Der ökologische Leistungsnachweis ist ein ganzes Paket von Massnahmen, die alle erfüllt sein müssen. Rechtsgrundlage für die damit verbundenen Zahlungen bildet die Direktzahlungsverordnung, DZV.
3.1 Tiergerechte Haltung der Nutztiere
Der ÖLN schreibt die Einhaltung der Tierschutzverordnung vor. Da die Schweiz in einigen Teilbereichen (z.B. Käfighaltungsverbot für Legehennen, Minimalauslauf) ein strenges Tierschutzgesetz hat, ist diese Auflage – im Vergleich zum Ausland – eine nicht unerhebliche Leistung.
Die meisten Bauern gehen sogar noch einen Schritt weiter: Zwei von drei Nutztieren werden nach dem Programm "Regelmässiger Auslauf von Nutztieren im Freien", RAUS gehalten. Eines von drei Nutztieren profitiert zudem von den "Besonders tierfreundlichen Stallhaltungssystemen", BTS. Derzeit werden die Bestimmungen für BTS und RAUS unter die Lupe genommen – noch ist unklar, ob nur die Kontrollen vereinfacht oder aber die Anforderungen verschärft werden sollen.
3.2 Ausgeglichene Düngerbilanz
Ob für Menschen, Tiere oder Boden: Zu viele Nährstoffe sind immer ungesund. Während Menschen und Tiere vor allem verfetten und krankheitsanfällig werden, reagiert der Boden indem er das Zuviel an Nährstoffen ins Wasser abgibt, was zu einer Nährstoffanreicherung in Flüssen und Seen führt. Die Schweizer Bauern müssen deshalb im Rahmen des ÖLN nachweisen, dass sie nicht mehr Nährstoffe auf ihren Flächen ausbringen, als die darauf wachsenden Pflanzen tatsächlich brauchen. Sie erbringen diesen Nachweis, indem sie eine Nährstoffbilanz erstellen. Darin führen sie nicht nur den zugekauften Dünger auf, sondern auch die Anzahl Nutztiere. Denn Mist und Gülle sind die wichtigsten Dünger in der Landwirtschaft. Konkret bedeutet das, dass die Zahl der Nutztiere an den Standort angepasst oder dass Abnahmeverträge für Gülle und Mist abgeschlossen werden müssen. Betrachtet man die Schweiz als Dorf und die Schweizer Landwirtschaft als eine einzige grosse Fläche, so zeigt sich, dass eine ausgeglichene Nährstoffbilanz vor allem ein Verteilungsproblem ist. In einzelnen Regionen ist der Viehbesatz deutlich zu hoch. Das ist teilweise eine Folge der früheren Agrarpolitik: So hat man in den Sechzigerjahren den Landwirtinnen und Landwirten dieser Regionen empfohlen den Tierbesatz zu erhöhen ("innere Aufstockung") um wirtschaftlich überleben zu können – die Nährstoffkreisläufe spielten damals keine Rolle. Die Betriebe kamen den Empfehlungen nach. Nun rät man denselben Betrieben ihre Tierbestände wieder abzubauen...
Die Nährstoffbilanz erlaubt einen Spielraum von zehn Prozent. Aus praktischen Gründen macht das Sinn, denn die Nährstoffgehalte können, ebenso wie die Verfügbarkeit der Nährstoffe, von Jahr zu Jahr, von Tier zu Tier und von Betrieb zu Betrieb schwanken. Manche Wissenschafter werfen den Bauern vor, diesen Toleranzwert dauernd auszuschöpfen und damit eine Überdüngung zu provozieren; Praktiker beharren dagegen auf diesem Spielraum. Die Agrarpolitiker wollen im Rahmen der Agrarpolitik 2011 die Vorschriften vereinfachen und die Nährstoffbilanz nur noch von Betrieben mit hohem Tierbesatz oder grosser Nährstoffzufuhr verlangen.
3.3 Geregelte Fruchtfolge
Von der Gesamtfläche der Schweiz von gut 41,000 km2 sind rund zehn Prozent ackerfähige Böden. Ackerfähig ist ein Boden dann, wenn er gemäss Arealstatistik zum günstigen Wies- und Ackerland, zum übrigen Wies- und Ackerland oder zu den Heimweiden gehört, unter 900 m ü. M liegt und eine Hangneigung von weniger als zwanzig Prozent aufweist. Solch landwirtschaftlich wertvoller Boden ist knapp.
