Wie die Landschaft mehr Wasser speichern soll
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Fredy Abächerli nimmt eine Handvoll Kompost aus der Miete und betrachtet den Verrottungsgrad des Materials. Rund um ihn stehen Fachleute aus der Kompostierungs- und Vergärungsbranche. Die Teilnehmenden des diesjährigen Forums interessieren sich weniger für die Grundlagen der Kompostierung als für die Frage, wie sich die Nährstoffe aus Kompost und Gärgut künftig noch effizienter nutzen lassen. Antworten darauf lieferte der Besuch bei der NaturaEnergie AG in Kägiswil. Geschäftsführer Klaus Seiler und Betriebsleiter Tobias von Rotz führten die Fachleute über die Anlage.
Die NaturaEnergie AG wurde 2009 von acht Obwaldner Landwirtschaftsbetrieben gegründet. Begonnen hatte alles mit der Kompostierung am Feldrand von rund 1’000 Tonnen Material aus der Gemeinde Sarnen und den beteiligten Höfen. Um die Zusammenarbeit auf eine solide Basis zu stellen, gründeten die Landwirte eine Aktiengesellschaft. Bis heute gehört die Anlage keinem einzelnen Betrieb, die Gründer sind über Aktien beteiligt, während ihre Landwirtschaftsbetriebe eigenständig geblieben sind.
Ein wichtiger Entwicklungsschritt folgte 2011: Mit dem Verbot, Speiseabfälle an Schweine zu verfüttern, musste für die anfallenden Lebensmittelreste eine neue Lösung gefunden werden. Die NaturaEnergie AG baute daraufhin ein Sammelsystem, eine Biogas- und eine Kompostieranlage für die sechs Obwaldner Gemeinden auf und entwickelte den Betrieb kontinuierlich weiter.
Heute vereint das Unternehmen vier Geschäftsfelder unter einem Dach: die Vergärung von Biomasse in der Biogasanlage, die Kompostierung, die Produktion von Pflanzenkohle sowie die Herstellung und Vermarktung von Komposterden für Gartenbau und Privatpersonen.
Im Kanton Obwalden wird Grüngut über die kommunalen Entsorgungshöfe gesammelt. In Kägiswil angekommen, beginnt die eigentliche Arbeit mit einer konsequenten Triage. «Diese Triage ist sehr wichtig», erklärt Betriebsleiter Tobias von Rotz.
Das angelieferte Material wird in verschiedene Fraktionen aufgeteilt: Gras- und Rasenschnitt gelangen in die Biogasanlage, Holz und Äste dienen als Rohstoff für die Pflanzenkohleproduktion und das übrige Material wird kompostiert. Die Sortierung entscheidet darüber, welcher Verwertungsweg den grössten Nutzen bringt. Die Gülle der beteiligten Landwirte wird mit einer Bodenleitung angeliefert. Über diese können sie auch Gärgülle zurückpumpen.
Jährlich verarbeitet die NaturaEnergie AG rund 6’000 Tonnen Grüngut sowie rund 16’000 Tonnen Mist und Gülle. Zusätzlich entstehen aus rund 2’000 Kubikmetern Holzschnitzeln etwa 500 Kubikmeter Pflanzenkohle.
Besonders aufmerksam verfolgten die Teilnehmenden des Kompostforums die angelaufenen Versuche mit dem separierten Gärmist aus der Biogasanlage. Genau hier setzt nämlich das Teilprojekt zur Verbesserung der Stickstoffeffizienz an.
In der Biogasanlage werden Gülle, Gras und Speisereste unter Luftabschluss vergärt. Fachleute sprechen von einem anaeroben Prozess. Dabei produzieren Mikroorganismen Biogas, das zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Zurück bleiben Gärgülle und Gärmist mit wertvollen Nährstoffen, darunter Stickstoff.
Mit den Versuchen bei NaturaEnergie endet der Prozess jedoch nicht nach der Vergärung. Gärmist wird anschliessend mit frischen Grüngut, Kompost, Erde und Pflanzenkohle vermischt und weiter kompostiert. So wird der Vergär- in einem aeroben Kompostierprozess weitergeführt, also ein Abbau unter Sauerstoffeinfluss. Durch regelmässiges Wenden gelangt genügend Luft in die Kompostmieten, damit die aeroben Mikroorganismen ihre Arbeit verrichten können.
Die Pflanzenkohle spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie kann Wasser und Nährstoffe speichern und bietet Mikroorganismen eine grosse aerobe Besiedlungsfläche. Der beigemischte Kompost und die Erde wiederum puffern und bringen ein aktives Kompost- und Bodenleben mit. Das Material wird von Beginn an gemischt, damit der Kompostierungsprozess rasch und stabil anlaufen kann.
Das Ziel dieses zusätzlichen Verarbeitungsschrittes ist es, den im Gärgut enthaltenen Stickstoff mit reduzierten Verlusten pflanzenverfügbar zu machen und die Nährstoffausnutzung zu erhöhen.
Was auf der Anlage in Kägiswil praktisch erprobt wird, steht im Zentrum des nationalen Ressourcenprojekts «Mineraldünger ersetzen». Die Schweiz will ihre Stickstoffverluste aus Recyclingdüngern reduzieren. Gleichzeitig soll der Einsatz von Mineraldüngern gesenkt werden, deren Herstellung grosse Mengen fossiler Energie benötigt.
Das Projekt verfolgt deshalb zwei Ansätze. Einerseits werden Kompostierungs- und Vergärungsanlagen dabei unterstützt, ihre Produkte hinsichtlich der Stickstoffeffizienz zu optimieren. Andererseits begleiten speziell ausgebildete Stickstoff-Coaches Landwirtschaftsbetriebe beim Einsatz von Hof- und Recyclingdüngern. Ziel ist es, die Nährstoffverluste zu reduzieren, die Bodenfruchtbarkeit zu stärken und den Bedarf an Mineraldüngern zu senken, ohne Ertragseinbussen in Kauf nehmen zu müssen.
Am Kompostforum informierten Fachleute von Agroscope und Biomasse Schweiz über den aktuellen Stand. Nach der Planungsphase geht das Projekt nun in die praktische Umsetzung. Neben der NaturaEnergie AG beteiligen sich acht weitere Kompostierungs- und Vergärungsanlagen.
Bald startet der erste Lehrgang für Stickstoff-Coaches. Gleichzeitig suchen die Projektverantwortlichen weitere Landwirtschaftsbetriebe für die Praxisphase. «Wir sind noch auf der Suche nach Betrieben, die bisher viel Mineraldünger einsetzen und Erfahrungen mit aufbereiteten Hof- und Recyclingdüngern machen möchten», erklärte Esther Thalmann von Biomasse Schweiz.
Die anlaufenden Feldversuche in den kommenden Jahren sollen zeigen, wie gross das Potenzial von Kompost, Gärgut und weiteren Recyclingdüngern tatsächlich ist. Der Besuch in Kägiswil machte jedenfalls deutlich, dass die dafür nötigen Ideen und Innovationen längst vorhanden sind. Nun gilt es, sie auf möglichst vielen Landwirtschaftsbetrieben in die Praxis umzusetzen. Das Ressourcenprojekt läuft noch bis Ende 2032.
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