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Weihnachtsbäume - was geschieht während des Jahres?

Die Zeit der geschmückten Christbäume ist bereits wieder vorüber. Zu Brennholz verarbeitet oder auf dem Kompost, wo sie wieder in den Kreislauf kommen, sind Schweizer Christbäume nachhaltig, im Gegensatz zu künstlichen Bäumen. Doch was passiert auf dem Christbaumhof bis zur nächsten Weihnacht? Ein Augenschein vor Ort.

Text und Foto: Daniel Thür, Verband Thurgauer Landwirtschaft

Schnee bedeckt die Christbäume auf der Wiese von Harald Jöhrs Christbaumplantage in Weinfelden. Ganz so, wie wir es uns an Weihnachten eigentlich wünschen. «Meine Arbeit ist jetzt das Roden und die Wurzeln der abgeschnittenen Christbäume mit dem Bagger aus dem Boden zu holen», erklärt Harald Jöhr. «Entweder setze ich im Frühling wieder frische Bäumchen ein oder säe eine Gründüngung, damit sich der Boden erholt und ich im Herbst wieder pflanzen kann». Von geruhsamem Zurücklehnen und auf nächste Weihnachten warten kann also keine Rede sein. Arbeiten finden über das ganze Jahr hindurch verteilt statt, denn nur so ist sichergestellt, dass im nächsten Dezember wieder prachtvolle Christbäume in den Stuben stehen können. Damit sich der Kreislauf schliesst, pflanzt Harald Jöhr mindestens so viele Bäume, wie im Dezember abgeschnitten wurden.

Beliebte Nordmanntanne

Als kleine, ca. zwanzig Zentimeter grosse «Christbäumchen» kommen die Setzlinge, welche bereits vier Jahre alt sind, auf den Hof von Familie Jöhr. «Bis sie zu einem schönen, rund zwei Meter grossen Christbaum herangewachsen sind, dauert es acht bis zehn Jahre». Stellt man diese Tatsache dem doch relativ günstigen Preis gegenüber, kostet ein Blumenstrauss dagegen einiges mehr. Auf dem Christbaumfeld wachsen u.a. Rot- und Blaufichten sowie Nordmann Tannen. Letztere, die beliebteste Sorte, ist nicht heimisch in der Schweiz, sondern stammt aus dem Kaukasusgebiet wie Russland, Georgien oder der Türkei. Die Samen werden an die Baumschulen verschickt und diese ziehen die Bäume die ersten vier Jahre bis zum Weiterverkauf, beispielsweise an die Familie Jöhr.

Wachstum verzögern

Der Pflegeaufwand einer Nordmanntanne ist bedeutend höher, als der einer Rottanne. Ist eine Nordmanntanne erst mal einen Meter hoch, beginnt sie sehr schnell zu wachsen und man muss eingreifen. «Wenn der Neuaustrieb im Mai beginnt, unterbrechen wir das Wachstum mit einer Zange, welche den Saftstrom verzögert und bremsen somit den schnellen Weiterwuchs», so Jöhr. Eine Rottanne kann man dagegen einfach kürzen, und sie wächst im Gegensatz zu den Nordmanntannen wieder nach. Anhand der Abstände am Stamm zwischen den Astkränzen kann man übrigens ganz einfach erkennen, wie viele Jahre der Baum gewachsen ist.

Läuseplage 2020

Ein nicht vorhersehbares Problem kam letztes Jahr auf Jöhrs zu: Eine Läuseplage. «10 Jahre sind wir verschont geblieben, aber plötzlich hatten wir überall Probleme damit, auch im Obstbau und an den Zuckerrüben». Als Grund nennt er bei den Zuckerrüben unter anderem, dass man seit zwei Jahren das Saatgut nicht mehr mit dem Mittel «Gaucho» beizen dürfe. «So konnten sich die Tierchen rasant vermehren und ich war gezwungen die Kulturen zu behandeln, um nicht die gesamte Ernte und die Christbaumplantage zu verlieren», so Jöhr. So ein Verlust steigt schnell in die tausende von Franken, Schäden, die niemand ersetzt und Existenzen ruinieren können. Harald Jöhr setzt bei den Christbäumen normalerweise keine Insektizide ein. «Ich dünge einmal im Frühling, den Herbizid Einsatz halte ich so gering wie möglich».

Biodiversität gefördert

Gesetzlich wäre es ihm erlaubt, die gesamten Kulturen mit Herbizid zu behandeln. Tut er aber nicht. «Ich mähe zwischen den Reihen sogar manuell, damit ich weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen muss», so Jöhr.  Auch verzichtet er im Frühling darauf, ein Pilzschutzmittel zu sprühen. «Das fördert die Biodiversität», sagt’s und verschwindet in seiner Baumplantage zwischen den vielen Christbäumen um nach dem Rechten zu sehen.

Untersuchungen haben eine hohe Biodiversität in den Christbaumplantagen nachgewiesen. Viele Kleinstlebewesen fühlen sich in den Ästen wohl, ebenso nisten verschiedene Vogelarten zwischen den Zweigen. Dies ist sicherlich dem Umstand zu verdanken, dass die Bäume rund zehn Jahre an Ort und Stelle gedeihen, bevor sie für den Weihnachtsverkauf abgeschnitten werden.