Wer mehr als drei Hektaren Ackerfläche bewirtschaftet, muss diesem Boden Sorge tragen. Zum Beispiel indem er im Rahmen des ÖLN eine geregelte Fruchtfolge nachweist. Die Fruchtfolge ist im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft, doch wird sie auch davon beeinflusst, ob und wie viel mit den jeweiligen Marktfrüchten verdient werden kann. Die Bauern stehen vor der Herausforderung, eine sinnvolle Fruchtfolge einzuhalten, die ihnen gleichzeitig erlaubt jedes Fruchtfolgeglied wirtschaftlich zu produzieren. Was das heisst, lässt sich am Beispiel der Zuckerrüben aufzeigen: Gerät der Zuckeranbau in der Schweiz unter Druck und fallen die Preise, dann werden weniger Zuckerrüben angebaut; in der Fruchtfolge verlieren sie an Bedeutung.
Im Rahmen der AP2011 soll die Fruchtfolge beibehalten, die Berechnung jedoch vereinfacht werden. So sollen nur noch bestimmte Anbaupausen zwischen den einzelnen Kulturen vorgeschrieben werden.
3.4 Geeigneter Bodenschutz
Bewachsener Boden ist weitgehend vor Verschlämmung, Verdichtung und Erosion geschützt. Doch um Ackerbau zu betreiben, muss man den Boden bearbeiten. Je mehr man den Boden bearbeitet, desto einfacher ist es, die Unkräuter in Schach zu halten und ein optimales Saatbett zu bereiten. Je weniger der Boden bearbeitet wird und je weniger chemische Mittel eingesetzt werden, desto idealer ist das für Boden und Umwelt. In diesem Spannungsfeld sind die Landwirtinnen und Landwirte aufgefordert, den Boden mit winterlicher Bodenbedeckung und durch den Anbau von Zwischenfrüchten möglichst lange in einem möglichst naturnahen Zustand zu belassen.
Die Erosionsgefahr eines Bodens ist standortabhängig (Bodenart, Hangneigung, Niederschläge), sie kann aber mit angepassten Bewirtschaftungsmassnahmen stark reduziert werden. Zum Beispiel durch den Einsatz von konservierenden Bodenbearbeitungsverfahren. Gesamtschweizerisch gibt es einen Trend zu bodenschonenden Bearbeitungsverfahren wie Direktsaat, Mulchsaat oder Streifenfrässaat. Bei diesen Verfahren wird der Boden nicht gepflügt, sondern zum Beispiel nur streifenweise aufgefräst, um den Samen darin abzulegen. Damit bleibt die Bodenbedeckung weitgehend erhalten, was als Erosionsschutzmassnahme besonders wirksam ist und den Zielen des ÖLN entspricht.
3.5 Pflanzenbehandlungsmittel
Wer wann was und in welchen Mengen spritzen darf, ist in der Schweiz weitestgehend geregelt. So darf nicht bereits beim ersten Auftreten von Schädlingen gespritzt werden, sondern erst, wenn eine bestimmte Schadschwelle überschritten ist. Und es darf nicht gegen Unkraut gespritzt werden, solange die Kultur noch nicht aufgelaufen ist. Auch die Liste der Pflanzenschutzmittel ist begrenzt. Wenn sich die Bedürfnisse der Praxis nicht mit den Vorschriften vereinbaren lassen, können Sonderbewilligungen beantragt werden – was zusätzlichen administrativen Aufwand verursacht.
Im Rahmen der AP2011 soll ein Systemwechsel stattfinden, auf Sonderbewilligungen will man künftig verzichten. Stattdessen sollen drei bis sechs Meter breite Grünstreifen entlang von Oberflächengewässern bzw. Strassen und Wegen mit Entwässerungsvorrichtungen angelegt werden. Diese Grünstreifen sollen als Pufferstreifen dienen und sowohl die Erosion als auch die Abschwemmung von Pflanzenschutzmittel in Gewässer verhindern. Die Grünstreifen sollen als Elemente des Öko-Ausgleichs angerechnet werden können.
