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Literarische Berühmtheit: die Stachelbeere

Bekannt ist sie unter viele Namen: Chrosle, Chruslebeeri oder Klosterbeere. Jetzt beginnt in der Schweiz die Saison scheinbar unscheinbaren Stachelbeere, die Einzug in die deutsche Literaturgeschichte hielt.

«Flut, Flut, Mach alles wieder gut...», schlägt Effi Briest im gleichnamigen berühmten Roman von Theodor Fontane als Trauergesang vor. An dieser berühmten literarischen Stelle bekommt die unscheinbare Stachelbeere für einmal einen grossen Auftritt. Effis Mutter mag es nämlich gar nicht, wenn nach dem Genuss der Stachelbeeren überall im Garten «Schlusen» herumliegen, schliesslich könnte jemand darauf «ausgleiten». So packen Effi und ihre Freundin Hertha die Schlusen, die leeren Fruchthüllen, kurzerhand in eine Zeitung, legen Kieselsteine zur Beschwerung darauf und versenken das ganze «Malheur» unter feierlichem Trauergesang im Gartenteich.

Die Fruchthaut oder -schale der kugel- bis ovalförmigen Stachelbeeren ist meist mit leicht borstigen Flaumhaaren besetzt und ist je nach Sorte recht fest. Bei diesen Sorten mit fester Schale kann es sinnvoll sein, nur das süsse, saftige Fruchtfleisch zu geniessen.

Die Beeren, die an dornigen Sträuchern wachsen, werden bei uns auch «Chrosle» oder «Chruselbeeri» genannt. In Deutschland heissen sie mancherorts auch Klosterbeeren. Dies, weil man die stacheligen Beeren im Mittelalter nur im Kloster kaufen konnte. Die Flachwurzler aus der Familie der Steinbrechgewächse stammen ursprünglich aus dem Vorderen Orient und aus Südeuropa. Bei uns werden Stachelbeeren etwa seit dem 16. Jahrhundert als Beerenobst angebaut. Teilweise wurden zur Herauszüchtung der Gartenformen weitere Arten eingekreuzt.

Die Früchte, welche roh gegessen werden können, finden auch häufig Verwendung in Konfitüren oder Kompotten. Früher hat man sie auch verwendet, um den allzu sauren Hauswein trinkbar zu machen.

Tipp
Stachelbeer-Konfitüre schmeckt pur oder auch in exotischen Kombinationen mit Kiwi oder Banane.