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Auf einen Blick: Massnahmenplan Sauberes Wasser des Bundesrates

Texte: Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)

Strengere Vorgaben bei der Anwendung: Was muss ich machen?

Das Parlament verlangt, dass die Risiken von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 um 50% reduziert werden. Dazu sollen die Einträge in die Umwelt verringert werden. Betriebe, die Direktzahlungen erhalten, sollen künftig bei allen Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln Massnahmen gegen die Abdrift und Abschwemmung umsetzten müssen.

Von Jan Wäspe, BLW

In der Frühjahressession hat das Parlament das Landwirtschaftsgesetz ergänzt. Bis 2027 müssen die Risiken für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und Abbauprodukte im Grundwasser um 50% reduziert werden. Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel enthält dazu 51 Massnahmen von denen knapp die Hälfte bereits eingeführt worden ist. Zur Unterstützung der Zielerreichung schickt der Bundesrat nun zusätzliche Massnahmen in Vernehmlassung.

Pflanzenschutzmittel sollen nur auf die zu schützenden Kulturen aufgebracht und möglichst nicht in die Umwelt gelangen. Ein Teil des Sprühnebels kann aber bei der Anwendung auch neben dem Feld landen. Man spricht hier von Abdrift. Bei einem Regenereignis können Pflanzenschutzmittel zudem vom Feld in angrenzende Gewässer abgeschwemmt werden. Oder sie können auf die Strasse abgeschwemmt werden und so über die Kanalisation in einen Bach gelangen. Diese Einträge sollen mit den neuen Regelungen reduziert werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Abdrift und Abschwemmung einzuschränken. In den Weisungen des BLW sind dazu wirksame Massnahmen aufgelistet. Ihre Wirkung ist mit Punkten bewertet. Die Betriebe können aus diesem Set die für die jeweilige Situation geeignetsten Massnahmen auswählen. Alle direktzahlungsberechtigten Betriebe sollen neu Massnahmen umsetzen müssen, die einem Wert von mindestens einem Punkt entsprechen. Das kann zum Beispiel der Einsatz von speziellen Düsen sein, welche die Drift um 75% reduzieren. Oder die Anlage eines 6 Meter breiten bewachsenen Pufferstreifens, der die Abschwemmung zurückhält.

Mit dieser neuen Anforderung zur Verringerung der Abdrift und Abschwemmung werden die Einträge in Oberflächengewässer und naturnahe Lebensräume und damit auch das Risiko reduziert. Diese neuen Bestimmungen sollen ab 2023 in Kraft treten.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit erhöhtem Risikopotenzial wird eingeschränkt

Gewisse Substanzen stellen ein grösseres Risiko dar als andere. Die Anwendung solcher Pflanzenschutzmittel mit erhöhtem Risikopotenzial soll daher auf direktzahlungsberechtigten Betrieben eingeschränkt werden. Eine Anwendung ist nur noch dann möglich, wenn es keine alternativen Wirkstoffe zum Schutz der Kulturpflanzen gibt.

Von Jan Wäspe, BLW

In der Frühjahressession hat das Parlament das Landwirtschaftsgesetz ergänzt. Bis 2027 müssen die Risiken für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und Abbauprodukte im Grundwasser um 50% reduziert werden. Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel enthält dazu 51 Massnahmen von denen knapp die Hälfte bereits eingeführt worden ist. Zur Unterstützung der Zielerreichung schickt der Bundesrat nun zusätzliche Massnahmen in Vernehmlassung.

Gewisse Substanzen stellen bei ihrer Anwendung ein grösseres Risiko dar als andere. Eine zentrale Massnahme ist, die Anwendung von denjenigen Pflanzenschutzmitteln einzuschränken, die am stärksten zum Risiko beitragen. Um die Liste dieser Pflanzenschutzmittel zu bestimmen, wurde für alle Wirkstoffe berechnet, wie hoch ihr Risikopotenzial für Oberflächengewässer und für Abbauprodukte im Grundwasser ist. Zudem werden die in der Gewässerschutzgesetzgebung festgelegten Grenzwerte von bestimmten Substanzen teilweise überschritten. Die Resultate der Umweltmonitorings wurden daher auch berücksichtigt. Alle Wirkstoffe, die für 75% des Risikopotenzials oder der Überschreitungen verantwortlich sind, wurden in die Liste aufgenommen. Die Anwendung dieser Mittel soll auf allen Betrieben, die mit Direktzahlungen unterstützt werden, eingeschränkt werden. Eine Anwendung ist nur noch mit einer Sonderbewilligung des Kantons möglich, wenn es keine alternativen Wirkstoffe für den Schutz der Kulturpflanzen gibt. Diese neuen Bestimmungen sollen ab 2023 in Kraft treten.

