SchuB bleibt gefragt – mehr als 72’000 Kinder lernten 2025 auf dem Bauernhof

Der Bauernhof als Lernort bleibt beliebt: 2025 haben in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein 72’105 Kinder im Rahmen von «Schule auf dem Bauernhof» (SchuB) einen Landwirtschaftsbetrieb besucht. Damit setzt sich die Erfolgsgeschichte des ausserschulischen Lernorts fort. Insgesamt waren 444 Betriebe beteiligt, die 3’901 Gruppen empfingen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies bei den Betrieben einem Plus von 18 Höfen.
Zuletzt aktualisiert am 5. März 2026
von Renate Hodel
4 Minuten Lesedauer
20250424 095627

Seit über 40 Jahren bringt SchuB Kinder und Jugendliche dorthin, wo Lebensmittel entstehen und Natur, Kreisläufe und Zusammenhänge direkt erfahrbar werden. Das Angebot ist weit mehr als eine klassische Hofführung. Es verbindet den Schulunterricht mit konkreten Erlebnissen und spricht die Schülerinnen und Schüler ganzheitlich an – mit Kopf, Herz und Hand. Gerade in einer Zeit, in der Wissen zwar jederzeit digital abrufbar ist, echte Erfahrungen aber seltener werden, gewinnt dieses Lernen mit allen Sinnen an Bedeutung.

Engagement der Höfe als Grundlage für nachhaltiges Wachstum

Die regionale Verteilung der SchuB-Aktivitäten ist seit Jahren bemerkenswert stabil. Rund 60 Prozent der Angebote entfallen auf die Deutschschweiz, 30 Prozent auf die Romandie und 10 Prozent auf das Tessin. Eine leichte Verschiebung zugunsten der Romandie führt Andreas Reichmuth von SchuB unter anderem auf den Kanton Waadt zurück, der seine Kinderzahlen in den letzten zehn Jahren verdreifacht habe. «Verschiebungen im selben Umfang bei kleineren Kantonen fallen da nicht so sehr ins Gewicht», hält er fest.

Dass die Zahlen seit Jahren steigen, ist laut Andreas Reichmuth vor allem dem grossen Engagement der Höfe zu verdanken. «Die wesentliche Voraussetzung für den anhaltenden Erfolg ist sicher die tolle Arbeit der SchuB-Betriebe, die es immer wieder schaffen, ihre Begeisterung für ihre Arbeit den Schulklassen weiterzugeben», sagt er. Gleichzeitig betont er, dass SchuB nicht auf Wachstum um jeden Preis setze. Ziel sei «ein nachhaltiges Wachstum, das mit den vorhandenen Ressourcen Schritt hält».

Gerade weil SchuB dezentral organisiert und finanziert ist, entwickeln sich die Kantone unterschiedlich. Dort, wo genügend personelle und finanzielle Mittel vorhanden seien, könne das Angebot wachsen. Die Nachfrage vonseiten der Schulen nach dem Lernort Bauernhof sei «beinahe unbeschränkt vorhanden», so Andreas Reichmuth. Besonders viel sei möglich, wenn Landwirtschaft und Bildungsseite gemeinsam hinter dem Projekt stünden und diese Unterstützung auch konkret vor Ort wirksam werde.

Angebot weiterentwickeln und Finanzierung sichern

Zu den aktuellen Herausforderungen zählt Andreas Reichmuth neben der Finanzierungsfrage insbesondere die Weiterentwicklung des Angebots. SchuB lebe seit seinen Anfängen von praxisnahen und erlebnisorientierten Hofbesuchen. Diesen bewährten Weg weiterzugehen und sich inhaltlich dennoch weiterzuentwickeln, sei eine zentrale Aufgabe. Hinzu komme der Generationenwechsel auf den Höfen. Damit verbunden sei die Suche nach neuen Betrieben, die für Schulen gut erreichbar sind und sich mit Freude auf diese Bildungsarbeit einlassen.

Die nationalen Ziele von SchuB setzen genau dort an. Im Bereich Aus- und Weiterbildung sollen die Anbieterbetriebe weiterhin unterstützt werden, damit qualitativ hochstehender Unterricht auf dem Hof möglich bleibt. Dazu gehören Erfahrungsaustausche in den Kantonen, Kurse für neue Anbieterinnen und Anbieter sowie die Aktualisierung der Unterlagen. Ebenso wichtig ist die Mittelbeschaffung. «Die Finanzen sollen nicht der limitierende Faktor sein bei der Frage, ob eine Schulklasse auf einen Landwirtschaftsbetrieb empfangen werden kann und ob die Bauernfamilie für ihrem Aufwand auch entsprechend entschädigt werden kann», sagt Andreas Reichmuth. Angestrebt werde eine gemeinsame Grundfinanzierung durch Bildungs- und Landwirtschaftsseite.

Bekanntheit steigern und den Wert des Lernorts sichtbarer machen

Auch bei der Bekanntmachung des Angebots sieht SchuB noch Potential. Noch immer gebe es Lehrpersonen ebenso wie Bäuerinnen und Bauern, die SchuB nicht kennen. Andreas Reichmuth wünscht sich deshalb, «etwas weniger Diskussionen um zu wenig vorhandenes Geld und etwas mehr Raum für Diskussionen über die wertvolle Arbeit, die auf den SchuB-Betrieben geleistet wird». Wenn dieser Wert für Schulen und Landwirtschaft als Ganzes noch sichtbarer werde, so seine Hoffnung, wachse auch die Unterstützung an den entscheidenden Stellen.

Fest steht: SchuB schlägt seit mehr als vier Jahrzehnten Brücken zwischen Stadt und Land. Die beteiligten Bauernfamilien ermöglichen echte Begegnungen und machen für Kinder und Jugendliche sichtbar, was im Alltag oft verborgen bleibt. Dass 2025 erneut mehr als 72’000 Kinder auf dem Bauernhof lernen konnten, ist deshalb nicht nur eine eindrückliche Zahl, sondern auch ein starkes Zeichen für die anhaltende Bedeutung dieses ausserschulischen Lernorts.