Direktzahlungen | im Jahr 2005 | Anteil in Prozent |
Total (abzüglich Kürzungen) | 2,485,758,000 Fr. | 100% |
Allgemeine Direktzahlungen | 1,999,606,000 Fr. | 80% |
Ökologische Direktzahlungen | 506,895,000 Fr. | 20% |
- davon Ökobeiträge | 409,348,000 Fr. | 16% |
- davon für ökologischen Ausgleich | 126,023,000 Fr. | 5% |
3.6 Ökologische Ausgleichsflächen, ÖAF
Rund ein Fünftel der Direktzahlungen wird für ökologische Leistungen ausbezahlt. Ökobeiträge gibt es für Leistungen, die über die gesetzlichen Anforderungen und den ÖLN hinausgehen; wie die Öko-Qualitäts-, die Gewässerschutz-, die Sömmerungs, die Extenso- und die Biobeiträge sowie die ethologischen Beiträge für die besonders tierfreundliche Haltung der Nutztiere. Im Rahmen des ÖLN werden lediglich ökologische Ausgleichsflächen gefordert, dafür werden fünf Prozent der Direktzahlungen eingesetzt.
Während die bisher aufgelisteten Massnahmen des ÖLN vor allem eine "gute, umweltangepasste landwirtschaftliche Praxis" sicherstellen, dienen die Öko-Ausgleichsflächen dem Naturschutz. Beim ökologischen Ausgleich stellen die Landwirtinnen und Landwirte innerhalb ihres Betriebs dem Naturschutz Flächen zur Verfügung. Diese Flächen sind landwirtschaftlich wenig produktiv, haben aber einen hohen Wert für die Erhaltung der Biodiversität. Sie dienen auch als ökologische Brücken oder Korridore zwischen verschiedenen Biotopen.
Ökologische Ausgleichsflächen sind in der Regel von einer landwirtschaftlichen Pflege oder Nutzung abhängig; wenn sie nicht mehr unterhalten werden, verbuschen oder verwalden sie, die Biodiversität nimmt ab. Ökologische Ausgleichsflächen sind land-wirtschaftlich wenig produktiv, einzelne Typen liefern aber immer noch einen gewissen Ertrag wie Gras und Heu oder Mostobst von Hochstammobstbäumen.
Wer den ÖLN erfüllen will, muss mindestens 7 Prozent seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche als ökologische Ausgleichsfläche bewirtschaften; bei Spezialkulturen sind es 3,5 Prozent. Derzeit gehören etwas mehr als 11 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu den ökologischen Ausgleichsflächen – im Berggebiet sind es mit 14 Prozent sogar doppelt so viel wie gefordert. Im Talgebiet sind die ökologischen Ausgleichsflächen mit einem Flächenanteil von 9 Prozent weniger gut vertreten. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass im Talgebiet allgemein intensiver gewirtschaftet wird, die Produktivität steht im Vordergrund. Auf agronomisch gut nutzbaren Böden tut es den Bauern besonders weh, die landwirtschaftliche Produktion zu Gunsten von Blüemli, Schmetterlingen und Co aufzugeben oder stark einzuschränken.
Über die reine Erfüllung der Vorschrift hinaus macht jeder vierte Landwirtschaftsbetrieb in einem Vernetzungs- oder Ökoqualitätsprojekt mit. Rund ein Viertel der ökologischen Ausgleichsfläche gehört zu einem Ökoqualitäts- oder Vernetzungsprojekt.
Beiträge für den ökologischen Ausgleich werden auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche gewährt für:
a. extensiv genutzte Wiesen;
b. wenig intensiv genutzte Wiesen;
c. Streueflächen;
d. Hecken, Feld- und Ufergehölze;
e. Buntbrachen;
f. Rotationsbrachen;
g. Ackerschonstreifen;
h. Hochstamm-Feldobstbäume.
