Dass es den Verein Vision Landwirtschaft überhaupt gibt, ist Mario Broggi zu verdanken. Der ehemalige Direktor der Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft, WSL, schmiss Ende 2004 seinen Job, nachdem interne Querelen ihn daran hinderten, das WSL noch stärker zu einem Umweltforschungsinstitut umzubauen. Broggi war bis vor kurzem Stiftungsrat bei der Basler MAVA-Stiftung für Naturschutzund sorgte dafür, dass der noch ungeborene Verein 100'000 Franken erhielt. Das reichte aus, um Vision Landwirtschaft am 24.August 2007 aus der Taufe zu heben, einen ersten Präsidenten zu ernennen, einen Geschäftsführer einzusetzen, eine Webseite in Auftrag zu geben und eine Medienagentur zu beauftragen. Finanziell hat sich der Verein bis heute nicht von der MAVA-Stiftung abgenabelt. Für das soeben erschienene "Weissbuch Landwirtschaft Schweiz" dürfte sie einen mittleren sechsstelligen Betrag ausgegeben haben. Und man hört, dass die Stiftung dem Verein weitere 600'000 Franken zugesagt hat, damit die Vorschläge des Weissbuchs auf politischem Weg vorangebracht werden.
Der Draht zum BAFU
Während Broggi für Geld sorgt, weibelt ein zweiter Mann im Hintergrund für die entsprechenden Infos und Connections: Hans-Ulrich Gujer vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). Gujer ist das, was man auf neudeutsch "Networker" nennt. Er liefert Informationen, stellt Kontakte her und sorgt dafür, dass Andreas Bosshard, der Geschäftsführer des Vereins, vom BAFU wahrgenommen wird und gelegentlich auch einen Auftrag erhält. Gujer hat ebenfalls am Weissbuch mitgearbeitet.
Zahlreiche namhafte Persönlichkeiten wirken im Verein als Beirat mit. Allerdings sind längst nicht alle aktiv. So hat der Tessiner Landwirt Ulrico Feitknecht, Mitglied der Beratenden Kommission Landwirtschaft des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes, noch nie an einer Sitzung teilgenommen. Auch der Ethiker Thomas Gröbly hat sich den meisten Mitgliedern noch nie gezeigt, genauso wenig wie Philippe Roch, der ehemalige BAFU-Direktor oder Markus Fischer, der Professor für Pflanzenökologie. Andere Beiräte, wie Roger Biedermann, der ehemalige Kantonschemiker und Otto Schmid vom Fibl arbeiteten dagegen am Weissbuch mit. Auch Hans Luder, der frühere IP-Suisse Präsident und Hanspeter Hunkeler, Bauer und Künstler und der Bauer Peter Oser bringen ihre Meinung ein – zumindest wenn sie gefragt werden.
Der Vorstand
Als erster Präsident amtete Volkswirtschaftsprofessor Felix Schläpfer vom ETH-Institut für Umweltentscheidungen, später übernahm Markus Jenny das Zepter. Der Agrarökologe Jenny ist bei der Vogelwarte angestellt und leitet unter anderem das Biodiversitätsprojekt der IP-Suisse. Als Privatperson im Vorstand ist Werner Müller, der Geschäftsführer des Schweizer Vogelschutzes SVS, der den Posten des Aktuars innehat. Vorstandsmitglied Josef Blum ist Agronom, er war früher Abteilungsleiter bei der Dienstelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern und führt heute ein Ökobüro. Ebenfalls zum Vorstand gehört die Umweltfachfrau Marianne Winzeler.
Geschäftsführer ist von Anfang an der Biologe Andreas Bosshard, Inhaber des Büros Ökologie und Landschaft und "Mitbewirtschafter" eines Biohofs. Wobei sich die Mitarbeit auf dem Hof nach unseren Recherchen auf ein bis zwei Wochen im Jahr beschränkt. Die Umweltfachfrau Edith Häusler ist für die Kommunikation zuständig. Gemäss Jahresbericht 2008 hat der Verein 51 Mitglieder.