Mit der Einschränkung der Anwendung der betroffenen Pflanzenschutzmittel wird ein grosser Schritt Richtung der 50% Risikoreduktion gemacht. Die Überschreitungen in Oberflächengewässern und die Belastung des Grundwassers mit Abbauprodukten sollen deutlich reduziert werden.

Das Klima und die Gewässer schützen dank effizientem Stickstoffeinsatz

Stickstoffdünger sollten so effizient wie möglich eingesetzt werden, denn sie können durch das entstehende Lachgas Treibhausgasemissionen verursachen. Sie sind ausserdem mitverantwortlich für den Stickstoffüberschuss in Gewässern. Der Beitrag für einen effizienten Stickstoffeinsatz bietet der landwirtschaftlichen Produktion einen Anreiz, die verfügbaren Stickstoffdünger so effizient wie möglich einzusetzen.

Von Laurent Nyffenegger, BLW

Beim Einsatz von Stickstoffdüngern entsteht Distickstoffmonoxid, allgemein bekannt als Lachgas, das ein hohes Treibhausgaspotenzial aufweist. Aus diesem Grund müssen sie so effizient wie möglich eingesetzt werden. Der Bundesrat schlägt vor, für den effizienten Einsatz einen Beitrag einzuführen, der ausserdem dazu beiträgt, das Ziel betreffend Reduktion der Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft zu erreichen. 

Die Düngungsnormen sind betreffend Nährstoffbedarf der Kulturen ausschlaggebend. Die Reduktion der Stickstoffzufuhr kann zu einem Rückgang der Erträge führen und die Produktionsqualität beeinflussen (bspw. den Proteingehalt von Getreide). Die vorgeschlagene Massnahme bietet daher den landwirtschaftlichen Betrieben einen Anreiz, die verfügbaren Stickstoffdünger so effizient wie möglich einzusetzen, wodurch die Auswirkungen eventueller Ertrags- und/oder Qualitätseinbussen möglichst gering gehalten werden. Indirekt werden dadurch auch Alternativen zur Stickstoffdüngung gefördert, beispielsweise der Anbau von Leguminosen oder der Humusaufbau im Boden. Es handelt sich also um eine Win-Win-Massnahme.

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Förderung der funktionalen Biodiversität und der konservierenden Landwirtschaft

Die parlamentarische fördert umweltfreundliche landwirtschaftliche Produktionsmethoden. In diesem Rahmen werden ab 2023 Beiträge zur Förderung der funktionalen Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit eingeführt.

Von Laurent Nyffenegger und Aurelia Passaseo, BLW

Die neuen Produktionssystembeiträge zielen darauf ab, den ökologischen Fussabdruck der Landwirtschaft zu verkleinern. Zu den geplanten Massnahmen gehören Nützlingsstreifen, die die funktionale Biodiversität wiederherstellen, indem sie Insekten fördern, die die Schädlingsausbreitung begrenzen. Dadurch ist es möglich, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den Kulturen zu reduzieren: Eine Studie von Agroscope zeigt beispielsweise, dass die Anzahl der Blattläuse in Kartoffelkulturen, die an Nützlingsstreifen angrenzen, um durchschnittlich 75 Prozent reduziert werden konnte. Die Massnahmen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bezwecken, Techniken zu fördern, die die Böden vor Erosion und Abschwemmung von Pflanzenschutzmitteln sowie vor Verdichtung schützen. Diese Programme leisten einen wichtigen Beitrag zur Resilienz der landwirtschaftlichen Produktion in Bezug auf Pflanzenschutz und Klimagefahren.