3.6.1 Extensiv genutzte Wiesen
Beinahe neunzig Prozent der ökologischen Ausgleichsflächen gehören zum Typ extensive oder wenig intensiv genutzte Wiesen. Bis 2000 wurden auch "extensiv genutzte Wiesen auf stillgelegtem Ackerland" gefördert, was dazu führte, dass sich diese Fläche in kurzer Zeit verachtfachte. Dann wurde diese Massnahme aufgehoben. Die extensiv genutzten Wiesen sind mit 52,000 ha Fläche etwas häufiger vertreten als die wenig intensiv genutzten Wiesen mit 32,000 ha. Trotz der detaillierten Bewirtschaftungsvorschriften sind nicht alle extensiven und wenig intensiven Wiesen ökologisch besonders wertvoll. Auf vielen Böden, vor allem im Talgebiet, ist die Nährstoffversorgung so gut, dass es Jahre dauert, bis sich ein ökologisch wertvoller Pflanzenbestand entwickelt. Eine Abkehr von der reinen Bewirtschaftungsvorschrift hin zur vermehrten Qualitätsbezahlung wird diskutiert.
Auf extensiv genutzten Wiesen dürfen keine Dünger und (von wenigen Ausnahmen abgesehen) keine Pflanzenbehandlungs-mittel ausgebracht werden. Sie müssen mindestens einmal im Jahr gemäht werden. Gemäht werden darf im Talgebiet frühestens am 15. Juni; in den Bergzonen I und II frühestens am 1. Juli; in den Bergzonen III und IV frühestens am 15. Juli. Eine Vorverlegung dieser Schnittzeitpunkte ist nur in Absprache mit der Fachstelle für Naturschutz und nur für die Alpensüdseite möglich. Dort kann bei einer besonders frühen Vegetationsentwicklung der Schnittzeitpunkt um höchstens zwei Wochen vorverlegt werden. Extensiv genutzte Wiesen dürfen zwischen dem 1.September und dem 30. November auch beweidet werden.
Der Beitrag für extensiv genutzte Wiesen beträgt je Hektare und Jahr:
a. in der Ackerbauzone und den Übergangszonen 1500 Franken
b. in der Hügelzone 1200 Franken
c. in den Bergzonen I und II 700 Franken
d. in den Bergzonen III und IV 450 Franken
3.6.2 Wenig intensiv genutzte Wiesen
Auf wenig intensiv genutzten Wiesen dürfen die Landwirtinnen und Landwirte Stick-stoffdünger nur in Form von Mist oder Kompost und allenfalls als verdünnte Vollgülle ausbringen. Die Stickstoffmenge ist auf 30 kg verfügbaren N pro Hektare und Jahr begrenzt. Pflanzenbehandlungsmittel sind auch hier verboten. Die restlichen Auflagen sind mehr oder weniger wie bei den extensive Wiesen.
Der Beitrag für wenig intensiv genutzte Wiesen beträgt je Hektare und Jahr:
a. im Talgebiet 650 Franken
b. in den Bergzonen I und II 450 Franken
c. in den Bergzonen III und IV 300 Franken
3.6.3 Streueflächen
Rund 7,000 ha sind in der Schweiz als Streueflächen für den ökologischen Aus-gleich angemeldet. Für drei Viertel der ÖAF-Streueflächen besteht gleichzeitig ein Bewirtschaftungsvertrag nach dem Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG). Derzeit ist die Trockenwiesenverordnung in der Vernehmlassung. Sie sieht unter anderem rund 3,000 zusätzliche Standorte – die meisten davon potenzielle Streueflächen – vor, die gemäss NHG gepflegt werden sollten.
Auf Streueflächen dürfen weder Dünger noch Pflanzenbehandlungsmittel ausgebracht werden und sie dürfen frühestens am 1. September gemäht werden.
Die Beiträge sind gleich wie bei extensiven Wiesen.
3.6.4 Hecken, Feld- und Ufergehölze
In der Schweiz gibt es rund 36,000 ha Hecken und Feldgehölze, allerdings sind weniger als zehn Prozent davon als ökologische Ausgleichsfläche angemeldet. Warum das so ist, ist nicht genau bekannt. Vermutlich liegt der Grund für die Nichtanmeldung bei den Anforderungen an die Grün- und Streueflächestreifen. Zudem sind die Beiträge im Verhältnis zum Aufwand niedrig, die Pflegevorschriften dagegen hoch.
