von Salaten und Blumenkohl bis zu Winterspinat, Topinambur, Puntarelle oder Kardy. Doch der eigentliche Kern liegt unter der Oberfläche: Mikroorganismen, Pilze, Bakterien, Würmer und Käfer sind für Regina Schwarzenbach zentrale Mitspieler. Um dieses Bodenleben zu schützen, wird auf dem Betrieb bewusst nur mit leichten Maschinen gearbeitet und der Boden ist immer bedeckt oder begrünt.

Besonders anschaulich wird der regenerative Gedanke dort, wo er sperrig wird. Pflanzenschutzmittel werden auf dem Betrieb keine eingesetzt, stattdessen arbeitet Regina Schwarzenbach mit biologischen Wechselwirkungen. «Wir züchten sogar Schädlinge», sagt sie. Extra früh gesäte Bohnen dienen quasi als Bauernopfer und locken Blattläuse an, diese wiederum Marienkäfer, deren Larven dann, wenn die eigentliche Ernte erst so richtig austreibt, bereits in grosser Anzahl vorhanden sind und bei der Schädlingsbekämpfung helfen. «So haben wir zwar Schädlinge, aber keinen Totalausfall», sagt Regina Schwarzenbach.

Ergänzt wird dieses System unter anderem durch Strukturen wie Asthaufen, die Nützlingen wie Igeln Unterschlupf bieten und durch Laufenten. Aber auch hier nimmt Regina Schwarzenbach einen Trade-off in Kauf: Denn die Laufenten mögen nicht nur die Schnecken, die sie vom Gemüse fernhalten sollen, sondern zum Teil auch Kulturen, die im Garten wachsen. Der Schaden einer Schneckenplage wäre aber weitaus grösser, deshalb opfert die Betrieblseiterin ab und an ein paar Salatblätter für die Enten und hält ihr System so in der Balance.

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Regenerativ – aber nicht losgelöst von der Realität

Trotz aller Anerkennung zeichnet Regina Schwarzenbach kein idyllisches Gegenbild zur übrigen Landwirtschaft. Im Gegenteil: Sie betont, dass viele Kolleginnen und Kollegen ebenfalls gute Arbeit leisteten. Wenn Betriebe nicht regenerativ wirtschafteten, habe das oft weniger mit mangelndem Willen als mit ökonomischem Druck zu tun. «Oftmals hat es nichts damit zu tun, dass Bauern nicht regenerativ anbauen wollten, sondern mit dem wirtschaftlichen Druck», sagt sie.

So betrachtet, steht Regina Schwarzenbachs Betrieb stellvertretend für das, was die «Top 50 Farmers» sichtbar machen wollen. Das Netzwerk zeichnet nicht einen einzigen Idealtypus von Landwirtschaft aus. Es versammelt Betriebe, die in unterschiedlichen Regionen und unter unterschiedlichen Bedingungen nach Wegen suchen, Produktion resilienter, naturnäher und langfristig tragfähiger zu machen. Dass nun erneut drei Schweizer Höfe in die neue Kohorte aufgenommen wurden, macht deutlich: Diese Suche ist längst auch Teil der hiesigen Landwirtschaft.