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Die Branche erhält eine tragende Rolle

Das Parlament hat der gesamten Branche entlang der Lebensmittel-Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle beigemessen, wenn es um die Erreichung der Reduktionsziele Pflanzenschutzmittel und Nährstoffverluste geht. Die Branche erhält hier auch eine wichtige Chance, um zu zeigen, was sie unternimmt. Sie kann somit aufzeigen, wie Landwirtschaft und Umweltschutz vereinbar sind. In eigener Initiative können zusätzliche Massnahmen umgesetzt werden und wenn möglich mit Marktvorteilen verschränkt werden. So kann eine Dynamik entstehen, die zur Lösung wichtiger Umweltanliegen in der Landwirtschaft beitragen kann.

Von Hans Dreyer, BLW

Mit der Parlamentarischen Initiative zur Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und zur Reduktion von Stickstoff- und Phosphorverlusten in der Landwirtschaft hat das Parlament zwei neue sogenannte «Absenkpfade» beschlossen: Den «Absenkpfad Pflanzenschutzmittel» sowie den «Absenkpfad Nährstoffverluste». Beide verfolgen dasselbe Ziel: die Gewässer in der Schweiz weniger stark zu belasten. Innerhalb dieses Jahrzehnts gilt es, wichtige zugehörige Ziele zu erreichen. Diese befinden sich im Moment in der Konkretisierung und werden in der laufenden Vernehmlassung konsultiert.

Um die Reduktionsziele zu erreichen, steht ein Instrumentarium von Massnahmen auf Stufe Bund bereits zur Verfügung. Dazu gehören der verbindliche)ÖLN oder die freiwilligen Produktionssystembeiträge. Das Instrumentarium wurde mit ergänzenden Massnahmen weiterentwickelt. Diese genügen allerdings nicht, um die Reduktionsziele zu erreichen.

Wissend um diesen Umstand hat das Parlament mit der Pa.Iv. 19.475 einen breiteren Ansatz ins Auge gefasst. Ein wesentliches Merkmal dieser Initiative ist ihr «Bottom-up» Ansatz. Das Parlament hat diesen Ansatz explizit ins Gesetz aufgenommen. So können die von den Absenkpfaden betroffenen Branchen- und Produzentenorganisationen, aber auch weitere wichtige Akteure in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette, wie z.B. die Label- oder Konsumentenorganisationen, bzw. der Detailhandel, wichtige Beiträge leisten. Nicht nur die produzierende Landwirtschaft, sondern der gesamten Branche kommt somit eine bisher nicht gekannte prominente Rolle zu.

Auf Stufe Bund bestehen schon Instrumente und Massnahmen, die zu den beiden Absenkpfaden beitragen. Die Branche ist also nicht alleine verantwortlich für das Ergreifen von Massnahmen zur Erreichung der Reduktionsziele. Ihre Stärke liegt jedoch darin, dass sie mehr Spielraum hat, um in eigener Initiative - mit Innovation, Kreativität und marktorientiertem Denken - neue Lösungen bzw. Massnahmen zu entwickeln und diese wirksam umzusetzen. Die Massnahmen können sehr vielgestaltig sein und sollen komplementär, bzw. synergistisch, zu den Bundesmassnahmen sein. Einerseits können sie zu einer erhöhten Teilnahme bei bereits existierenden oder neuen freiwilligen Bundesmassnahmen führen, oder es werden neue Massnahmen entwickelt, die ihre Wirkung zu den Bundesmassnahmen ergänzend entfalten. Das Zusammenspiel zwischen Bundesmassnahmen und Branchenmassnahme ist ein dynamischer Prozess, der in vollem Gang ist. Innerhalb der Branche wird die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren darüber entscheiden, wie wirksam die Massnahmen sind. Dazu gibt es bereits zahlreiche Ideen, Initiativen und Handlungsfelder einzelner Branchen, die zu den Reduktionszielen beitragen werden. Die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungsketteunter den relevanten Akteuren wird künftig somit eine viel stärkere Bedeutung erhalten, als dies heute der Fall ist. Dabei können auch neue Zusammenarbeitsformen entstehen.