Hecken, Feld- und Ufergehölze müssen einen Grün- oder Streueflächenstreifen von mindestens drei Metern Breite aufweisen; es sei denn, die Hecke grenzt an eine Strasse, Mauer oder einen Wasserlauf. Dieser Grünstreifen muss mindestens alle drei Jahre gemäht werden. In Hecken, Feld- und Ufergehölzen und auf dem zugehörigen Grünstreifen sind Dünger und Pflanzen-behandlungsmittel verboten. Hecken, Feld- und Ufergehölze müssen sachgerecht gepflegt werden. Sachgerecht bedeutet: Rückschnitt von einzelnen Heckenabschnitten während der Vegetationsruhe, stehen lassen von Dornensträuchern und langsam wachsenden Gehölzen und liegen lassen von einzelnen Ast- und Steinhaufen sowie Totholz.
Die Beiträge sind gleich wie bei den extensiven Wiesen.
3.6.5 Buntbrachen
Buntbrachen wurden 1994 eingeführt und haben sich nach einem zögerlichen Start mit 77 ha auf heute 2,300 ha ausgebreitet. Allerdings ist die Entwicklung bereits wieder rückläufig. Nachdem früher häufig auch grossflächig Buntbrachen angelegt wurden, haben viele Landwirtinnen und Landwirte erkannt, dass eine Brache mehr ist, als nur eine Fläche brachliegen zu lassen. Oft muss das Unkraut in der Brache bekämpft werden damit es in den Folgekulturen nicht zu Problemen kommt. Auch mit den vorgeschriebenen Saatmischungen waren nicht alle Bäuerinnen und Bauern glücklich: Auf nährstoffreicheren Böden in nieder-schlagsreichen Gebieten gedieh die Brache zu üppig und begann dann von unten her zu faulen oder frühzeitig zu vergrasen. Inzwischen sind auch standortangepasste Brachemischungen, wie zum Beispiel die "Rheintaler Mischung", zugelassen.
Bei Buntbrachen handelt es sich um Ackerflächen die mit einer speziellen Saatmischung einheimischer Wildkräuter angesät werden und danach mindestens zwei, höchstens sechs Jahre lang nicht mehr als Ackerfläche genutzt werden. Dünger und Pflanzenbehandlungsmittel sind ebenso verboten wie das Beweiden.
Der Beitrag für Buntbrachen beträgt 3,000 Franken pro Hektare und Jahr.
3.6.6 Rotationsbrachen
Rotationsbrachen wurden fünf Jahre nach den Buntbrachen eingeführt. Ihr Flächenanteil ist mit 900 ha bescheiden. Die Entwicklung ist rückläufig. Wenn die Getreidepreise weiter sinken, könnten die Rotations brachen wirtschaftlich an Attraktivität gewinnen.
Rotationsbrachen werden wie Buntbrachen auf dem Ackerland angelegt. Auch hier werden Wildkräuter ausgesät, die Rotationsbrache bleibt jedoch nur eine bis drei Vegetationsperioden stehen. Rotationsbrachen müssen zwischen dem 1. September und dem 30. April angesät werden und bis zum 15. Februar des dem Beitragsjahr folgenden Jahres bestehen bleiben (einjährige Rotationsbrache) oder bis zum 15. September des zweiten Beitragsjahres bestehen bleiben (zweijährige Rotationsbrache). Eine Verlängerung um eine Vegetationsperiode ist bei beiden Varianten möglich. Dünger und Pflanzenbehandlungsmittel sind verboten. Die Rotations-brache darf nur zwischen dem 1. Oktober und dem 15. März geschnitten werden.
Der Beitrag für Rotationsbrachen beträgt 2,500 Franken pro Hektare und Jahr.