Alle Organisationen, die einen Beitrag zu den Reduktionszielen leisten und in der Wertschöpfungskette integriert sind, sind jetzt also in der Pflicht. Ihre bessere Marktnähe ist ein wesentlicher komparativer Vorteil gegenüber dem Akteur «Bund». Die zusätzlichen Anstrengungen innerhalb der Branche, insbesondere auf Stufe der landwirtschaftlichen Produktion, sollen wo immer möglich auch vom Markt honoriert werden. Eine gesunde Umwelt ist – wie die Gesundheit von Mensch, Tier oder Pflanzen – nicht gratis. Sie hat einen Preis und es lohnt sich, dafür etwas zu bezahlen, im Interesse aller.

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Sämtliche Stickstoff- und Phosphorverluste werden national erfasst

Das Bundesgesetz über die Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pestiziden gibt unter anderem vor, dass die Stickstoff- und die Phosphorverluste der Landwirtschaft bis im Jahr 2030 angemessen reduziert werden. Um den Einsatz der Nährstoffe national messen zu können, setzt der Bundesrat auf die sogenannte OSPAR-Bilanzierungsmethode. Mit dieser verlässlichen Datengrundlage wird die Transparenz in der Nährstoffbewirtschaftung weiter erhöht. Landwirtinnen und Landwirte werden dank der Methode administrativ entlastet.

Von Hans Dreyer, BLW

Im Rahmen der Pa.Iv. 19.475 «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» legt der Bundesrat  fest, mit welcher Berechnungsmethode die Zielerreichung zur Reduktion von Nährstoffverlusten bis zum Jahr 2030 überprüft wird. Der Bundesrat schlägt vor, dass die Berechnungsmethode aufgrund der nationalen Input/Output-Bilanz (sogenannte OSPAR-Methode) angewendet wird. Die OSPAR-Methode dient der Berechnung von Nährstoffverlusten auf nationaler Ebene und erfolgt auf Basis verschiedener Datenquellen (Swiss-Impex, agristat, EZV, Agricura, Meteotest etc.). Sie ist seit Jahrzehnten etabliert und wurde von Agroscope transparent dokumentiert.

Neu: Mitteilungspflicht für Kraftfutter- und Düngerlieferungen

Der Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) verlangt für jeden Landwirtschaftsbetrieb als Grundvoraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen den Nachweis einer ausgeglichenen Nährstoffbilanz. Die Methode für diesen einzelbetrieblich zu erbringenden Nachweis ist die sogenannte «Suisse-Bilanz». Diese verfolgt einen agronomischen Ansatz: Sie bringt den Nährstoffanfall (resp. Nährstoffeinsatz) eines Betriebs ins Verhältnis zum Nährstoffbedarf aller Kulturen des Betriebs. Die Methodik ist in der «Wegleitung Suisse-Bilanz»[1] beschreiben.

Mit dem neuen LwG-Artikel 164a aus der Pa.Iv. 19.475 wird die bestehende Deklarationspflicht von Hof- und Recyclingdüngerlieferungen ausgeweitet: Ab dem 1.1.2024 gilt eine Mitteilungspflicht für Kraftfutter- und Düngerlieferungen. Durch diese Bestimmung werden insbesondere auch jene in die Pflicht genommen, die mit diesen Nährstoffen handeln. Nährstofflieferungen werden damit umfassender dokumentiert.

Die Mitteilungspflicht für Nährstofflieferungen bringt eine administrative Vereinfachung für Landwirtinnen und Landwirte, da sie durch den Handel erfolgt. Sie schafft die Voraussetzung für eine verlässlichere Datengrundlage und erhöht die Transparenz in der Nährstoffbewirtschaftung.

Die Mitteilungspflicht ist ein zentrales Element zur Stärkung der Suisse-Bilanz. Sie erhöht deren die Aussagekraft und Glaubwürdigkeit, da die Datengrundlage erweitert und die Vertrauenswürdigkeit der Daten bezüglich der Kraftfutter- und Düngerlieferungen substanziell verbessert wird. Die Mitteilungspflicht unterstützt alle Massnahmen zur Reduktion der Nährstoffverluste, welche die Suisse-Bilanz oder weitere Rechnungsmodelle wie den Ammoniakrechner involvieren.

Für den ÖLN müssen Grundfutterlieferungen weiterhin deklariert werden

Mit der Mitteilungspflicht werden erstmals Daten zu den Lieferungen von Nährstoffen innerhalb der Schweiz erfasst. Die Möglichkeit, Lieferungen an Landwirte resp. Nicht-Landwirte unterscheiden zu können, ermöglicht es, die innerlandwirtschaftlichen Nährstoffflüsse und –verluste noch besser abzugrenzen.

Aufgrund der Beschränkung der Mitteilungspflicht (gemäss LwG Art. 164a) auf ‘Kraftfutter’ (anstatt ‘Futtermittel’ allgemein) und Düngerlieferungen ist eine abschliessende regionale Bilanzierung nicht ohne zusätzliche Informationen möglich: Das Parlament hat im Bereich der Futtermittel die Grundfutterlieferungen (in welchen das Raufutter enthalten ist) von der Mitteilungspflicht ausgeklammert. Im ÖLN gilt für die Landwirte jedoch weiterhin, dass sie ihre Grundfutterlieferungen deklarieren müssen.

Die Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter tragen durch ökonomisches Verhalten direkt dazu bei, dass auch die Ökologie profitiert: Von den Nährstoffen, die auf ihrem Betrieb vorhanden sind, sollen möglichst wenig verloren gehen. So leisten die Betriebe einenBeitrag, damit auf gesamtschweizerischer Ebene die Stickstoff- und Phosphorverluste reduziert werden, weil weniger Mineraldünger (oder auch Futtermittel) in die Schweiz importiert werden müssen. Der Effekt ist umso stärker, je mehr Betriebe effizient handeln. Dies kann modellhaft illustriert werden:

Indem z.B. ein Betrieb Abluftreinigungsanlagen in seinem Stall verwendet, um flüchtiges Ammoniak aus der Luft zu waschen, kann er dieses in die Gülle zurückführen. Dem Betrieb bleibt so mehr Stickstoff im Hofdünger zur Verfügung und er kann in gewissem Mass auf den Zukauf von Stickstoffdünger verzichten. In der Summe der Beiträge von Massnahmen auf Betriebsebene schlägt sich diese letztlich in der nationalen Bilanz nieder. Die Reduktionswirkung ist umso stärker, je mehr Betriebe Anstrengungen unternehmen, die Nährstoffe auf ihrem Betrieb möglichst effizient zu verwenden.


[1] Beschrieb der Methodik Suisse-Bilanz Version 1.16, publiziert auf der Homepage des BLW / Ausgeglichene Düngerbilanz (DZV. Art. 13)

Neue Bewertung der Pflanzenschutzmittel mit erhöhtem Risiko

Dies betrifft die Risiken für Oberflächengewässer und naturnahe Lebensräume sowie die Belastung des Grundwassers mit Abbauprodukten. Der Bundesrat bestimmt die Indikatoren, um die Erreichung dieser Ziele zu überprüfen.

Von Jan Wäspe, BLW

In der Frühjahressession hat das Parlament das Landwirtschaftsgesetz angepasst. Bis 2027 müssen die Risiken von Pflanzenschutzmitteln für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und Abbauprodukte im Grundwasser um 50% reduziert werden. Der Bundesrat hat nun die Indikatoren zur Berechnung der Risiken und Überprüfung der Zielerreichung in die Vernehmlassung geschickt.

Die Risiken von Pflanzenschutzmitteln werden durch verschiedene Faktoren bestimmt. Zum einen sind das die unterschiedlichen Eigenschaften der Wirkstoffe. Gewisse Wirkstoffe sind toxischer für bestimmte Lebewesen oder weniger gut abbaubar als andere. Zum anderen bestimmt auch der Einsatz der Stoffe die Risiken. Wird ein Wirkstoff häufiger angewendet, wird das Risiko grösser. Wird ein Pflanzenschutzmittel hingegen in einem geschlossenen Raum angewendet, so sind die Einträge in die Umwelt kleiner, als wenn das Produkt im Freien angewendet wird. Auch mit solchen Anwendungsvorschriften können die Einträge in die Umwelt und somit das Risiko reduziert werden. Die Indikatoren berücksichtigen diese Elemente.