3.6.7 Ackerschonstreifen
Ackerschonstreifen wurden erst 1999 eingeführt. Sie sind von allen ökologischen Ausgleichsflächen am wenigsten verbreitet. Von 1999 bis 2005 nahm die Ackerschonstreifenfläche sogar von 59 auf 51 Hektaren ab und das obwohl dieser Typ inzwischen nicht mehr nur auf das Talgebiet beschränkt ist. In der von der Forschungsanstalt Agroscope geleiteten "Arbeitsgruppe ökologischer Ausgleich im Ackerbau" wird die Ausgestaltung der bestehenden Ackerschonstreifen, aber auch neue Typen von ökologischen Ausgleichsflächen wie Ackerschonstreifen ohne Einsaat von Kulturpflanzen oder Säume derzeit intensiv diskutiert. Sicher ist, dass höhere Auflagen – wie zum Beispiel die Pflicht zur Einsaat von Ackerunkräutern – mit höheren Beiträgen entschädigt werden müssten, um dieses Element des ökologischen Ausgleichs attraktiver zu machen.
Die drei bis zwölf Meter breiten Ackerschonstreifen werden im Gegensatz zu den Brachen nicht aus der Bewirtschaftung genommen, sondern die angesäten Kulturen aus Getreide, Raps, Sonnenblumen oder Körnerleguminosen werden lediglich extensiv bewirtschaftet. Eine Einsaat von Ackerbegleitpflanzen ist erwünscht, Insektizide und stickstoffhaltige Dünger sind verboten, Unkräuter dürfen nicht flächig bekämpft werden. Ackerschonstreifen müssen auf der gleichen Fläche in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Hauptkulturen angelegt werden.
Der Beitrag für Ackerschonstreifen beträgt 1,500 Franken pro Hektare und Jahr.
3.6.8 Hochstamm-Feldobstbäume
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts sind 80 Prozent der Hochstamm-Feldobstbäume (zum Teil mit staatlichen Mitteln) gefällt und nicht wieder ersetzt worden. Ein grosser Teil fiel der Siedlungsfläche zum Opfer, der Rest der Rationalisierung. 1993 waren 1,9 Mio. Hochstamm-Feldobstbäume beitrags-berechtigt; heute sind es 2,36 Mio. Damit sind praktisch alle derzeit noch stehenden Bäume im ökologischen Ausgleich angemeldet, trotzdem ist die Anzahl weiterhin rückläufig. Alte Bäume oder vom Feuerbrand befallene und gefällte Bäume werden vielfach nicht mehr ersetzt. Der kleine Beitrag bietet keinen finanziellen Anreiz und die fachgerechte Pflege der Bäume ist sehr aufwendig.
Als Hochstamm-Feldobstbäume zählen Kernobst- und Steinobstbäume mit einer Stammhöhe von mindestens 1,2 bzw. 1,6 Meter, die weniger dicht als in einer Obstanlage stehen. Auch Kastanien- und Nussbäume gehören zu den Hochstamm-Feldobstbäumen, auch dann, wenn sie in gepflegten Selven stehen. Der Einsatz von Herbiziden, um den Stamm frei zu halten, ist verboten. Damit die Beiträge geltend gemacht werden können, müssen mindestens 20 beitragsberechtigte Bäume auf dem Betrieb vorhanden sein.
Der Beitrag je Baum und Jahr beträgt 15 Franken.
3.6.9 ökologische Ausgleichsflächen ohne Beiträge
Nicht für alle ökologischen Ausgleichsflächen gibt es Beiträge. So werden extensiv genutzte Weiden (16,000 ha) und Waldweiden (1,600 ha) zwar als ökologische Ausgleichsflächen anerkannt und können an die geforderte Fläche von 7 Prozent angerechnet werden. Geld gibt es dafür keines. Zu den nicht beitragsberechtigten Typen gehören über 100,000 einheimische, standortgerechte Einzelbäume und Alleen, fast ebenso viele nicht beitragsberechtigte Hochstammbäume, 250 Hektar Teiche, 250 Hektar Ruderalflächen, rund 200 Hektar Rebflächen mit einer hohen Artenvielfalt und weitere rund 800 Hektar Fläche auf denen sich Steinhaufen, Steinwälle, Trockenmauern, unbefestigte natürliche Wege, Wassergräben sowie Tümpel befinden. Alles ins allem bieten die Bäuerinnen und Bauern der Natur damit mindestens 20,000 weitere Hektar – für den Staat zum Nulltarif. Vermutlich sind es noch viel mehr, da diese Flächen fast nur dann gemeldet werden, wenn sie zur Erfüllung der geforderten sieben Prozent ökologischer Ausgleichsfläche gebraucht werden.