Wichtige Grundlagen für die Festlegung der Indikatoren wurden bereits erarbeitet. So wurden für alle Wirkstoffe sogenannte Risikofaktoren berechnet. Diese zeigen das Potenzial eines Wirkstoffes das Grundwasser mit Abbauprodukten zu belasten oder die Oberflächengewässer zu beeinträchtigen. Die Umweltmonitorings zeigen, dass die Wirkstoffe mit den höchsten Risikofaktoren für einen wichtigen Teil der Belastung des Grundwassers mit Abbauprodukten und der Überschreitungen in Oberflächengewässern verantwortlich sind. Sie sollen deshalb auf direktzahlungsberechtigten Betrieben ab 2023 eingeschränkt werden. Das ist eine wichtige Massnahme, die der Bundesrat in Vernehmlassung geschickt hat. Sie soll wesentlich zur Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln beitragen.




Humusaufbau im Boden fördern und die Fortschritte gezielter überwachen

Für einen gesunden Boden ist ein ausreichender Humusgehalt notwendig. Ein solcher ermöglicht unter anderem die effiziente Nutzung der Nährstoffe. Die landwirtschaftliche Produktion kann zu einer Humusverarmung der Böden führen. Der neue Beitrag, der im Verordnungspaket zur parlamentarischen Initiative «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» vorgeschlagen wird, soll den Landwirtinnen und Landwirten auf der Grundlage der von ihnen angewandten landwirtschaftlichen Praktiken ausgerichtet werden. Es ist ausserdem ein Beitrag vorgesehen, der in Abhängigkeit von den erzielten Ergebnissen gewährt wird.

Von Laurent Nyffenegger, BLW

Die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms NFP 68 zeigen, dass in gewissen landwirtschaftlichen Regionen im Boden ein Humusmangel herrscht. Ein ausreichender Humusgehalt erfüllt mehrere wichtige Bodenfunktionen, unter anderem erhöht er die Resilienz der Produktion gegenüber klimatischen Gefahren. Darüber hinaus wird durch den Humusaufbau mehr atmosphärischer Kohlenstoff gebunden und die Auswaschung von Düngemitteln reduziert, was finanzielle Einsparungen für die Landwirtin oder den Landwirt bringt. Der vorgeschlagene neue Beitrag fördert die vermehrte Anwendung von landwirtschaftlichen Praktiken, die den Humusgehalt im Boden erhöhen. Die Entwicklung des Humusgehalts wird durch eine jährliche Humusbilanz mittels einer bereits online verfügbaren EDV-Anwendung überwacht (www.humusbilanz.ch

Wenn nach vier Jahren bestimmte Humusaufbauziele erreicht wurden, werden Zusatzbeiträge ausgerichtet. Um die Nutzung der Anwendung zu vereinfachen, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Doppelerfassungen zu vermeiden, ist geplant, in Zukunft die bereits vorhandenen landwirtschaftlichen Daten zu integrieren.







Begrenzung der Direktzahlungen pro Standardarbeitskraft wird aufgehoben

Die Begrenzung von 70'000 Fr. an Direktzahlungen pro Standardarbeitskraft (SAK) soll mit der Umsetzung des «Massnahmenplans Sauberes Wasser» per 2023 aufgehoben werden. Eine Aufhebung ist zweckmässig, weil die Ziele der parlamentarischen Initiative 19.475 im Bereich Pflanzenschutzmittel und Nährstoffe damit rascher und besser erreicht werden.

Von Simon Hasler, BLW

Mit den neuen und weiterentwickelten Produktionssystembeiträgen wären hauptsächlich mehr Ackerbau- und Biobetriebe ohne Vieh von einer Begrenzung pro SAK betroffen -  schätzungsweise 600 Betriebe und somit mehr als doppelt so viele wie aktuell. Die Teilnahme an Direktzahlungsprogrammen, wie zum Beispiel dem Verzicht auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit oder der Umstieg auf den Biolandbau, würde für die betroffenen Betriebe finanziell nur noch teilweise oder nicht mehr mit zusätzlichen Direktzahlungen abgegolten. Als Folge würden sie nicht an diesen Programmen teilnehmen, nicht auf den Biolandbau umsteigen und würden folge dessen unnötig die Zielerreichung im Bereich PSM und Nährstoffe schwächen. Alternativen mit anderen Regelungen zur Begrenzung pro SAK wären nicht zielführend: Entweder würden gegenüber heute zusätzliche Direktzahlungsarten aus der Begrenzung genommen, so dass kaum mehr ein Betrieb betroffen wäre. Oder es würde zum Beispiel neu Bergbetriebe tangieren, denen Direktzahlungen für die Bewirtschaftung von Hang- und Steillagen reduziert würden. Aus Gründen wie diesen soll die Begrenzung aufgehoben werden. Letztlich trägt die Aufhebung auch zur Vereinfachung des Agrarförderungssystems bei. 

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Mit Biodiversitätsförderung den Pflanzenschutzmittel- und Nährstoffeinsatz reduzieren

Biodiversitätsförderflächen werden nicht oder reduziert gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Buntbrachen oder Ackerschonstreifen tragen damit zu den Zielen der Parlamentarischen Initiative bei.

Von Judith Lander Callipari, BLW

Biodiversitätsförderflächen auf der Ackerfläche kommen nicht nur der Natur zugute, sondern auch der Produktion von Lebens- und Futtermitteln: Durch diese Flächen werden Nützlinge und Bestäuber gefördert, welche zur Bekämpfung von Schädlingen der landwirtschaftlichen Kulturen und für die langfristige Sicherung der Bestäubung immens wichtig sind.

Die vorgeschlagene neue ÖLN-Anforderung von 3.5 % Biodiversitätsförderflächen auf der Ackerfläche trägt gleichzeitig zu beiden Zielen der Parlamentarischen Initiative 19.475 «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» bei, der Verminderung des Nährstoff- und des Pflanzenschutzmitteleintrags. Gleichzeitig wird über die Biodiversitätsförderflächen die Biodiversität dort gezielt gefördert, wo heute ein grosses Defizit besteht, nämlich auf der Ackerfläche im Talgebiet. Insgesamt benötigen alle ÖLN-Betriebe weiterhin mindestens 7% Biodiversitätsflächen; die 3.5% Biodiversitätsförderflächen auf der Ackerfläche müssen nicht zusätzlich bereitgestellt werden.

Mit dem Ackerschonstreifen und dem neuen BFF-Element «Getreide in weiter Reihe» haben die Betriebe zwei Typen von Biodiversitätsförderflächen zur Auswahl, mit denen Lebens- und Futtermittel produziert werden können. Bunt- und Rotationsbrachen sowie Säume und Nützlingsstreifen sind nicht nur wichtige Lebensräume für viele Tierarten, sondern werten auch das Landschaftsbild auf.

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Warum wird die 10%-Toleranzgrenze der Suisse-Bilanz gestrichen?

Die Streichung der 10%-Toleranz ist eine wichtigte Massnahme zur Reduktion der Nährstoffüberschüsse resp. Erreichung der Ziele im Rahmen des Absenkpfades für Nährstoffe. Sie ist auch ein wichtiger Bestandteil des Massnahmenpakets zur Antwort auf die Trinkwasserinitiative.

Von Johannes Hunkeler, BLW

Mit der Streichung der 10%-Toleranz wurde gezielt auf eine Massnahme gesetzt, welche eine hohe Wirkung aufweist und administrativ ohne zusätzlichen Aufwand umgesetzt werden kann. Berechnungen von Agroscope und BLW gehen von einem Reduktionspotential von rund 2.3 % aus. Dies entspricht rund 1/8 des Absenkzieles von voraussichtlich 20% bis 2030.

Betriebe, welche heute einen Bilanzsaldo von >100% haben, müssen den Düngeranfall resp. -einsatz reduzieren. Dies erfolgt, indem Hofdünger abgeführt, weniger Mineraldünger eingesetzt oder allenfalls der Tierbestand reduziert wird. Aus einem reduzierten Düngereinsatz resultieren nur dann auch tiefere Erträge, wenn auf den Betrieben die Nährstoffeffizienz nicht weiter gesteigert werden kann. Dies gilt insbesondere für das Management von Hof- und Recyclingdünger. Mit welchen Massnahmen die Effizienzsteigerung erfolgt, ist den Landwirten freigestellt. Diese können folglich Massnahmen wählen, welche optimal zu ihrem Betrieb passen. Dadurch kann die wirtschaftliche Freiheit die Gleichbehandlung der Betriebe gewährleistet werden.









































Zufuhr von proteinreichen Futtermitteln begrenzt.

Im Grasland Schweiz soll zur Milch- und Fleischproduktion das Potential des pflanzlichen Proteins im Gras ausgeschöpft werden. Der vorgeschlagene Beitrag für die reduzierte Proteinzufuhr zur Fütterung raufutterverzehrender Nutztiere soll die Proteinversorgung der Wiederkäuer mit vorwiegend betriebseigenem Futter fördern. Dieser Beitrag ist eine Weiterentwicklung des aktuellen Programms für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF). Die Ziele sind standortangepasste Tierbestände zu fördern und die Nährstoffüberschüsse zu reduzieren.

Von Rudolf Bueschlen, BLW

Im Rahmen der Agrarpolitik 2014-2017 wurde das Programm Graslandbasierte Milch und Fleischproduktion (GMF) eingeführt. Zwei Jahre nach Einführung von GMF wurde eine Evaluation durchgeführt. Obwohl das Programm positive Beiträge zu diversen Aspekten leistet, wurden auch Schwachstellen identifiziert, u.a. bezüglich Schliessung der N- und P-Nährstoffkreisläufe. Anschliessend wurden durch das BLW die Branchen und die spezialisierten Institutionen eingeladen, über die Weiterentwicklung des GMF und die Zielsetzungen zu diskutieren. Als Ergebnis wurde u.a. festgehalten, dass das Oberziel der neuen Massnahme wie folgt lauten soll: Erhaltung einer standortangepassten Wiederkäuerproduktion auf Grasbasis und reduziertem Kraftfuttereinsatz. Der Begriff «standortangepasst» beinhaltet einerseits eine am Betriebsstandort angepasste Futtermittelproduktion und andererseits dem betrieblichen Raufutterpotenzial angepasste Tierbestände.

Der nun vorgeschlagene Beitrag für die Begrenzung der Rohproteinzufuhr in der Rindviehfütterung wurde seit 2017 in Zusammenarbeit mit den Branchenvertretern und Fachexperten schrittweise konkretisiert.

Mit der Begrenzung der Rohproteinzufuhr soll die Proteinversorgung der Tiere vorwiegend mit betriebseigenem Futter sichergestellt werden. Dies führt zu standortangepassten Tierbeständen und einer standortangepassten Fütterung. Daraus resultieren geschlossenere Nährstoffkreisläufe und ein regional erhöhter Anfall von Hofdüngern wird verhindert. Weiter unterstützt diese Massnahme die Tierzuchtstrategie des Bundes.

Im Vergleich mit den Nachbarländern wird in der Schweiz weniger Kraftfutter in der Rindviehfütterung eingesetzt. Es ist ein grosses Anliegen, diese vorteilhafte Situation beizubehalten. Die Reduktion des Einsatzes von proteinbasiertem Kraftfutter wie Sojaschrot in der Rindviehfütterung bietet klar ein Differenzierungspotential gegenüber dem Ausland und kann einen Beitrag zur Mehrwertstrategie leisten. Die Berechnung einer Futterbilanz wird für die Beitragsausrichtung keine Voraussetzung mehr sein. Im Vergleich zu GMF wird somit eine administrative Entlastung für die Bewirtschafterinnen und die Bewirtschafter erreicht.

Die durch den neuen Beitrag befürchtete Intensivierung der Grasnutzung durch eine erhöhte N-Düngung – um den Proteingehalt des Futters zu erhöhen – wird durch die Suisse-Bilanz und die geplante Abschaffung der 10%-Toleranz klar begrenzt.